Start Wissenschaft E-Zigaretten erhöhen COPD-Risiko deutlich

E-Zigaretten erhöhen COPD-Risiko deutlich

Eine aktuelle Metaanalyse liefert neue Evidenz: Der Konsum von E-Zigaretten ist mit einem signifikant erhöhten Risiko für die Entwicklung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) verbunden. Aufklärung und Beratung sind dringend nötig.

Immer mehr Jugendliche „vapen“

Die Beliebtheit und der Konsum von E-Zigaretten, sogenannte Vapes, sind in den letzten zehn Jahren drastisch gestiegen. Insbesondere unter Jugendlichen hat deren Gebrauch stark zugenommen, wie aus der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD) 2024 hervorgeht.

In Österreich leiden bis zu 800.000 Menschen an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Eine systematische Metaanalyse analysierte nun erstmals umfassend den Zusammenhang zwischen dem Konsum von E-Zigaretten und dem Risiko für COPD. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „npj Primary Care Respiratory Medicine“ veröffentlicht.

Risiko bei allen Nutzergruppen erhöht

Die Auswertung von 17 Beobachtungsstudien mit insgesamt knapp 3 Mio. Teilnehmenden zeigt:

  • Aktuelle E-Zigarettennutzerinnen und -nutzer haben ein um 47% erhöhtes Risiko an COPD zu erkranken verglichen mit Nicht-Nutzern.  
  • Frühere Nutzer weisen sogar ein um 77% erhöhtes Risiko auf.
  • Selbst bei Personen, die irgendwann im Leben E-Zigaretten verwendet haben („ever user“), war das Risiko um 39% erhöht.

Vergleich mit herkömmlichem Rauchen

Im Vergleich dazu ist das Risiko für COPD beim klassischen Zigarettenrauchen wesentlich höher:

  • aktuelle Raucher: 3,51-fach erhöht
  • Personen, die jemals geraucht haben: 2,89-fach erhöht

Die Autorinnen und Autoren der Studie unterstreichen jedoch, dass es sich um klinisch relevante Ergebnisse handelt und bereits gelegentlicher oder früherer Konsum langfristige Atemwegsschäden verursachen kann. 

Dies bleibe auch gesundheitspolitisch nicht ohne Auswirkung: „Angesichts der Tatsache, dass COPD bereits einen beträchtlichen Teil der erwachsenen Bevölkerung betrifft, können selbst moderate Erhöhungen des Risikos bei E-Zigaretten-Konsumenten erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben“. 

E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung?

E-Zigaretten wurden ursprünglich als Ersatz für den traditionellen Tabakkonsum entwickelt. Diese Geräte erhitzen eine Flüssigkeit, die in der Regel aus Propylenglykol, Aromastoffen und meist Nikotin besteht, um ein Aerosol zu erzeugen, das inhaliert wird. 

Im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten produzieren E-Zigaretten keinen schädlichen Teer oder Verbrennungsprodukte. Sie werden daher als Alternative für Raucher und als Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung vermarktet.

Aerosole mit toxischen Stoffen

Allerdings enthalten die erzeugten Aerosole ebenfalls eine Vielzahl potenziell schädlicher Substanzen, die ähnliche Probleme wie beim herkömmlichen Tabakrauch verursachen können. 

Dazu zählen u.a. Formaldehyd, Acrolein, Acetaldehyd und Nanopartikel. Auch sie können Entzündungen der Atemwege, oxidativen Stress und Schäden am Lungengewebe hervorrufen.

Aufklärung und Prävention notwendig

Diese Metaanalyse zeigt deutlich, dass E-Zigaretten schädlicher sind als bisher angenommen, insbesondere im Hinblick auf die langfristige Gesundheit der Atemwege. Dies sollte in Aufklärungs- und Präventionskampagnen kommuniziert werden, so die Autoren. 

Originalpublikation:

Stabil M et al. Association of electronic cigarette use and risk of COPD: a systematic review and meta-analysis. npj Primary Care Respiratory Medicine (2025)35:31.

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