Schnelle Urteile gehören zum Alltag – auch in der Apotheke. Doch sie greifen oft zu kurz. Es lohnt sich, genauer hinzusehen, Vielfalt bewusst wahrzunehmen und Wertschätzung zu leben – nicht nur, aber auch am Tag der PKAs, der sich am 27. Juni 2026 zum fünften Mal jährt.
Das kennen Sie sicher:
- Man bewegt sich im Straßenverkehr und wird unerwartet von einem Auto geschnitten. Um dem eigenen Ärger Luft zu machen, wird nach einem Anhaltspunkt gesucht, den man adressieren kann. Der Blick auf das Autokennzeichen hilft dabei weiter: „Eh klar, immer die deppaten Wiener!“
- In der Apotheke stehen die Kundinnen und Kunden Schlange. Alle warten geduldig darauf, bedient zu werden. Nur ein Mann macht seinem Unmut lautstark Luft. Im Kopf macht sich der Gedanke breit: „Eh klar, Männer müssen sich immer wichtig machen!“
- Kommt eine Frau in die Apotheke und verlangt 20 Prozent Rabatt, weil sie Ärztin ist. Dazu das Kopfkino: „Die wollen auch immer den roten Teppich ausgerollt haben.“
Warum wir in Schubladen denken
Was passiert hier? Wir neigen häufig dazu, Menschen auf markante Eigenschaften, Äußerlichkeiten oder Wesenszüge zu reduzieren und zu pauschalisieren. In den meisten Fällen hat das Gesagte nichts mit der eigentlichen Situation zu tun. Und warum tun wir das? Wir wollen Energie sparen. Klingt seltsam, ist aber so. Denn unser Gehirn verarbeitet täglich unzählige Sinneseindrücke. Um nicht überlastet zu werden, nutzt es diese mentalen Abkürzungen – auch Heuristiken genannt. Oft sind es aber auch einfach Stereotype – also vereinfachte Vorurteile –, die uns das Gefühl geben, alles unter Kontrolle zu haben. Auch in der Steinzeit mussten die Menschen blitzschnell entscheiden, ob ein Gegenüber Freund oder Feind ist. Äußerliche Merkmale halfen damals dabei, Situationen einzuschätzen. Wenn man so will, ist das also ein Überlebenstool.
Alte Muster im modernen Alltag
Heutzutage geht es in Alltagssituationen – glücklicherweise – nicht mehr sehr häufig um Leben oder Tod. Dennoch greifen wir auch heute noch auf diese Abkürzungen zurück. Dabei verpassen wir oft die Gelegenheit, uns mit unserer Umwelt intensiver auseinanderzusetzen, Zusammenhänge zu erkennen und letzten Endes auch unser Gegenüber besser kennenzulernen und zu verstehen.
Was wir von Kindern lernen können
Dass wir Menschen oft viel komplexer sind als die Merkmale, die uns zuerst auffallen, wurde mir einmal besonders bewusst, als meine Tochter frisch in den Kindergarten kam. Die Namen der anderen Kinder waren ihr da noch nicht geläufig. Daher musste umschrieben werden. Auf meine Frage, wem der Garderobenplatz direkt neben ihrem gehöre, kam nicht „dem Mädchen mit der dunklen Haut“, was vermutlich viele Erwachsene als erstes genannt hätten, sondern die Aussage „dem Mädchen mit den fröhlichen Augen, mit der ich gestern lustig gespielt habe.“ Von Kindern kann man halt wirklich viel lernen: Unvoreingenommenheit, Direktheit und das ehrliche Interesse an Menschen.
Vielfalt als Stärke – auch in der Apotheke
Wir alle sind weit mehr als die Summe unserer auffälligsten Eigenschaften. Jeder Mensch bringt eigene Erfahrungen, Talente und Sichtweisen mit. Uns verbindet, dass wir Menschen sind. Gleichzeitig macht uns genau unsere Unterschiedlichkeit aus. Diese Vielfalt bereichert die Gesellschaft – und auch die Apotheke. Pharmazeuten sind Pharmazeuten. PKAs sind PKAs. Aber jede und jeder einzelne ist ein Mosaiksteinchen, das im Gesamtbild unverzichtbar ist.
Ein Zeichen der Wertschätzung: der Tag der PKAs
Das ist es auch, was wir – neben der Wichtigkeit des PKA-Berufs – mit dem Tag der PKAs ausdrücken wollen. Seit fünf Jahren ist es unser Ziel, PKAs darin zu bestärken, dass sie auf sich selbst stolz sein können. Gleichzeitig bieten wir dafür die Bühne, dass die eigene Einzigartigkeit auch von den Menschen im jeweiligen Umfeld wahrgenommen wird. Wenn wir damit das Leben der einen oder des anderen PKA schöner machen können – und sei es nur für einen Moment –, haben wir und auch unsere Partner schon unser Ziel erreicht.
Ein gemeinsamer Blick über Berufsgrenzen hinaus
Lassen Sie uns daher am 27. Juni gemeinsam zeigen, wie wichtig PKAs sind – aber auch jeder einzelne Mensch hinter der Berufsbezeichnung. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Tag der PKAs – und allen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten einen gelungenen Tag der Apothekerinnen und Apotheker am 26. Juni. Vielleicht nutzen Österreichs Apotheken aber auch diese Anlässe, einmal das ganze Team zu feiern. Denn Wertschätzung und Vielfalt machen nicht an den Grenzen einer bestimmten Berufsgruppe Halt.




