Wer nach längerer Abwesenheit ein Hotelzimmer bezieht oder aus dem Urlaub nach Hause zurückkehrt, sollte Wasserleitungen vor der ersten Nutzung durchspülen. Darauf weist der deutsche Hygiene-Experte Prof. Dr. Martin Exner hin. Hintergrund ist das Risiko einer Belastung mit Legionellen, die über feinste Wassertröpfchen eingeatmet werden und schwere Lungenentzündungen verursachen können.
Sommerzeit ist Reisezeit und damit rückt auch ein oft unterschätztes Hygienethema in den Fokus. Nach längeren Standzeiten kann sich in Wasserleitungen eine erhöhte Konzentration von Legionellen bilden. Prof. Dr. Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaus-Hygiene, empfiehlt daher, Wasserleitungen nach der Ankunft in einer Unterkunft zunächst kurz durchzuspülen.
Wer nach längerer Standzeit eine Dusche nutzt, sollte das Wasser zunächst etwa eine Minute laufen lassen und sich währenddessen möglichst nicht direkt im Sprühbereich aufhalten um eine Einatmung der Aerosole zu vermeiden. Erst danach sollte man in die Dusche steigen.
Diese Empfehlung gelte nicht nur für Hotels oder Ferienwohnungen. Auch nach der Rückkehr aus dem Urlaub sollten Wasserleitungen in den eigenen vier Wänden zunächst gespült werden, denn das Wasser kann überall verderben.
Legionellen werden über Aerosole übertragen
Legionellen sind Umweltbakterien, die natürlicherweise in Gewässern vorkommen. Während die in Europa häufigste krankheitserregende Art Legionella pneumophila vor allem mit Warmwassersystemen in Verbindung steht, können andere Arten auch in feuchten Böden oder Pflanzenerde vorkommen. Problematisch werden sie, wenn sie sich in künstlichen, wasserführenden Systemen vermehren. Dazu zählen insbesondere Warmwasserversorgungsanlagen in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Hotels oder anderen größeren Gebäuden, aber auch Whirlpools, Kühltürme oder Befeuchtungsanlagen.
Eine Infektion erfolgt nicht durch das Trinken von Wasser. Entscheidend ist vielmehr das Einatmen legionellenhaltiger Aerosole – also feinster Wassertröpfchen, wie sie beispielsweise beim Duschen entstehen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach derzeitigem Wissensstand nicht möglich.
Schwere Lungenentzündung möglich
Die Legionärskrankheit, medizinisch Legionellose, ist eine schwere Form der Lungenentzündung. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis zehn Tage. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucherinnen und Raucher sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Lungenerkrankungen.
Obwohl wirksame Antibiotika zur Verfügung stehen, verläuft die Erkrankung nicht immer günstig. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden sterben jährlich etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen. Die wichtigste Maßnahme ist daher, mögliche Infektionsquellen möglichst zu vermeiden oder zu beseitigen.
Prävention spielt eine zentrale Rolle
Eine Vermehrung von Legionellen wird vor allem durch länger stagnierendes Wasser begünstigt. Das Durchspülen wenig genutzter Leitungen kann deshalb dazu beitragen, das Risiko einer Belastung zu verringern. Für Betreiber größerer Warmwasseranlagen gelten darüber hinaus umfassende Maßnahmen zur Kontrolle und Wartung der Systeme.
In Österreich sind Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle der Legionärskrankheit meldepflichtig. Die epidemiologische Überwachung ermöglicht es den Gesundheitsbehörden, mögliche Infektionsquellen rasch zu identifizieren und erforderliche Maßnahmen einzuleiten.
Interview im Rahmen des Hagleitner-Hygieneforums
Die Empfehlungen von Prof. Dr. Martin Exner stammen aus einem Video-Interview, das im Rahmen des 9. Internationalen Hagleitner-Hygieneforums in Zell am See aufgezeichnet wurde. Die Veranstaltung widmete sich heuer dem Thema „Aus sicherer Quelle: Wasser und Hygiene im Gesundheitswesen“.




