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Impfen in Apotheken: Umsetzung rückt näher

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Das Impfen in österreichischen Apotheken soll ab 2027 kommen. Bei einer Podiumsdiskussion in Wien diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Apothekerschaft, Sozialversicherung und Patientenanwaltschaft über die Voraussetzungen für die Umsetzung. Rund 3.000 Apothekerinnen und Apotheker haben bereits eine Impfausbildung absolviert.

Anfang 2027 soll das Impfen in österreichischen Apotheken starten. Ende Februar hatte die Bundesregierung das Vorhaben angekündigt und Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Modells beauftragt. Mit dem geplanten Start im kommenden Jahr rückt die konkrete Ausgestaltung des Impfangebots zunehmend in den Fokus. Vor diesem Hintergrund veranstaltete der Österreichische Apothekerverband gemeinsam mit der Tageszeitung „Die Presse“ am 14. September 2026 in Wien eine Podiumsdiskussion zum Thema „Impfen in der Apotheke: Rezept gegen Österreichs Impfmüdigkeit?“. Diskutiert wurde, wie zusätzliche Impfstellen die Prävention unterstützen können und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind.

Am Podium diskutierten Mag.pharm. Thomas W. Veitschegger, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands, Mag. Peter McDonald, Vorsitzender des Dachverbands der Österreichischen Sozialversicherungsträger, Ilaria Passarani, Generalsekretärin der Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU), und Dr. Michaela Wlattnig, Sprecherin der österreichischen Patienten- und Pflegeanwälte. Moderiert hat die Diskussion Köksal Baltaci

Publikum bei der Diskussion zum Impfen in der Apotheke in Wien
© Roland Rudolph

3.000 Apothekerinnen und Apotheker ausgebildet

Der Österreichische Apothekerverband sieht die Österreichischen Apotheken mit ihrer bestehenden Infrastruktur gut für die Einführung für „Impfen in der Apotheke“ gewappnet. Nach seinen Angaben gibt es rund 1.450 Apotheken mit täglich etwa 600.000 Personenkontakten. Rund 95 Prozent der Apotheken seien zudem innerhalb von weniger als zehn Minuten erreichbar.

Zudem haben bereits rund 3.000 Apothekerinnen und Apotheker eine Impffortbildung absolviert. Die Österreichische Apothekerkammer bietet entsprechende Kurse seit 2021 an. Wie PharmaTime 4/2026 bereits berichtete, umfasst die Ausbildung Theorie, Erste Hilfe und praktische Injektionstechnik unter ärztlicher Aufsicht.

„In Sachen Impfen ist Österreich ein Nachzügler, kein Vorreiter“, sagte Veitschegger. Er versteht Impfungen in Apotheken als zusätzliches Angebot und nicht als Konkurrenz zur Ärzteschaft. Es gehe darum, bestehende Strukturen zu ergänzen und weitere Menschen zu erreichen.

Impfentwicklung zeigt differenziertes Bild

Der Apothekerverband begründet seine Forderung nach der Notwendigkeit für „Impfen in der Apotheke“ unter anderem mit rückläufiger Impfbereitschaft und steigenden Erkrankungszahlen bei einzelnen Infektionskrankheiten. Peter McDonald sieht vor allem in der Prävention den Schlüssel zum Erfolg.  In einem LinkedIn-Beitrag vom 15. September betonte er, dass Präventionsangebote angenommen werden, wenn sie einfach zugänglich sind. Als Beispiele nannte er den Anstieg der Grippeimpfungen innerhalb von zwei Jahren um fast 50 Prozent und die Verzwölffachunung bei Gürtelrose- und die Versiebenfachung bei Pneumokokkenimpfungen.  

Damit geht es bei der Debatte nicht nur um eine vermeintliche generelle „Impfmüdigkeit“, sondern auch um die Frage, wie bestehende Angebote möglichst viele Menschen erreichen können.

Internationale Erfahrungen als Orientierung

Österreich kann bei der Umsetzung auf Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zurückgreifen. In mehreren Staaten gehören Impfungen in Apotheken bereits zum Versorgungsangebot. Ein Europa-Check von PharmaTime (Ausgabe 4/2026) zeigt, dass sich die Modelle deutlich unterscheiden, etwa hinsichtlich der zugelassenen Impfungen, der Ausbildung und der organisatorischen Rahmenbedingungen.

Passarani betonte bei der Veranstaltung, dass klare Vorgaben, Ausbildung und regelmäßige Schulungen entscheidend für die Patientensicherheit seien. „Impfen in der Apotheke ist längst kein Experiment mehr, sondern geübte Praxis in vielen Ländern“, sagte sie.

Auch Wlattnig sieht Apotheken grundsätzlich als geeignete zusätzliche Anlaufstellen. „Ich habe Vertrauen in die Apotheken“, erklärte sie. Voraussetzung sei allerdings, dass für Apothekerinnen und Apotheker beim Impfen dieselben Standards im Bereich der Patientensicherheit gelten wie für die Ärzteschaft.

Entlastung für das Gesundheitssystem

McDonald bezeichnete Impfen als „Leuchtturm der Vorsorge“. Die Einbindung weiterer Gesundheitsberufe biete aus seiner Sicht Potenzial, das Gesundheitssystem zu entlasten. Zusätzliche Impfangebote könnten auch ärztliche Kapazitäten für andere Aufgaben freimachen.

Auch die Impfstoffversorgung gehört zur Umsetzung. Die PHAGO, der Verband der österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler, verwies nach der Veranstaltung auf die bestehenden Distributionswege, über die Apotheken bereits laufend mit Arzneimitteln versorgt werden. Diese Infrastruktur könne auch für das künftige Impfangebot genutzt werden.

Für die konkrete Umsetzung fordert Veitschegger praxistaugliche und unbürokratische Rahmenbedingungen. Laut den Veranstaltungsunterlagen wollen die Sozialversicherungen über die Konditionen sprechen. Passarani brachte ihren Appell an Österreich auf eine kurze Formel: „Speed up, make it real“.

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