Zeitgleich mit dem Start des Hitzetelefons präsentierte die Apothekerkammer am 26. Juni neue Beratungsleitlinien zum Thema Hitzeschutz und Medikamente. Die Relevanz ist hoch, denn der Temperaturanstieg hierzulande ist bereits jetzt doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Umso wichtiger werden Apotheken als wohnortnahe, niederschwellige und kompetente Anlaufstellen für die Bevölkerung.
Hitze zählt zu den größten gesundheitlichen Risiken des Klimawandels in Österreich. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten mit jährlich rund 400 hitzebedingten Todesfällen in Österreich zu rechnen sein wird.1 In diesem Zusammenhang betonte Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) am 26. Juni im Rahmen einer Pressekonferenz, wie wichtig „gemeinsames, akkordiertes Handeln auf allen Ebenen“ sei und welche zentrale Rolle Apotheken hier einnehmen. „Als wohnortnahe und niederschwellige Anlaufstellen sind sie für viele Menschen oft die erste Adresse bei Fragen zur Gesundheit und zu Medikamenten“, sagt Schumann.

Apotheken sind als wohnortnahe und niederschwellige Anlaufstellen für viele Menschen oft die erste Adresse bei Fragen zur Gesundheit und zu Medikamenten.
Korinna Schumann
Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Das Gesundheitsministerium hat im vergangenen Jahr unter anderem den nationalen Hitzeschutzplan überarbeitet und dafür sämtliche Akteure eingebunden. Die aktuelle Version ist seit 25. Juni 2025 online. Der Hitzeschutzplan stellt ein Kernelement für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung dar. Die Österreichische Apothekerkammer ist Mitglied der erweiterten „Arbeitsgruppe Hitze“, der neben der Apothekerschaft auch Expertinnen und Experten des Umweltbundesamtes, des Klimaministeriums, des ORF und der MedUni Wien angehören.
Apothekerkammer veröffentlicht Beratungsleitlinien
2025 widmet auch die Apothekerkammer dem Thema Hitze einen inhaltlichen Schwerpunkt. Für die Kammerpräsidentin Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr ist es dabei essenziell, Botschaften an die Bevölkerung gemeinsam zu erarbeiten und evidenzbasiertes, gesichertes Wissen bereitzustellen. „Als eine zentrale Maßnahme haben wir neue Beratungsleitlinien zum Thema Hitze für Apothekerinnen und Apotheker entwickelt, um Patientinnen und Patienten noch umfassender zu beraten und für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren.“ Denn wenn die Temperaturen steigen, habe dies „nicht nur Auswirkungen auf den Organismus, sondern auch auf die Wirkung von Medikamenten“, warnt Mursch-Edlmayr.

Hitze assoziierte Risiken und Medikationsfehler vermeiden
Manche Medikamente können beispielsweise die körpereigene Temperaturregulation stören, zu einem erhöhten Flüssigkeitsverlust führen oder den Blutdruck stark senken. Mit den neuen Beratungsleitlinien wolle man hitzeassoziierte Risiken und damit verbundene Probleme bei der Arzneimitteltherapie gezielt minimieren. „Auf diese Weise fördert die Apothekerschaft die Gesundheit der Patientinnen und Patienten und erspart dem Gesundheitssystem gleichzeitig die Folgekosten von Medikationsfehlern“, erläutert Mursch-Edlmayr.
Die Beratungsleitlinien wurden bereits an alle 1.470 öffentlichen Apotheken verteilt und stehen Kammermitgliedern zusätzlich im internen Bereich auf der Kammer-Website zur Verfügung.
Gesundheitsministerin: Hitze-Verordnung in Arbeit
„Hitze wirkt direkt in unseren Lebenswelten: auf dem Weg zur Arbeit, in Betrieben, in Schulen, im Wohnumfeld, im Pflegeheim, in der Freizeit“, betont Gesundheitsministerin Schumann. Hohe Temperaturen führen zu verringerter Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie erschwerten Arbeitsplatzbedingungen. Im Gesundheitsministerium wird deshalb derzeit an einer Hitze-Verordnung gearbeitet, die bereits „in den letzten Zügen der Abstimmung“ ist. Für Schumann ist das „ein Meilenstein, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besser vor Hitze zu schützen, vor allem jene, die im Freien arbeiten“.
Apotheken beraten täglich 600.000 Menschen
„Jeder dritte Mensch in Österreich ist als hitzevulnerabel zu bezeichnen“, erklärt Dr. Heinz Fuchsig, Arbeits- und Umweltmediziner sowie Umweltreferenz der Österreichischen Ärztekammer. Diese Personen sind einem besonders hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Dazu zählen etwa chronisch kranke Personen, ältere Menschen, Schwangere, Kleinkinder und Menschen mit Behinderungen. Die Gesundheitsministerin betont, dass „Apotheken hier eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem übernehmen“.
Täglich suchen rund 600.000 Menschen Beratung in der Apotheke. Diese Beratungskompetenz der Apothekerschaft – noch dazu ohne Termin oder längere Wartezeit, – sollte laut Apothekerkammer noch besser genutzt werden. Apotheken könnten künftig als Erstanlaufstellen bei Fragen zum Hitzeschutz fungieren.
Sportveranstaltungen verlegen oder absagen
Interessanterweise sind laut Umweltmediziner Fuchsig zehn- bis 19-jährige Buben besonders gefährdet, einen Hitzeschlag zu erleiden. Ein Grund ist, dass Schul- oder Vereinssporttermine häufig am Nachmittag stattfinden und die Jugendlichen dabei zu wenig trinken. Er rät Sportveranstaltern, im Sinne des Hitzeschutzes, daher dringend, „anstrengende Bewerbe in der Sonne bei Temperaturen über 30°C abzusagen oder abzubrechen“ bzw. Nachmittagstrainings nach Möglichkeit in die Morgenstunden zu legen. Zusätzlich empfiehlt er Betrieben, Schulen, Hausgemeinschaften und anderen Institutionen, einen individuellen Hitzeschutzplan zu erstellen. „Dieser gibt unter anderem Aufschluss darüber, welche Räume besonders heiß werden und nur eingeschränkt genutzt werden sollten, welche Schritte bei einem Notfall gesetzt werden müssen oder was bei einem gleichzeitigen Stromausfall zu beachten ist.“
Hitzeschutz: Anlaufstellen, Tipps, Symptome
Anlaufstellen:
- Hitzetelefon unter 0800 880 800
- Info-Flyer zum Thema Hitze der Österreichischen Apothekerkammer
- Cooling Center des Wiener Roten Kreuzes
- Coole Zonen der Stadt Wien
- Klimaoasen der Caritas Wien
- Hitze- und Unwetterwarnungen von GeoSphere Austria
Hitze-Tipps:
- viel Trinken – mind. 2 L Wasser
- leicht essen
- Anstrengung vermeiden: „Keine Hetze bei Hitze“
- leichte, lockere Kleidung
- Wohnung kühl halten
- im Schatten bleiben
Hitze-assoziierte Beschwerden erkennen:
- Verwirrtheit, Abgeschlagenheit, Krampfanfälle
- Körpertemperatur über 39°C
- Anhaltende Übelkeit, Erbrechen, Durchfall trotz Flüssigkeitszufuhr
- Kreislaufprobleme trotz Ruhe und Flüssigkeit
Quelle:
- BMASGP: Nationaler Hitzeschutzplan Österreich. Stand: 25.06.2025 ↩︎




