Start Wissenschaft Neue Hinweise zur frühen Phase der COPD

Neue Hinweise zur frühen Phase der COPD

Die CHRONOS-Studie des Universitätsklinikums Freiburg liefert Hinweise darauf, dass sich Funktionsstörungen der kleinen Atemwege bereits erkennen lassen, bevor die klassische Lungenfunktionsprüfung eine für COPD typische Verengung nachweist. Eine inhalative Dreifachtherapie zeigte bei den untersuchten Personen nach zwölf Wochen erste positive Effekte auf Lungenfunktion und Beschwerden.

Husten, Auswurf und Atemnot können erste Zeichen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sein. Wichtigster Risikofaktor ist langjähriges Rauchen. Eine Studie der Klinik für Pneumologie des Universitätsklinikums Freiburg deutet nun darauf hin, dass behandlungsrelevante Veränderungen der Lunge bereits vor einer klassischen COPD-Diagnose messbar sein können. Die Ergebnisse der CHRONOS-Studie wurden im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht.

„Unsere Ergebnisse könnten den Blick auf die frühe Phase der COPD verändern. Bislang beginnt die Diagnose meist dort, wo die klassische Lungenfunktionsprüfung eine Verengung der Atemwege zeigt. Wir sehen nun, dass krankhafte Veränderungen schon früher messbar sein können und dass möglicherweise bereits zu diesem Zeitpunkt eine gezielte Behandlung ansetzen kann“, sagt Prof. Dr. Daiana Stolz, Ärztliche Direktorin der Klinik für Pneumologie am Universitätsklinikum Freiburg.

Funktionsstörungen in kleinen Atemwegen

An der CHRONOS-Studie nahmen 73 Menschen teil, die über längere Zeit Tabakrauch ausgesetzt waren und Beschwerden wie Husten, Auswurf oder Atemnot hatten. Hinzu kamen 74 gesunde Vergleichspersonen.

Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit langjähriger Tabakrauchbelastung und entsprechenden Beschwerden wiesen die Forschenden mit einer empfindlichen Atemmessung bereits Funktionsstörungen in den kleinen Atemwegen tief in der Lunge nach. Diese fein verzweigten Atemwege transportieren die Luft bis in jene Bereiche der Lunge, in denen Sauerstoff ins Blut aufgenommen wird. Die verwendete Messung zeigt, wie gleichmäßig sich die eingeatmete Luft in der Lunge verteilt. Dadurch können Veränderungen sichtbar werden, die bei einer üblichen Lungenfunktionsprüfung noch unentdeckt bleiben.

Inhalative Dreifachtherapie untersucht

Das Forschungsteam untersuchte außerdem, ob eine inhalative Dreifachtherapie bereits in dieser frühen Phase wirken kann. Die Behandlung kombiniert einen entzündungshemmenden Wirkstoff mit zwei weiteren Wirkstoffen, welche die Atemwege erweitern. Bereits nach zwölf Wochen verbesserten sich bei den behandelten Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowohl Messwerte der Lungenfunktion als auch die Beschwerden.

Die Ergebnisse reichen allerdings nicht aus, um daraus einen generellen Nutzen einer frühen Behandlung abzuleiten. Das betont auch die Studienleitung.

„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, frühe Veränderungen der Lunge stärker in den Blick zu nehmen. Sie zeigen aber noch nicht, dass alle Patientinnen mit Beschwerden und unauffälliger klassischer Lungenfunktionsprüfung von einer Behandlung profitieren“,  sagt Stolz.

Weitere Studien notwendig

Die Ergebnisse liefern damit erste Hinweise auf mögliche Ansatzpunkte vor einer klassischen COPD-Diagnose. Ob und für welche Patientinnen und Patienten eine inhalative Therapie in dieser frühen Phase tatsächlich sinnvoll ist, müssen größere Studien klären.

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