Viele Menschen fühlen sich im Frühjahr erschöpft und sprechen von „Frühjahrsmüdigkeit“. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: Wissenschaftliche Belege hierfür fehlen. Forschende vermuten stattdessen kulturelle und psychologische Ursachen.
Sobald die Tage länger und heller werden, berichten zahlreiche Menschen davon, besonders schlapp und energielos zu sein. Für dieses Empfinden hat sich im deutschsprachigen Raum der Begriff „Frühjahrsmüdigkeit“ etabliert. Ob dieses Phänomen tatsächlich existiert, wurde bislang jedoch kaum wissenschaftlich untersucht.
Studie analysiert Müdigkeit im Jahresverlauf
Forschende des Zentrums für Chronobiologie der Universität Basel sowie des Inselspitals Bern gingen dieser Frage nun nach. Für ihre Untersuchung begleiteten sie über ein Jahr hinweg mehr als 400 Teilnehmende.
Die Probandinnen und Probanden wurden ab April 2024 im Abstand von sechs Wochen online befragt. Dabei gaben sie an, wie stark ihre Erschöpfung in den vergangenen Wochen war, wie ausgeprägt ihre Tagesschläfrigkeit ausfiel und wie sie ihre Schlafqualität einschätzten. Durch die regelmäßigen Befragungen konnten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter verschiedene Jahreszeiten miteinander vergleichen.
Keine messbaren Unterschiede
Zu Beginn der Studie erklärten fast die Hälfte der Befragten, sie würden unter Frühjahrsmüdigkeit leiden. Die Auswertung der Daten zeigte jedoch ein anderes Bild. Weder im Frühjahr noch in anderen Jahreszeiten ließ sich eine erhöhte Müdigkeit feststellen. Auch Faktoren wie die rasch länger werdenden Tage im Frühling hatten keinen messbaren Einfluss auf die Erschöpfung.
Forschende vermuten psychologische Faktoren
Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass Frühjahrsmüdigkeit eher durch Wahrnehmung und Erwartungen geprägt sein könnte. Weil der Begriff weit verbreitet ist, achten viele Menschen im Frühjahr stärker auf ihr eigenes Energielevel. Müdigkeit wird dann schneller mit der Jahreszeit in Verbindung gebracht.
Hinzu kommt ein möglicher psychologischer Effekt. Mit den ersten warmen Tagen wächst bei vielen der Anspruch, aktiver zu sein und mehr Zeit draußen zu verbringen. Bleibt die Energie dennoch aus, entsteht eine Diskrepanz zwischen Erwartung und tatsächlichem Empfinden – die sich leicht mit Frühjahrsmüdigkeit erklären lässt.
Mehr Tageslicht unterstützt die innere Uhr
Unabhängig davon zeigen chronobiologische Erkenntnisse, dass Menschen im Winter tatsächlich oft etwas länger schlafen und sich häufiger müde fühlen. Ursache könnte eine verlängerte „biologische Nacht“ sein, die von der inneren Uhr gesteuert wird.
Wenn die Tage wieder heller werden, sollte sich die Wachheit eigentlich verbessern. Expertinnen und Experten raten dennoch zu einfachen Maßnahmen gegen Energielosigkeit: viel Tageslicht, Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Schlaf können helfen, wieder in Schwung zu kommen.
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren: • Späterer Schulstart verbessert Schlaf und Leistung • Bewegung sollte fixer Bestandteil psychiatrischer Therapie werden




