Eine spezielle Beschichtung von Wasserbehältern könnte die Bekämpfung von Dengue unterstützen. In einer Studie in Kolumbien ging die Dengue-Inzidenz in Gebieten mit behandelten Behältern deutlich stärker zurück als in Kontrollgebieten. Der Ansatz zielt direkt auf die Brutstätten von Aedes-Mücken.
Ein einmaliger Anstrich von Wasserbehältern kann die Vermehrung der Gelbfiebermücke Aedes aegypti über Monate eindämmen und damit auch die Übertragung von Dengue reduzieren. Das zeigt eine cluster-randomisierte in Kolumbien durchgeführte Studie, die im Fachjournal The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht wurde.
Untersucht wurden 20 Stadtgebiete im kolumbianischen Cúcuta. In der Hälfte der Gebiete behandelte das Forschungsteam Wasserbehälter in den Haushalten mit einer speziellen Insektizid-Beschichtung. Die andere Hälfte bildete die Kontrollgruppe. Nach zwölf Monaten war der Rückgang der Dengue-Inzidenz in den Interventionsgebieten relativ um 45 Prozent stärker als in den Kontrollgebieten. Zudem fanden die Forschenden deutlich weniger Häuser mit Mückenlarven oder -puppen.
Wirkstoffe werden langsam freigesetzt
Die Beschichtung enthält zwei Wirkstoffe, die über Mikrokapseln langsam freigesetzt werden. Sie wirkt sowohl gegen erwachsene Mücken als auch gegen deren Larven und Puppen und bleibt dadurch über mehrere Monate aktiv.
Die Wirkung blieb über den zwölfmonatigen Beobachtungszeitraum nachweisbar, nahm mit der Zeit jedoch ab. Die direkten Kosten der Intervention beziffern die Studienautorinnen und -autoren mit rund zwei US-Dollar pro Haushalt und Jahr. Sie sehen die Beschichtung als mögliche Ergänzung bestehender Maßnahmen zur Dengue-Kontrolle. Weitere Untersuchungen sollen zudem klären, wie lange die Wirkung anhält und in welchen Abständen die Beschichtung erneuert werden müsste.
Dengue wird durch Aedes-Mücken übertragen
Infizierte Stechmücken der Gattung Aedes, vor allem Aedes aegypti, übertragen das Dengue-Virus auf den Menschen. Typische Krankheitszeichen sind Fieber, Ausschlag sowie Kopf-, Muskel-, Glieder-, Knochen- oder Gelenksschmerzen. In etwa 1 bis 5 Prozent der Fälle kommt es zu einem schweren Verlauf.
Die Erkrankung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weltweit stark ausgebreitet. Mittlerweile kommen Aedes-Mücken auch in Europa vor, wobei Behörden in Südeuropa bereits lokal erworbene Dengue-Fälle registrierten. In Österreich ist Dengue-Fieber meldepflichtig. Bisher meldeten die Behörden in Österreich nur Dengue-Fälle, bei denen sich die Betroffenen im Ausland infiziert hatten.
Tigermücke macht Brutstätten auch hier zum Thema
In Österreich kommt die eng verwandte Asiatische Tigermücke Aedes albopictus vor. Für ihre Vermehrung reichen kleine Wasseransammlungen, etwa in Regentonnen, Pflanzgefäßen oder anderen Behältern.
Damit ist der Ansatz der kolumbianischen Studie auch aus europäischer Perspektive interessant. Eine direkte Übertragung der Ergebnisse ist allerdings nicht möglich: Untersucht wurde Aedes aegypti unter den klimatischen und epidemiologischen Bedingungen Kolumbiens. Ob eine vergleichbare Beschichtung auch gegen Aedes albopictus unter europäischen Bedingungen wirksam und praktikabel wäre, müsste eigens untersucht werden.




