Der Hopfen (Humulus lupulus L.) wurde von der Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) zur Österreichischen Arzneipflanze des Jahres 2026 gekürt. Die traditionsreiche Pflanze überzeugt nicht nur durch ihre lange Nutzungsgeschichte in der Braukunst, sondern auch durch ihre vielseitige pharmakologische Wirkung.
Herbal Medicinal Products Platform Austria
Die HMPPA ist ein seit 2006 bestehendes akademisches Netzwerk aus Expertinnen und Experten österreichischer Universitäten. Ziel ist es, die Entwicklung und Anwendung pflanzlicher Arzneimittel wissenschaftlich zu fundieren und zu fördern. Deshalb wählt die Plattform jedes Jahr eine Arzneipflanze aus, die sich durch besondere Relevanz für Forschung, Medizin und Pharmazie auszeichnet.
Auswahlkriterien für die Arzneipflanze des Jahres
Die Wahl erfolgt anhand klar definierter Kriterien:
- Bezug zu Österreich
- wissenschaftliche Aktualität
- medizinische und pharmazeutische Bedeutung
- wirtschaftliches Potenzial
- neue Indikationsgebiete
- Aktualität hinsichtlich Qualität oder Kultivierung
Unter Berücksichtigung aller Kriterien hat die HMPPA diese Pflanze zur Österreichischen Arzneipflanze 2026 ausgewählt: Hopfen (Humulus lupulus L.), folgt der Artischocke, welche die Österreichische Arzneipflanze 2025 war.
Hopfen: Botanische Einordnung und Anbau
Der Echte Hopfen ist eine ausdauernde Kletterpflanze aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Seit dem Hochmittelalter wird er regelmäßig beim Bierbrauen verwendet. Hopfen hat aufgrund seiner Inhaltsstoffe einen wichtigen Platz in der Medizin und findet Verwendung zur Unterstützung des Schlafs und bei leichten Symptomen von mentalem Stress. Medizinisch verwendet werden die weiblichen Blütenstände, die sogenannten Hopfenzapfen (Strobuli lupuli). In Österreich erfolgt der Anbau vorwiegend im Mühlviertel, Waldviertel und in der südlichen Steiermark.
Landwirtinnen und Landwirte kultivieren Hopfen in sogenannten Hopfengärten. Geerntet wird in der Vollblüte, die Zapfen werden getrocknet und weiterverarbeitet – unter anderem zu Extrakten, Pulvern oder Pellets.
Inhaltsstoffe und pharmazeutische Qualität
Die pharmazeutisch relevanten Inhaltsstoffe befinden sich in den Drüsenschuppen der Hopfenzapfen. Zu den wichtigsten Substanzen zählen:
- Hopfenbitterstoffe (Humulone und Lupulone)
- Polyphenole wie Xanthohumol und 8-Prenylnaringenin
- Ätherisches Öl (u. a. Myrcen, Humulen, β-Caryophyllen)
Der Gehalt und die Zusammensetzung dieser Inhaltsstoffe hängen unter anderem von Sorte, Anbaugebiet und Lagerdauer ab. Für pharmazeutische Produkte gelten daher strenge Qualitätskriterien, etwa laut Europäischem Arzneibuch (Ph. Eur.).
Pharmakologische Wirkung
Der Hopfen weist ein breites Wirkspektrum auf. Am besten belegt sind sedierende und schlaffördernde Effekte. Auch eine angstlösende Wirkung und lindernde Effekte bei Beschwerden während der Menopause werden beschrieben. Darüber hinaus sind auch antibakterielle, entzündungshemmende, neuroprotektive und metabolische Wirkungen beschrieben – klinisch jedoch bislang noch nicht ausreichend belegt.
Klinischer Stellenwert
Die European Medicines Agency (EMA) führt Hopfenzapfen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Stresssymptome und zur Förderung des Schlafs. Die sedierende Wirkung von Hopfen ist als Monopräparat bislang nicht durch hochwertige klinische Studien belegt. Kombinationen aus Hopfen und Baldrian hingegen zeigen eine signifikante Verbesserung der Schlafqualität.
Zwischen Tradition und moderner Therapie
Die Wahl des Hopfens zur Österreichischen Arzneipflanze 2026 ist Ausdruck der zunehmenden Bedeutung pflanzlicher Arzneimittel in der integrativen Medizin. Denn die wissenschaftliche Fundierung seiner Wirkung, kombiniert mit einer langen Tradition, macht Humulus lupulus zu einem vielversprechenden pflanzlichen Wirkstoff mit breitem Anwendungsspektrum.




