Eine neue Studie zeigt: Die Therapietreue bei Eisenmangelanämie hängt weniger von Nebenwirkungen ab, sondern vielmehr von Kommunikationsproblemen, Fehleinschätzungen und Unsicherheiten. Apothekenpersonal spielt bei der Beratung zur richtigen Einnahme eine zentrale Rolle.
Eine chinesische Querschnittsstudie legt nahe, dass gastrointestinale Nebenwirkungen bei Eisenpräparaten seltener zur Beendigung der Therapie führen als bislang vermutet. Psychologische Faktoren, unzureichende Kommunikation und ein mangelndes Krankheitsverständnis sind demnach häufigere Ursachen für einen Therapieabbruch.
Studie mit chinesischen Patientinnen
Untersucht wurden 148 Frauen im gebärfähigen Alter mit diagnostizierter Eisenmangelanämie, die in der ambulanten Hämatologie des Rudong Volkskrankenhauses in der Provinz Jiangsu behandelt wurden. Zum Einsatz kam ein oraler Eisen-Polysaccharid-Komplex. Die Patientinnen wurden regelmäßig befragt – unter anderem zur Medikamenteneinnahme, zu Nebenwirkungen und zur Kommunikation mit Ihrer Ärztin oder ihrem Arzt.
Knapp zwei Drittel (64,86%) der Patientinnen galten als adhärent, also therapietreu. Nur acht Frauen berichteten über gastrointestinale Nebenwirkungen. Die Mehrheit der nicht adhärenten Patientinnen hatte keine Beschwerden, sondern beendete die Therapie aufgrund anderer Faktoren.
Psychologische Barrieren, fehlendes Verständnis
Die Studienautoren identifizierten vor allem folgende Ursachen für mangelnde Adhärenz:
- Sorge vor Nebenwirkungen, auch ohne deren Auftreten
- unzureichende Aufklärung über die Therapiedauer
- Missverständnisse über die Notwendigkeit der weiteren Einnahme nach verbesserten Blutwerten
- gestörtes Arzt-Patienten-Verhältnis
- niedriger Bildungsgrad und sozioökonomischer Status
Die Auswertung legt nahe, dass nicht primär Nebenwirkungen zur Beendigung der Therapie führen, sondern vielmehr Unsicherheiten, mangelnde Kommunikation und psychologische Barrieren eine zentrale Rolle spielen.
Nebenwirkungen je nach Präparat unterschiedlich häufig
In einer ergänzenden Auswertung wurden 2.624 Meldungen aus der FAERS-Datenbank der US-amerikanischen FDA analysiert. Diese umfassten verschiedene orale Eisenpräparate, darunter:
- Eisenfumarat
- Eisensulfat
- Eisen(II)-gluconat
- Eisen-Polysaccharid-Komplexe
Eisenfumarat zeigte die geringste Häufigkeit von Magen-Darm-Nebenwirkungen. Eisen(II)-gluconat fiel hingegen durch ein erhöhtes Risiko für Bauchschmerzen (40,9%) auf. Die übrigen Präparate lagen im Mittelfeld.
Da es sich um freiwillige Meldungen handelt, können die Daten keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Inzidenz erlauben. Sie bieten jedoch Hinweise auf die subjektiv wahrgenommene Belastung durch Nebenwirkungen.
Richtige Einnahme entscheidend für Therapieerfolg
Die korrekte Einnahme von Eisenpräparaten spielt eine zentrale Rolle für deren Wirksamkeit – und sollte in der Apotheke aktiv angesprochen werden.
Allgemeine Empfehlungen:
- Nüchtern einnehmen, idealerweise eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit.
- Die Einnahme mit Vitamin C (z.B. Orangensaft) kann die Aufnahme verbessern.
- Kaffee, schwarzer Tee, Milchprodukte und calciumreiche Speisen können die Eisenaufnahme hemmen.
- Eisen kann die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigen, z.B. Schilddrüsenmedikamente oder bestimmte Antibiotika.
- Diese Wechselwirkungen sollten von Apothekerinnen und Apotheker aufgezeigt und von Ärztinnen und Ärzten abgeklärt werden.
Neue Formulierungen ermöglichen flexiblere Einnahme
Sucrosomales Eisen gilt als besonders magenfreundlich und kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden. Diese Darreichungsform könnte insbesondere für empfindliche Patientinnen und Patienten eine Alternative darstellen.
Schlussfolgerung der Analyse
Die Studienergebnisse unterstreichen, dass gute Kommunikation, verständliche Information und individuelle Beratung maßgeblich zur Therapietreue beitragen. Die Apotheke kann hier eine wichtige Schnittstelle sein – besonders bei der Auswahl des geeigneten Präparats und bei Fragen zur korrekten Einnahme.
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