Wer kennt sie nicht: Kundinnen und Kunden, die auch an der Tara ihre In-Ears nicht aus dem Ohr nehmen. Eine Studie aus China hat nun herausgefunden, dass Gehörgangsentzündungen mit der häufigen und langen Nutzung von In-Ears und Ohrstöpseln zusammenhängen.
Die Gehörgangsentzündung (Otitis externa) zählt zu den häufigsten Ohrenproblemen. Rund zehn Prozent aller Menschen erkranken einmal oder öfter in ihrem Leben daran. Bei der Erkrankung ist die Haut des äußeren Gehörgangs entzündet, wobei in 90% der Fälle Bakterien die Ursache sind, nur selten Viren oder Pilze.
Bisher trat die Erkrankung meist als „Badeotitis“ von Schwimmerinnen und Schwimmern auf, verursacht durch verunreinigtes Wasser im Gehörgang. Aber auch die Reinigung des Gehörgangs mit einem unreinen Finger oder Wattestäbchen kann dazu führen, dass pathogene Mikroorganismen eindringen und eine Entzündung auslösen.
In-Ear-Kopfhörer begünstigen Keimwachstum
Seit einiger Zeit hat man auch In-Ears im Blick. Denn Gehörgangsentzündungen dürften zunehmend mit dem häufigen und langen Gebrauch von vollständig isolierenden In-Ear-Kopfhörern und Ohrstöpseln in Verbindung stehen. Diese fördern nämlich das Keimwachstum, weil sie die Ohren dicht abschließen und dadurch ein feuchtes, warmes Klima im Gehörgang erzeugen.
Suchen – insbesondere junge – Kunden die Apotheke (wiederholt) mit Ohrenschmerzen oder bereits diagnostizierter Gehörgangsentzündung auf, sollte man deshalb auch an In-Ears denken und nach deren Tragegewohnheiten fragen. Tipps und Produkte zur vorbeugenden und begleitenden Behandlung von Entzündungen des äußeren Gehörgangs sowie zur Desinfektion der kabellosen Kopfhörer ergänzen die Beratung. Ebenfalls Sinn macht ein Hinweis darauf, dass jede Person ihre eigenen In-Ears besitzen und diese nicht mit anderen teilen sollte.
Fall-Kontroll-Studie
Eine Mitursache für Otitis externa könnten auch Kontaktallergien durch die Materialien der Ohrstöpsel sein, wie chinesische Forschende kürzlich herausfanden. „Der weit verbreitete Gebrauch von drahtlosen In-Ear-Kopfhörern und von Ohrstöpseln ist mit einer zunehmenden Zahl von Berichten über klinische Symptome aufgetretener Otitis externa in Verbindung gebracht worden. Wir haben eine Fall-Kontroll-Studie auf Kontaktdermatitis im Zusammenhang mit In-Ear-Geräten durchgeführt, um mögliche Risikofaktoren für Kopfhörer-/Ohrstöpsel-Allergien zu identifizieren“, haben Haotian Liu von der Sichuan Universität (West China Hospital/Chengdu) und Co-Autoren in ihrer Publikation im Journal der Amerikanischen Akademie für Dermatologie (JAAD) geschrieben.
Gehörgangsentzündungen mit Kontaktallergien assoziiert
Die Forschenden nahmen insgesamt 128 Personen mit Otitis externa in ihre Studie auf. Dazu kamen 50 Personen ohne Symptome, die aber ebenfalls solche Kopfhörer oder Ohrstöpsel verwendeten. Die Probandinnen und Probanden waren durchschnittlich rund 25 Jahre alt, etwa zwei Drittel waren Frauen. 75 Teilnehmende wurden auch allergologisch untersucht.
Für den Allergietest wurden kleine Stückchen der In-Ears-Abdichtungen abgetrennt und für 48 Stunden auf den Rücken der Testpersonen geklebt. Ein Hauptergebnis, so die Wissenschafter: „Unter den Personen mit Gehörgangsentzündung zeigten 28,9 Prozent einen positiven oder zumindest zweifelhaften Hauttest. Das war signifikant mehr als die 2,7 Prozent bei den Personen ohne Symptome.“
Erkrankte nutzten In-Ears öfter
Patienten mit Gehörgangsentzündungen verwendeten die Ohrstöpsel durchschnittlich 21 Mal pro Woche und damit signifikant häufiger als Personen ohne Probleme (rund zehn Mal). Dies deute darauf hin, dass eine längere Exposition das Sensibilisierungsrisiko erhöhe, so die Studienautoren.
„Kontaktallergien im Zusammenhang mit In-Ears und Ohrstöpseln waren bei Personen mit Otitis externa häufiger. Das deutet darauf hin, dass solche Allergien zu den Problemen beitragen dürften. Bei der Untersuchung von Betroffenen sollte das berücksichtigt werden“, raten die Fachleute.
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