Die aktuelle Ö3-Jugendstudie zeigt ein widersprüchliches Bild: Junge Menschen in Österreich blicken mehrheitlich optimistisch in ihre persönliche Zukunft, gleichzeitig, berichtet jedoch rund ein Viertel von einer schlechten psychischen Verfassung. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) sieht dringenden Handlungsbedarf – insbesondere in Schule und Versorgungssystem.
Die aktuelle Ö3-Jugendstudie 2026 zeichnet ein differenziertes Bild der jungen Generation in Österreich. Trotz anhaltender Krisen bleibt der persönliche Zukunftsblick vielfach positiv – gleichzeitig nehmen psychische Belastungen jedoch deutlich zu. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) fordert angesichts der Ergebnisse rasches Handeln.
Die Ö3-Jugendstudie wurde von Hitradio Ö3 initiiert, von ORF Public Value unterstützt und vom Sozialforschungsinstitut FORESIGHT wissenschaftlich begleitet. Basis ist eine Online-Erhebung aus März 2026 mit insgesamt 19.508 Teilnehmenden, wobei die Auswertung auf 13.457 Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren fokussiert.
Hoher Optimismus trotz wachsender Sorgen
Laut Studie sehen 86 Prozent der befragten 16- bis 25-Jährigen ihre persönliche Zukunft optimistisch. Gleichzeitig prägen multiple Krisen den Alltag der jungen Generation. Dazu zählen Klimawandel, geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie die Auswirkungen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
Die begleitenden Auswertungen der Ö3-Plattform zeigen: Die Generation Z (ca. 1995–2010 geboren) bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Zuversicht und strukturellen Herausforderungen. Themen wie leistbares Wohnen, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftliche Entwicklungen zählen zu den zentralen Sorgen. Auch der hohe Medienkonsum und die intensive Nutzung sozialer Netzwerke beeinflussen den Alltag spürbar.
Jede vierte junge Person psychisch belastet
Besonders deutlich wird die Situation bei der psychischen Gesundheit: 26 Prozent der Befragten geben an, sich psychisch eher schlecht oder sehr schlecht zu fühlen. Zusätzlich berichten 59 Prozent, dass ihnen globale Entwicklungen wie Kriege, Klimakrise oder Armut Angst machen. Ein weiteres Problem bleibt die Stigmatisierung: 38 Prozent sehen psychische Probleme weiterhin als Tabuthema, über das man besser nicht spricht.
„Diese Zahlen verdeutlichen, was wir als Psychologinnen und Psychologen schon lange wissen: Junge Menschen befinden sich in einer Lebenslage, in der sie zahlreichen psychischen Belastungen ausgesetzt sind“, betont die BÖP-Präsidentin, a.o. Univ.-Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger.
Frühes Handeln als entscheidender Faktor
Der BÖP hebt hervor, dass gerade bei jungen Menschen frühzeitige Unterstützung entscheidend ist. Bleiben Belastungen unbehandelt, drohe langfristig ein deutlicher Anstieg psychischer Erkrankungen.
Ein konkretes Beispiel für bestehende Unterstützungsangebote ist das Projekt Gesund aus der Krise, an dem klinische Psychologinnen und Psychologen beteiligt sind. Es bietet niederschwellige Hilfe für Kinder und Jugendliche und verzeichnet weiterhin einen hohen Bedarf.
Schule als Schlüsselort für Prävention
Neben dem Gesundheitssystem rückt die Studie die Schule als zentralen Lebensraum in den Fokus. Junge Menschen wünschen sich verstärkt lebensnahe Inhalte, mehr Raum für Diskussionen und interaktives Lernen. Schulpsychologische Angebote sollen gefördert, ausgebaut und stärker in den Alltag integriert werden.
Zudem wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Psychologinnen und Psychologen gefordert, um sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Pädagoginnen und Pädagogen zu entlasten.
Hoher Handlungsdruck aus Sicht der Generation Z
Auch die Gesamtauswertung der Studie zeigt: Die junge Generation erkennt in vielen Bereichen dringenden Handlungsbedarf – von Wirtschaft über Pflege bis hin zu Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit.
Trotz dieses Problembewusstseins bleibt ein gewisser Optimismus erhalten. Viele junge Menschen sehen sich selbst als handlungsfähig, fühlen sich jedoch gesellschaftlich oft nicht ausreichend gehört.
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