Eine neue Studie der Universität Duisburg-Essen zeigt, welche psychologischen Mechanismen hinter problematischer Internetnutzung stehen. Die Ergebnisse könnten Prävention und Therapie verbessern.
Die Debatte über Altersgrenzen für soziale Medien betrifft nicht nur Jugendliche. Auch viele Erwachsene verbringen täglich Stunden online. Für manche Menschen hat das negative Auswirkungen auf psychische Gesundheit, Alltag und Beziehungen. Forschende der Universität Duisburg-Essen haben nun untersucht, warum es Betroffenen oft schwerfällt, ihre Internetnutzung zu kontrollieren.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die sogenannte problematische Internetnutzung. Dazu zählen etwa exzessives Gaming, intensive Nutzung sozialer Medien, Online-Shopping oder Pornografiekonsum. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Comprehensive Psychiatry veröffentlicht.
Drei Mechanismen beeinflussen das Verhalten
Die Forschungsgruppe rund um Prof. Dr. Matthias Brand überprüfte erstmals umfassend das sogenannte I-PACE-Modell. Dieses Modell beschreibt, wie problematische Internetnutzung entsteht und aufrechterhalten wird. In der Suchtforschung gilt es bereits seit Jahren als wichtiger theoretischer Ansatz.
Für die Studie wurden 819 Personen mit einem Durchschnittsalter von rund 27 Jahren untersucht. Etwa 45 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen. Die Probandinnen und Probanden absolvierten klinische Interviews, Fragebögen sowie computergestützte Tests. Dabei wurde unter anderem gemessen, wie stark internetbezogene Reize die Impulskontrolle beeinflussen.
Die Analyse identifizierte drei zentrale Mechanismen. Einerseits nutzen viele Menschen digitale Angebote, um sich besser zu fühlen oder negative Emotionen zu verdrängen. Andererseits entsteht bei manchen Betroffenen ein zunehmender innerer Druck, online zu gehen. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit ab, das Verhalten bewusst zu stoppen.
Zusammenspiel von Emotionen und Selbstkontrolle
Laut den Forschenden wirken diese Prozesse eng zusammen. Zudem konnten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter zeigen, dass sich daraus die Entwicklung problematischer Symptome über einen Zeitraum von sechs Monaten vorhersagen lässt.
„Wir konnten erstmals empirisch fundiert zeigen, dass diese drei Wege zusammenwirken“, erklärt Prof. Dr. Matthias Brand. Laut der Studie beeinflussen Emotionen, Gewohnheiten und Selbstkontrolle das Verhalten gemeinsam. Die Erkenntnisse sind auch Teil des europäischen Forschungsprojekts BootStRaP, das sich mit Internetnutzung bei Jugendlichen beschäftigt. Dort leitet Brand den Bereich Diagnostik und psychologische Mechanismen.
Bedeutung für Prävention und Therapie
Die Studienergebnisse könnten künftig dabei helfen, Präventionsmaßnahmen und therapeutische Angebote gezielter anzupassen. Je nachdem, welche Mechanismen bei Betroffenen dominieren, könnten unterschiedliche Behandlungsansätze sinnvoll sein.
„Die Zeitschrift richtet sich an eine breite klinisch tätige Leserschaft, ist Open Access und der Artikel erscheint in einer Sonderausgabe zur problematischen Internetnutzung“, so Brand. Dadurch solle die wissenschaftliche Verbreitung der Ergebnisse verbessert werden.
Originalpublikation:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0010440X26000362
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