Wie schnäuzt man richtig? Warum verändert sich der Geruch von Kindern in der Wahrnehmung ihrer Eltern? Und wie lässt sich ein Urinal konstruieren, das möglichst wenig spritzt? Die Ig-Nobelpreise 2026 zeigen, dass hinter kurios klingenden Forschungsfragen durchaus ernsthafte wissenschaftliche Erkenntnisse stecken können.
Manche Forschungsfragen wirken auf den ersten Blick eher wie ein Scherz als wie ein Thema für ein wissenschaftliches Journal. Genau solche Arbeiten stehen bei den Ig-Nobelpreisen im Mittelpunkt. Der Name ist ein Wortspiel: „Ig Nobel“ klingt im Englischen wie „ignoble“, was so viel wie „unehrenhaft“ oder „unwürdig“ bedeutet.
Am 3. September wurden die Auszeichnungen zum 36. Mal vergeben. Erstmals fand die Verleihung nicht in den USA, sondern in Zürich statt. Zehn Preise wurden 2026 vergeben – von Medizin und Chemie über Physik bis zur olfaktorischen Wahrnehmung. Hinter den ungewöhnlichen Versuchsanordnungen stehen dabei durchaus praktische oder grundlegende wissenschaftliche Fragen.
Medizinpreis für die Wissenschaft des Naseputzens
Ein besonders alltagsnahes Thema brachte dem verstorbenen japanischen Mediziner Tokuji Unno posthum den Ig-Nobelpreis für Medizin ein. Ausgezeichnet wurde seine Arbeit zur Aerodynamik des Naseputzens. Bei der Preisverleihung nahm Dr. Miki Takahara die Auszeichnung stellvertretend für seinen verstorbenen Kollegen entgegen.
Die Arbeit zeigt exemplarisch das Prinzip hinter vielen Ig-Nobelpreisen: Eine alltägliche Tätigkeit wird mit wissenschaftlichen Methoden untersucht – und wirft dadurch Fragen auf, über die sich die meisten Menschen zuvor kaum Gedanken gemacht haben.
Warum Babys für Eltern anders riechen als Teenager
Eine weitere Auszeichnung führte mitten in die menschliche Geruchswahrnehmung. Den Ig-Nobelpreis in der Kategorie Olfaktorische Wahrnehmung gewann ein Forschungsteam aus Polen, Deutschland und Schweden.
Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter untersuchten, wie Eltern den Körpergeruch ihrer Kinder in Abhängigkeit vom Alter wahrnehmen. Der Geruch von Babys und jüngeren Kindern wurde von den Eltern besonders positiv beurteilt. Bei Jugendlichen fiel die Bewertung deutlich weniger positiv aus.
Die Forschenden diskutierten auch die mögliche Bedeutung des Geruchssinns für die Eltern-Kind-Beziehung. Die Wahrnehmung des Körpergeruchs könnte mit Bindung und Fürsorge zusammenhängen. Mit der Pubertät verändert sich jedoch auch der Körpergeruch.
Damit berührt die amüsant klingende Forschungsfrage einen größeren Bereich: die Rolle des Geruchssinns bei menschlichen Beziehungen und sozialem Verhalten.
Von spritzfreien Urinalen bis zu Mückenrüsseln
Auch der Physikpreis widmete sich einer ungewöhnlichen Alltagsfrage. Ein Forschungsteam untersuchte, wie ein Urinal gestaltet sein müsste, damit beim Urinieren möglichst wenig Spritzer entstehen. Entscheidend ist dabei der Winkel, in dem der Urin auf die Oberfläche trifft. Erste Tests zeigten, dass sich der Rückspritzeffekt durch eine entsprechende Gestaltung deutlich verringern lässt.
Der Technologiepreis ging an ein Forschungsteam, das Mückenrüssel als Vorlage für hochauflösende 3D-Druckdüsen untersuchte.
Weitere Preise würdigten Arbeiten über Milchproteine lebendgebärender Kakerlaken, das Abwehrverhalten von Giftschlangen und ein Experiment mit vergrabenen Unterhosen zur Untersuchung von Böden. Auszeichnungen gab es außerdem für Arbeiten über eine wissenschaftliche Definition des Küssens, den Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und unethischem Verhalten sowie die Rolle von Abneigung in Freundschaften.
Wissenschaft mit Augenzwinkern
Die Ig-Nobelpreise werden seit 1991 vergeben und sollen das Interesse an Wissenschaft, Medizin und Technik wecken. Überreicht werden die Auszeichnungen von echten Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern. Der ungewöhnliche Charakter der ausgezeichneten Arbeiten gehört zum Konzept.
Der Witz liegt dabei häufig weniger in den Ergebnissen als in der Forschungsfrage oder Versuchsanordnung. Gerade das macht ihren wissenschaftlichen Kern sichtbar: Auch scheinbar nebensächliche oder absurde Beobachtungen lassen sich mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen.




