Eine US-Studie zeigt, dass Frauen öfter an chronischen Lungenerkrankungen wie COPD leiden – selbst ohne Rauchvorgeschichte. Fachleute sehen biologische Unterschiede und Defizite in der Versorgung als Ursachen.
Frauen sind offenbar stärker von chronischen Lungenerkrankungen betroffen als Männer. Das zeigt eine wissenschaftliche Studie auf Basis von US-Gesundheitsdaten. Demnach leiden 7,8 Prozent der Frauen an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), bei Männern sind es 6,5 Prozent. Auffällig ist, dass ein erheblicher Anteil der betroffenen Frauen selbst nie geraucht hat.
Die Analyse wurde in der Fachzeitschrift BMJ Open Respiratory Research veröffentlicht und basiert auf Daten der nationalen US-Gesundheitsbefragung (NHIS) mit 12.600 Frauen und 10.400 Männern. Unter den Fachleuten sorgte die Studie international für große Aufmerksamkeit.
Höhere Anfälligkeit für Schadstoffe
Ein möglicher Grund für die Unterschiede liegt in biologischen Faktoren. Laut Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Leiter der Lungenabteilung an der Klinik Floridsdorf in Wien, reagiert die weibliche Lunge empfindlicher auf Schadstoffbelastung.

Die weibliche Lunge ist – gerade auch im jugendlichen Alter – viel empfindlicher, wenn es um die Schadstoffbelastung geht.
Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour
Leiter der Lungenabteilung der Klinik Floridsdorf
Diese erhöhte Vulnerabilität könnte erklären, warum Frauen trotz geringeren Zigarettenkonsums häufiger an COPD erkranken. Fast 27 Prozent der betroffenen Frauen gaben an, nie geraucht zu haben. Bei den Männern lag dieser Anteil bei 14 Prozent.
Mehr Symptome, mehr Spitalsaufenthalte
Neben der höheren Erkrankungsrate berichten Expertinnen und Experten auch von einem schwereren Krankheitsverlauf bei Frauen. Patientinnen leiden häufiger unter Atemnot-Attacken und müssen öfter stationär behandelt werden. Zudem tritt COPD bei Frauen unter 60 Jahren sowie bei Nichtraucherinnen häufiger auf als bei Männern. Die Erkrankung führt zu einer chronischen Entzündung der Atemwege und einer fortschreitenden Einschränkung der Lungenfunktion.
Auch Lungenkrebs betrifft Frauen häufiger
Die erhöhte Anfälligkeit betrifft nicht nur COPD. Laut Valipour steigt auch die Häufigkeit von Lungenkarzinomen bei Frauen. Besonders auffällig ist, dass diese Krebserkrankungen auch bei Nicht-Raucherinnen häufiger auftreten als bei Männern. Dabei spielen offenbar spezifische Genmutationen eine Rolle, die bei Frauen öfter vorkommen. Zudem erkranken Frauen unter 50 Jahren häufiger an Lungenkrebs als Männer.
Defizite in Diagnose und Therapie
Neben biologischen Faktoren sehen Fachleute auch strukturelle Probleme in der medizinischen Versorgung. Trotz vergleichbarer Symptome und Rauchverhalten wird bei Frauen seltener eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt. Auch in der Therapie gäbe es laut Valipour Unterschiede. So werde die Behandlung von Atemwegs- und Lungenerkrankungen häufig nicht ausgereizt.
Diese Kombination aus erhöhter biologischer Anfälligkeit und möglichen Versorgungsdefiziten führt zu einer Benachteiligung von Frauen, die bislang nicht ausreichend berücksichtigt wird.




