Start Wissenschaft Long Covid: Telemedizinische Rehabilitation zeigt langfristigen Nutzen

Long Covid: Telemedizinische Rehabilitation zeigt langfristigen Nutzen

Werbung

Eine britische Studie zeigt, dass ein individuell abgestimmtes telemedizinisches Rehabilitationsprogramm Menschen mit Long Covid und kognitiven Einschränkungen langfristig helfen kann. Im Vergleich zur Standard-Nachsorge erreichten die Teilnehmenden ihre persönlichen Rehabilitationsziele deutlich häufiger. 

Kognitive Einschränkungen zählen zu den häufigsten Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion. Betroffene berichten u.a. über Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme oder den sogenannten „Brain Fog“. Eine britische Studie des University College London legt nun nahe, dass eine individuell abgestimmte kognitive Rehabilitation per Telemedizin diese Beschwerden nachhaltig verbessern kann.

Kognitive Einschränkungen bei Long Covid

Long Covid bezeichnet eine infektionsassoziierte chronische Erkrankung, die nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftritt und mindestens drei Monate anhält. Der Verlauf kann kontinuierlich sein, schubweise erfolgen oder fortschreiten. Dabei können ein oder mehrere Organsysteme betroffen sein.

Wie das Deutsche Ärzteblatt unter Bezug auf die Studie berichtet, weisen mehr als 27 Prozent der COVID-19-Überlebenden anhaltende kognitive Einschränkungen auf. Dazu zählen Defizite der exekutiven Funktionen, der Verarbeitungsgeschwindigkeit, der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses sowie visuell-räumlicher und sprachlicher Fähigkeiten.

Individuelle Ziele als Grundlage der Rehabilitation

Das Forschungsteam um Dr. Martina Vanova untersuchte, ob ein telemedizinisches Rehabilitationsprogramm wirksamer ist als die übliche Nachsorge bei Long Covid. Insgesamt nahmen 78 Personen mit Long Covid an der Studie teil. Zu Beginn definierten sie individuelle Ziele für ihre kognitive Rehabilitation.

Anschließend wurden die Teilnehmer per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe erhielt die übliche Versorgung („treatment as usual“, TAU). Diese umfasste je nach individueller Situation u.a. medikamentöse Symptomkontrolle, beispielsweise bei Kopfschmerzen oder Angstzuständen, sowie nicht medikamentöse Maßnahmen wie Physiotherapie oder Fatigue-Management.

Zehn telemedizinische Sitzungen

Die zweite Gruppe absolvierte zehn wöchentliche telemedizinische Sitzungen von jeweils einer Stunde. Im Mittelpunkt standen die zuvor gemeinsam festgelegten persönlichen Rehabilitationsziele. Als primärer Endpunkt wurde die von den Teilnehmern selbst bewertete Zielerreichung definiert. Die Auswertung erfolgte nach drei sowie nach sechs Monaten.

Deutliche Vorteile gegenüber der Standardversorgung

Zu Studienbeginn bewerteten die Teilnehmenden ihre Zielerreichung auf einer zehnstufigen Skala durchschnittlich mit 2,9 Punkten. Die Zufriedenheit mit ihrer Situation lag im Mittel bei 2,2 Punkten.

Nach drei Monaten erreichte die Gruppe mit telemedizinischer Rehabilitation durchschnittlich 7,84 Punkte bei der Zielerreichung. In der Gruppe mit Standardversorgung lag der Wert bei 4,97 Punkten. Der durchschnittliche Behandlungseffekt entsprach einem um den Faktor 2,88 besseren Ergebnis und wurde als großer Effekt bewertet.

Auch nach sechs Monaten zeigte sich laut den Studienautoren ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Dieser betrug 1,72 Punkte zugunsten der telemedizinischen Rehabilitation.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine individuell abgestimmte kognitive Rehabilitation per Telemedizin eine sinnvolle Ergänzung der Versorgung von Menschen mit Long Covid sein könnte.

Neue Artikel

Krebsrisiko bei Kindern im Fersenblut erkennen?

Ein Blutstropfen aus der Ferse wird bei Neugeborenen bereits zur Früherkennung bestimmter Erkrankungen genutzt. US-Forschende zeigen nun, dass sich...

Merck verstärkt Führungsteam in Österreich

Merck besetzt zwei Führungspositionen in seiner österreichischen Niederlassung neu. Jens Weidner übernimmt die Position des Market Access & Governmental...

Naturstoff aus Meerschwamm verändert Entzündungsprozesse

Der Naturstoff Cyclosmenospongin aus einem australischen Meerschwamm beeinflusst Entzündungsprozesse in Immunzellen. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universitäten Graz...

Neue Erkenntnisse zu nicht heilenden Beinulzera

Warum manche venösen Beingeschwüre trotz Standardversorgung nicht ausreichend abheilen, ist bislang nur teilweise geklärt. Eine in „Science Translational Medicine“...

 Weitere Artikel

Krebsrisiko bei Kindern im Fersenblut erkennen?

Ein Blutstropfen aus der Ferse wird bei Neugeborenen bereits zur Früherkennung bestimmter Erkrankungen genutzt. US-Forschende zeigen nun, dass sich...

Merck verstärkt Führungsteam in Österreich

Merck besetzt zwei Führungspositionen in seiner österreichischen Niederlassung neu. Jens Weidner übernimmt die Position des Market Access & Governmental...

Naturstoff aus Meerschwamm verändert Entzündungsprozesse

Der Naturstoff Cyclosmenospongin aus einem australischen Meerschwamm beeinflusst Entzündungsprozesse in Immunzellen. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universitäten Graz...