Start Wissenschaft Naturstoff aus Meerschwamm verändert Entzündungsprozesse

Naturstoff aus Meerschwamm verändert Entzündungsprozesse

Der Naturstoff Cyclosmenospongin aus einem australischen Meerschwamm beeinflusst Entzündungsprozesse in Immunzellen. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universitäten Graz und Innsbruck sieht darin einen möglichen Ansatzpunkt für die weitere Erforschung entzündungshemmender Wirkstoffe.

Entzündungen sind ein wichtiger Teil der Immunabwehr. Werden sie jedoch nicht ausreichend aufgelöst, können Abwehrzellen dauerhaft aktiv bleiben und Veränderungen im Gewebe vorantreiben. Forschende aus Graz, Innsbruck und Neapel haben nun untersucht, wie der Naturstoff Cyclosmenospongin und davon abgeleitete Verbindungen Entzündungsprozesse beeinflussen. Der Naturstoff stammt aus einem australischen Meerschwamm der Gattung Spongia. Die Studie erschien am 18. August 2026 im Fachjournal „Advanced Science“.

Weniger entzündungsfördernde Botenstoffe

Die Forschenden stellten fest, dass Cyclosmenospongin das Fettprofil menschlicher Immunzellen verändert. Die untersuchten Verbindungen verringerten die Bildung entzündungsfördernder Leukotriene. Gleichzeitig nahm die Menge bestimmter Botenstoffe zu, die mit der Eindämmung und Auflösung von Entzündungen in Verbindung stehen.

Univ.-Prof. Dr. Andreas Koeberle
© MICHAEL WEDERMANN FOTOSTUDIO INNSBRUCK

„Die untersuchten Verbindungen senkten die Bildung entzündungsfördernder Leukotriene und erhöhten zugleich den Gehalt mehrerer Botenstoffe, die mit der Beruhigung und Auflösung von Entzündungen in Verbindung gebracht wurden. Sie verändern also das Stoffwechselprogramm der Immunzellen maßgeblich.“

Univ.-Prof. Dr. Andreas Koeberle

Bereichsleiter Pharmakognosie, Universität Graz

„Die untersuchten Verbindungen senkten die Bildung entzündungsfördernder Leukotriene und erhöhten zugleich den Gehalt mehrerer Botenstoffe, die mit der Beruhigung und Auflösung von Entzündungen in Verbindung gebracht wurden. Sie verändern also das Stoffwechselprogramm der Immunzellen maßgeblich“, erklärt Univ-Prof. Dr. Andreas Koeberle von der Universität Graz.

Fettspeicherung in Immunzellen spielt eine Rolle

Einen weiteren Zusammenhang fanden die Forschenden bei der Speicherung von Fetten in den Immunzellen. Cyclosmenospongin reduzierte die Menge bestimmter gespeicherter Fette. Dadurch stand den Zellen weniger Material zur Verfügung, um entzündungsfördernde Signalstoffe zu bilden.

Ähnliche Effekte beobachtete das Forschungsteam, als es gezielt Enzyme hemmte, die an der Lipidspeicherung beteiligt sind. Laut Koeberle deutet dies auf einen engen Zusammenhang zwischen dem Fettaufbau in Immunzellen und Entzündungsprozessen hin.

Weitere Forschung notwendig

Die untersuchten Verbindungen wurden auch in Mausmodellen getestet. Dabei fanden die Forschenden weitere Hinweise darauf, dass sie Entzündungsprozesse beeinflussen können. Die Ergebnisse sind jedoch präklinisch und erlauben keine Aussage über eine mögliche Wirksamkeit bei Patientinnen und Patienten.

Das internationale Forschungsteam arbeitet laut APA-Med daran, die entzündungshemmenden Eigenschaften des Schwamm-Wirkstoffs weiter zu erforschen.

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