Start News Drama um Spenderherz: Transplantationsfehler in Italien

Drama um Spenderherz: Transplantationsfehler in Italien

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Ein schwerer Kühlfehler beim Transport eines Spenderherzens hatte für ein zweijähriges Kind in Neapel dramatische Konsequenzen. Trotz der Schädigung transplantierten die Ärztinnen und Ärzte das Organ – nun ermitteln die Staatsanwaltschaften.

Ein tragischer medizinischer Vorfall erschüttert Italien: Ein zwei Jahre alter Bub aus Neapel, der seit seiner frühen Kindheit an einem schweren Herzfehler leidet, erhielt kurz vor Weihnachten ein Spenderherz. Das Herz stammte von einem vierjährigen Kind, das in einem Schwimmbad ums Leben kam. Doch beim Transport des Organs aus Bozen kam es zu einem schwerwiegenden Fehler. Statt wie vorgeschrieben in herkömmlichem Eis wurde das Herz in Trockeneis transportiert. Dieses erreicht Temperaturen von mehr als minus 78 Grad Celsius, wodurch das Organ „buchstäblich erfroren“ sei, so die behandelnden Ärzte.

Spenderherz trotz Schädigung implantiert

Wie erst jetzt bekannt wurde, wurde dem Kind das beschädigte Organ trotzdem implantiert. Offenbar, weil das Operationsteam das eigene Herz bereits vor Beginn der Transplantation entfernt hatte. Diese Information wurde erst durch eine Mitteilung des Anwalts der Eltern öffentlich. Die Eltern des Kindes geben an, davon nichts gewusst zu haben.

Das Kind liegt mittlerweile seit mehr als 50 Tagen auf der Intensivstation, wird künstlich am Leben erhalten und befindet sich im künstlichen Koma. Laut Aussagen seiner Mutter gegenüber der Zeitung Il Mattino habe ihr Sohn vor dem Eingriff noch ein „fast normales Leben“ geführt – er habe gespielt, gegessen und Medikamente genommen.

Ermittlungen und Suspendierungen

Die Staatsanwaltschaften in Bozen und Neapel haben strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen. Auch interne Untersuchungen laufen. Das Krankenhaus in Bozen betonte, lediglich für die Entnahme des Spenderorgans zuständig gewesen zu sein. Die Verantwortung für die Konservierung und den Transport des Herzens habe beim Krankenhaus in Neapel gelegen.

Nach Bekanntwerden der Vorfälle suspendierte das Krankenhaus laut der Nachrichtenagentur ANSA zwei verantwortliche Ärztinnen bzw. Ärzte von Operationen. Die Suche nach einem neuen passenden Spenderherz läuft derzeit europaweit, die Erfolgsaussichten gelten jedoch als gering. Es müsse die Größe des Herzens als auch die Blutgruppe passen, um es dem Buben implantieren zu können. 

Medizinische Standards verletzt

Üblicherweise transportieren medizinische Teams Spenderherzen in einer sterilen Konservierungslösung und kühlen sie mit herkömmlichem Eis auf 4 bis 8 Grad Celsius. Diese Methode dient dazu, den Stoffwechsel des Organs zu verlangsamen und Schäden zu vermeiden. Die Verwendung von Trockeneis, das deutlich kälter ist, ist nicht vorgesehen und hat in diesem Fall zur irreparablen Schädigung des Organs geführt.

Offene Fragen und ethische Debatte

Der Fall stellt nicht nur medizinisch, sondern auch ethisch schwerwiegende Fragen: Wer entschied, das beschädigte Organ zu transplantieren? Und warum informierte das Team die Familie offenbar nicht vollständig? Und wie konnte ein derart fundamentaler Fehler in einem hochsensiblen Bereich wie der Organtransplantation bei Kindern passieren?

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