Wer geistig fit bleiben will, sollte auf gutes Hören und Sehen achten. Unbehandelte Sinnesprobleme zählen zu den größten Risikofaktoren für Demenz. Auch Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte helfen bei der Prävention.
Demenz: Was ist das?
Demenz ist ein Sammelbegriff für krankheitsbedingte, fortschreitende Störungen höherer Gehirnfunktionen. Betroffen sind insbesondere das Denken, die Orientierung, die Lern- und Merkfähigkeit, Sprache, Auffassungsgabe sowie das Abstraktionsvermögen. Auch emotionale und soziale Fähigkeiten können im Verlauf deutlich abnehmen. Charakteristisch ist, dass diese Beeinträchtigungen über mindestens sechs Monate bestehen und zunehmend den Alltag erschweren – etwa durch Schwierigkeiten bei der Kommunikation, dem Erledigen einfacher Aufgaben oder durch Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsschwankungen. Je nach Form der Demenz sind unterschiedliche Hirnareale betroffen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit. Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt, allerdings gelten bestimmte Risikofaktoren – wie etwa unbehandelte Hör- und Sehprobleme – als wissenschaftlich gut belegt.
Hörverlust und Demenz: unterschätzter Zusammenhang
Laut der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) zählen unbehandelte Hörschwächen zu den größten beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz im mittleren Alter. Wenn das Hörvermögen nachlässt – häufig ab dem 50. Lebensjahr –, verarbeitet das Gehirn weniger akustische Informationen. Hintergrundgeräusche, die das Gehirn stimulieren, fehlen. Zudem ziehen sich Betroffene oft aus Gesprächen und sozialen Aktivitäten zurück. Die Folge: kognitive Fähigkeiten nehmen ab.
„Wer soziale Kontakte meidet, fordert sein Gehirn nicht ausreichend. Das erhöht das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer“, erklärt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der AFI.
Frühzeitige Maßnahmen sind entscheidend. Hörtests in HNO-Praxen oder beim Hörgeräteakustiker sollten zur Routine gehören.
Sehschwächen erkennen und behandeln
Auch Sehprobleme erhöhen das Demenzrisiko, denn bereits ab dem 40. Lebensjahr beginnt bei vielen Menschen die Sehkraft abzunehmen. Im höheren Alter kommen zusätzliche Erkrankungen wie Grauer Star oder altersbedingte Makuladegeneration hinzu. Wenn diese unbehandelt bleiben, führt das häufig zu Unsicherheit im Alltag, sozialem Rückzug und infolgedessen zu einer reduzierten geistigen Aktivität.
Regelmäßige augenärztliche Kontrollen, die rechtzeitige Anpassung von Brillen sowie die gezielte Behandlung von Augenerkrankungen können helfen, die Sehkraft möglichst lange zu erhalten.
Beeinflussbare Risikofaktoren
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. zeigt insgesamt 14 beeinflussbare Risikofaktoren für Demenz auf:
- Hörverlust
- Unbehandelte Sehschwäche
- Bluthochdruck
- Rauchen
- Diabetes
- Soziale Isolation
- Körperliche Inaktivität
- Niedrige Bildung
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Depression
- Luftverschmutzung
- Kopfverletzungen
- Übergewicht
- Erhöhter LDL-Cholesterinspiegel
Ein Großteil dieser Faktoren kann durch präventive Maßnahmen gezielt beeinflusst werden.
Selbst aktiv werden
Neben der Behandlung von Seh- und Hörproblemen lässt sich das Demenzrisiko auch durch einen gesunden Lebensstil senken. So tragen soziale Kontakte wesentlich dazu bei, das Gehirn aktiv zu halten, indem sie geistige Anregung und emotionale Stabilität fördern. Geistige Aktivitäten wie das Erlernen neuer Fähigkeiten, das Lösen von Rätseln oder das Lesen fordern das Gehirn und helfen, kognitive Funktionen länger zu erhalten. Regelmäßige körperliche Bewegung verbessert die Durchblutung, auch im Gehirn, und wirkt sich positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit aus. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichender Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress unterstützen ebenfalls die Gehirngesundheit und tragen zur Vorbeugung von Demenz bei.
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