Das Gewebe rund um einen Tumor kann dazu beitragen, dass sich Bauchspeicheldrüsenkrebs der Immunabwehr entzieht. Eine Studie zeigt nun, welche Rolle das Molekül CD44 dabei spielt.
Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht ein großer Teil des Tumors nicht aus Krebszellen selbst, sondern aus dem sogenannten Stroma. Dieses umgebende Gewebe kann bis zu 90 Prozent des Tumors ausmachen und enthält neben der extrazellulären Matrix unter anderem Immunzellen und krebsassoziierte Fibroblasten (Cancer-Associated Fibroblasts, CAFs).
CAFs können die Zusammensetzung und Struktur der Tumorumgebung beeinflussen. Sie produzieren Bestandteile der extrazellulären Matrix und wirken auf Immunzellen ein. Beim pankreatischen duktalen Adenokarzinom (PDAC) trägt dieses Umfeld dazu bei, dass Immunreaktionen gegen den Tumor eingeschränkt werden.
Wissenschafterinnen und Wissenschafter um Prof. Véronique Orian-Rousseau vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) untersuchten deshalb, welche Funktion das Oberflächenmolekül CD44 in diesen Zellen übernimmt. Die Ergebnisse wurden in Cell Death & Disease veröffentlicht.

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CD44 beeinflusst die Aktivität der Fibroblasten
Die Forschenden untersuchten, welche Rolle CD44 in krebsassoziierten Fibroblasten spielt. In Versuchen mit menschlichen Zellen im Labor schalteten sie das Molekül gezielt aus.
Ohne CD44 veränderten sich die Fibroblasten deutlich. Sie waren weniger aktiv, bildeten weniger Bindegewebe und schütteten weniger Botenstoffe aus, die Entzündungs- und Immunreaktionen beeinflussen. Auch ihre Fähigkeit, die Immunabwehr gegen den Tumor zu unterdrücken, nahm ab. Dadurch konnten bestimmte Immunzellen Tumorzellen besser abtöten.
Tumorwachstum im Mausmodell gebremst
Auch im Mausmodell zeigten sich Auswirkungen. Wurde CD44 in bestimmten Zellen des Tumorumfelds ausgeschaltet, waren die Tumoren zwei Wochen nach dem Einbringen der Krebszellen etwa halb so groß wie bei den Kontrolltieren.
Zugleich fanden die Forschenden weniger regulatorische T-Zellen im Tumor. Diese Immunzellen können die Immunabwehr dämpfen.
Fibroblasten verändern statt zerstören
Die Ergebnisse könnten für die weitere Erforschung neuer Therapieansätze relevant sein. Krebsassoziierte Fibroblasten vollständig zu beseitigen, ist nicht unbedingt sinnvoll: Frühere Untersuchungen zeigten, dass unterschiedliche Gruppen dieser Zellen verschiedene Funktionen haben und ihre Entfernung auch unerwünschte Auswirkungen haben kann.
Ein möglicher Ansatz besteht deshalb darin, die Fibroblasten gezielt zu verändern. Die aktuelle Studie deutet darauf hin, dass CD44 dabei eine Rolle spielen könnte. Durch das Ausschalten von CD44 verloren die untersuchten Fibroblasten einen Teil ihrer tumorfördernden und immunsuppressiven Eigenschaften.
Ob sich daraus künftig eine Behandlung für Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln lässt, ist noch offen. Die Ergebnisse stammen aus Mausmodellen und Untersuchungen an Zellen im Labor. Weitere Forschung ist notwendig, um zu klären, ob sich der Ansatz therapeutisch nutzen lässt.




