Beauty-Trends von Influencerinnen und Influencern auf TikTok, Instagram und Co. erreichen zunehmend auch Kinder und Jugendliche. Doch nicht jedes Kosmetikprodukt eignet sich für junge Haut. Fachleute des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) warnen insbesondere vor ungeeigneten Wirkstoffen und einer „Überpflegung“ und raten zu einer einfachen, altersgerechten Hautpflege.
Foundation, Contouring, Mascara oder spezielle Seren sind längst nicht mehr nur für Erwachsene ein Thema. Auf Social Media zeigen junge Influencerinnen und Influencer ihre Hautpflegeroutinen, testen Produkte und präsentieren umfangreiche Beauty-Routinen. Doch gerade bei Kindern und Jugendlichen kann die intensive Nutzung von Kosmetik problematisch sein.
Schönheitsideale erreichen Kinder über Social Media
Dass Menschen attraktiv wirken möchten, ist kein neues Phänomen. Bei Kindern und Jugendlichen kommt jedoch der Einfluss sozialer Medien hinzu. Dort begegnen junge Nutzerinnen und Nutzer idealisierten Schönheitsbildern. Filter, Make-up und inszenierte Videos können zusätzlich beeinflussen, wie Haut und Körper wahrgenommen werden.
Auch das Selbstbild spielt eine Rolle. Die Studie „Jugend ungeschminkt 2024“ des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel kommt laut Pressemeldung zu dem Ergebnis, dass Mädchen wie Jungen Kosmetik häufig nutzen, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ein Gefühl von Kontrolle zu gewinnen.
Junge Haut reagiert empfindlicher
Aus medizinischer Sicht kann eine intensive Nutzung von Kosmetik in jungen Jahren problematisch sein. Kinder- und Jugendhaut unterscheidet sich von der Haut Erwachsener. Sie ist dünner und empfindlicher und kann daher schneller auf reizende Inhaltsstoffe reagieren.
„Die Haut ist unser größtes Organ“, erklärt Dr. Anna-Theresa Seitz, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). „Sie schützt uns vor Umwelteinflüssen, Kälte und Krankheitserregern, spielt aber auch für die Sinneswahrnehmung und den Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Wir nehmen ja zum Beispiel Sonnenstrahlen über die Haut auf, die für die Vitamin-D-Synthese in unserem Körper notwendig sind.“
Laut Dr. Seitz verwenden viele Jugendliche Produkte, die in ihrem Alter nicht notwendig oder für ihre Haut nicht geeignet sind und zum Teil sogar schädlich sein können.
Retinoidpräparate können junge Haut reizen
Besonders kritisch beurteilen die Fachleute laut UKL Produkte mit Retinoiden, die einen Anti-Aging-Effekt versprechen.
„Retinoidpräparate sind Vitamin-A-Säurepräparate, die die Verhornung der Haarfollikel normalisieren“, erklärt Dr. Seitz. „Das nimmt man bei Akne, um die Haut anzuregen, sich neu zu bilden. Das kann aber sehr reizend sein.“
Als mögliche Folgen nennt die Pressemeldung trockene oder schuppige Haut, Pickel, Pusteln und Ausschläge. Eine „Überpflegung“ könne zudem zu Allergien oder dauerhaften Sensibilisierungen gegen bestimmte Inhaltsstoffe führen.
Einfache Hautpflege statt umfangreicher Routine
Dr. Seitz und ihre Kolleginnen und Kollegen raten deshalb zu einer bewussten Verwendung altersgerechter Kosmetikprodukte. Gesunde Haut benötige meist nur eine einfache Pflege und Reinigung. Darüber hinaus empfiehlt das UKL einen täglichen, an den jeweiligen Hauttyp angepassten Lichtschutz. Bei zu Akne neigender Haut werde ein weniger fettiger Lichtschutz empfohlen. Bei sehr trockener Haut oder Neurodermitis solle ein feuchtigkeitsspendendes Produkt verwendet werden.
Kinder und Jugendliche sollten Kosmetika außerdem nicht ständig wechseln und laut UKL darauf achten, dass die Produkte möglichst frei von Duft- und Konservierungsstoffen sind.
Inhaltsstoffe vor dem Kauf prüfen
Wer sich über Inhaltsstoffe informieren möchte, kann laut UKL eine Internetrecherche oder spezielle Apps nutzen. Dr. Seitz sieht allerdings auch die Industrie in der Verantwortung. „Besser wäre natürlich, wenn die Industrie dazu verpflichtet werden könnte, transparenter zu sein und beispielsweise Altersangaben für bestimmte Inhaltsstoffe anzugeben.“
Eltern und Bezugspersonen als Vorbilder
Auch Eltern und andere Bezugspersonen spielen nach Einschätzung der Fachleute eine wichtige Rolle. Sie sollten unter anderem hinterfragen, welches Schönheitsideal und welchen Umgang mit Körperpflege sie selbst vermitteln.
Zudem empfiehlt Dr. Seitz, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken. So sollen sie beispielsweise erkennen können, wenn Bilder oder Videos auf Social Media mithilfe von Filtern optimiert wurden. Realistische Vorbilder könnten laut Pressemeldung zu einem gesunden Körper- und Hautgefühl beitragen.




