Wie häufig Lyme-Borreliose in Österreich auftritt, war bisher nur schwer abzuschätzen. Eine neue Studie geht von jährlich 20.374 medizinisch behandelten Fällen aus, knapp 900 Betroffene werden pro Jahr stationär aufgenommen. Besonders häufig sind Spitalsaufenthalte bei Kindern und älteren Menschen.
Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. In Österreich besteht dafür jedoch keine Meldepflicht. Entsprechend fehlen umfassende Daten darüber, wie viele Menschen tatsächlich erkranken und medizinische Versorgung benötigen. Eine im International Journal of Infectious Diseases veröffentlichte Studie hat die Krankheitslast nun anhand von Spitalsdaten untersucht und die Zahl der insgesamt medizinisch behandelten Fälle hochgerechnet.
Lyme-Borreliose wird durch Borrelien-Bakterien übertragen und kann unterschiedliche Organe betreffen. Häufig zeigt sich zunächst ein Erythema migrans, die sogenannte Wanderröte. Anders als gegen FSME steht derzeit keine Impfung gegen Lyme-Borreliose zur Verfügung. Die Erkrankung kann antibiotisch behandelt werden.
Knapp 900 Spitalsfälle pro Jahr
Die Forschenden werteten für die Studie Daten aus allen 225 österreichischen Krankenhäusern für den Zeitraum von 2015 bis 2023 aus. Insgesamt identifizierten sie 7.861 stationär behandelte Fälle von Lyme-Borreliose. Im Durchschnitt ergab sich eine jährliche Inzidenz von 9,9 Fällen pro 100.000 Personen. Das entspricht knapp 900 stationär behandelten Fällen pro Jahr.
Die Betroffenen verbrachten im Median 7,8 Tage im Spital. Bei 55,7 Prozent war Lyme-Borreliose als Hauptdiagnose dokumentiert.
Besonders häufig wurden Kinder sowie ältere Menschen stationär behandelt. Regional zeigte sich die höchste Inzidenz in Kärnten, gefolgt vom Burgenland. Auch ein saisonaler Schwerpunkt war erkennbar – Die meisten Spitalsfälle traten im Juli und August auf.
Mehr als 20.000 medizinisch behandelte Fälle geschätzt
Die Spitalsdaten bilden allerdings nur einen Teil der Krankheitslast ab. Viele Fälle von Lyme-Borreliose werden ambulant behandelt und erscheinen daher nicht in der Krankenhausstatistik.
Um auch diese Fälle abzuschätzen, verglichen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter österreichische mit deutschen Spitalsdaten und griffen anschließend auf bereits publizierte deutsche Versorgungsdaten zurück. Daraus errechneten sie für Österreich für den Zeitraum 2015 bis 2019 eine Inzidenz von 232,9 medizinisch behandelten Fällen pro 100.000 Personen und Jahr. Das entspricht geschätzt 20.374 Fällen jährlich.
Davon entfielen nach der Hochrechnung 18.776 Fälle auf Erythema migrans. Diese Hautmanifestation, auch Wanderröte genannt, tritt typischerweise als sich ausbreitende Rötung auf. Weitere 1.597 Fälle wurden zudem als disseminierte Lyme-Borreliose geschätzt. Dazu gehören unter anderem Lyme-Neuroborreliose und Lyme-Arthritis.
Hochrechnung mit Einschränkungen
Die Zahl von 20.374 Fällen ist keine österreichweit erhobene Fallzahl. Die Berechnung beruht auf der Annahme, dass sich Österreich und Deutschland beim Verhältnis zwischen stationär und insgesamt medizinisch behandelten Fällen ausreichend ähneln.
Auch die Auswertung der österreichischen Spitalsdaten hat Grenzen. Die Fälle wurden anhand von ICD-10-Codes identifiziert. Bei 62,8 Prozent der stationären Fälle konnte anhand der verfügbaren Daten keine der vorab definierten klinischen Manifestationen eindeutig zugeordnet werden.
Die Studienautorinnen und -autoren sprechen sich daher für ein bundesweites Meldesystem aus, um die Krankheitslast und künftige epidemiologische Entwicklungen verlässlicher erfassen zu können.
Die Studie wurde von Pfizer und Valneva im Rahmen ihrer gemeinsamen Entwicklung eines Impfstoffs gegen Lyme-Borreliose finanziert.
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