Start Wissenschaft Flüssigkeitszufuhr als Schutzfaktor bei Adipositas

Flüssigkeitszufuhr als Schutzfaktor bei Adipositas

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass unzureichendes Trinken bei Menschen ähnliche Prozesse auslösen könnte wie bei Tieren im Winterschlaf – mit Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel und das Risiko für Adipositas.

Ein internationales Forschungsteam rund um Richard Johnson (University of Colorado) unter Beteiligung von Wiener Forschenden, veröffentlichte kürzlich eine Studie im Journal of Internal Medicine, die auf einen bisher wenig beachteten Zusammenhang hinweist: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr könnte demnach eine präventive Rolle bei der Entstehung von Fettleibigkeit spielen.

Mechanismen aus dem Tierreich liefern Hinweise

Während des Winterschlafs stellt der Fettstoffwechsel der Tiere das nötige Wasser bereit, damit sie monatelang ohne Trinken auskommen. Dabei spielt das Hormon Vasopressin eine Schlüsselrolle. Es reguliert nicht nur den Wasserhaushalt, sondern ist auch an der Einlagerung von Fettreserven beteiligt.

Im Tiermodell zeigt sich: Steigt Vasopressin im Herbst an, wird der Durst gesteigert und Fettreserven werden aufgebaut. Im Winter sinkt der Vasopressin-Spiegel wieder, und die Tiere stellen auf Fettstoffwechsel um. Sie begeben sich also in den Winterschlaf. Dadurch wird im Körper Wasser gebildet – allerdings nicht in ausreichendem Maß. Die Tiere wachen regelmäßig auf und müssen kurzfristig den Kohlenhydratstoffwechsel aktivieren, um Flüssigkeit zu generieren und die Blutsäure zu regulieren.

Flüssigkeitsmangel und Übergewicht beim Menschen

Die Forschenden ziehen Parallelen zum Menschen: Auch bei Personen mit Adipositas sei der Vasopressin-Spiegel chronisch erhöht, was auf eine dauerhafte Dehydrierung hinweisen könnte. Laut Johanna Painer-Gigler und Szilvia Kalgeropoulu vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) könnte eine gestörte Vasopressinregulation zur Fetteinlagerung auch beim Menschen beitragen – besonders, wenn gleichzeitig Fruktose und Salz über die Nahrung aufgenommen werden. 

Es wird vermutet, dass auch die Wirkung von GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid als „Abnehmspritze“ teilweise auf ihre bekannte Fähigkeit zurückzuführen sein könnte, die Vasopressinproduktion zu hemmen.

Relevanz für die Apothekenberatung

Für die pharmazeutische Beratung ergibt sich daraus eine praxisnahe Empfehlung.
Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sollte bei übergewichtigen Patientinnen und Patienten aktiv hingewiesen werden – auch aufgrund der klimabedingt stetig steigenden Temperaturen.

Denn Wasser erfüllt im Körper zentrale Funktionen: Es unterstützt den Nährstofftransport, reguliert die Körpertemperatur und fördert die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten. Darüber hinaus könnte es laut aktueller Forschung auch ein Schlüsselelement im Umgang mit Adipositas darstellen. 

Studie: https://doi.org/10.1111/joim.70003

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QuelleAPAmed

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