Nach einem Meningokokken-Ausbruch mit zwei Todesfällen in Südostengland erhalten Hunderte Menschen vorsorglich Antibiotika. Besonders betroffen sind Studierende in Canterbury. Die Behörden stehen wegen ihrer Informationspolitik in der Kritik.
Nach einem schweren Meningokokken-Ausbruch im Südosten Englands sollen Hunderte Menschen vorbeugend Antibiotika einnehmen. Besonders betroffen ist die Universität von Kent in Canterbury, wo zahlreiche Studierende gefährdet sind. Die Universität richtete zudem eine eigene Sprechstunde für die Antibiotika-Prophylaxe ein. Auf dem Campus bildeten sich lange Schlangen.
Laut britischen Medienberichten starben eine 18-jährige Schülerin aus Faversham sowie ein 21-jähriger Student der Universität in Canterbury. Mindestens elf weitere Infizierte wurden in Krankenhäusern behandelt.
Disco-Besuch als möglicher Auslöser
Nach Angaben der UKHSA (UK Health Security Agency) besuchten mehrere Infizierte vor kurzem die Großraumdisco „Club Chemistry“ in Canterbury.
„Es ist wichtig, dass sich alle melden, die diesen Nachtclub zwischen dem 5. und 7. März besucht haben, um eine vorbeugende Antibiotika-Behandlung zu erhalten“, sagte Trish Mannes, stellvertretende Leiterin der UKHSA in der Region.
Rund 2.000 Menschen hielten sich laut Betreiber in diesem Zeitraum im Club auf. Auch mehrere Angestellte wurden infiziert. Der Club bleibt vorerst geschlossen.
Schnelle Ausbreitung der Infektionen
Bei den Fällen wurde die Erregergruppe B nachgewiesen. Diese kann schwere Erkrankungen wie Meningitis oder Sepsis verursachen. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Laut des britischen Gesundheitsdienstes NHS liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa zehn Prozent.
Die UKHSA steht wegen ihres Krisenmanagements in der Kritik. Die Behörde machte die Todesfälle erst am Sonntag öffentlich, obwohl sie bereits am Samstag über die Infektionswelle informiert war.
Dem entgegnet die UKHSA: „Die Infektionen hätten sich ,extrem schnell‘ ausgebreitet“, sagte Gyatri Amirthalingam von der UKHSA gegenüber der BBC. „Verzögerungen“ beim Infektionsschutz habe es aus ihrer Sicht nicht gegeben.
Impfempfehlungen in Österreich
Im Österreichischen Impfplan werden Impfungen gegen Meningokokken B sowie gegen die Gruppen A, C, W und Y empfohlen.
Die Impfung gegen Meningokokken B wird für Kinder und Jugendliche möglichst früh ab dem vollendeten 2. Lebensmonat angeraten. Nachholimpfungen sind bis zum vollendeten 25. Lebensjahr vorgesehen.
Die Meningokokken-ACWY-Impfung ist im kostenfreien Impfprogramm für Kinder zwischen dem vollendeten 10. und 13. Lebensjahr enthalten.
Laut AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) wurden im Jahr 2024 österreichweit 15 laborbestätigte Fälle invasiver Meningokokken-Erkrankungen registriert. Eine Person verstarb daran.




