Kostenlose Impfstoffe gegen Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose sind vielerorts nicht verfügbar, was zu Gratis-Impfstoff Engpässen in Österreich führt. Die Ärztekammer macht den Bund für zu geringe Bestellmengen verantwortlich und warnt vor einem Stillstand im Impfprogramm – das Gesundheitsministerium widerspricht.
Gratis-Impfstoffe vielerorts nicht verfügbar
Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) warnt vor Engpässen bei kostenlosen Impfungen für Erwachsene. Aktuell seien weder Grippeimpfstoffe noch Vakzine gegen Pneumokokken und Gürtelrose flächendeckend verfügbar.
„Das Impfprogramm ist leider zum Stillstand gekommen“, erklärte ÖÄK-Vizepräsident Edgar Wutscher. Der Bund habe „schlichtweg zu wenig Impfstoffe eingekauft beziehungsweise budgetiert“.
Kritik an System und Planung
Zusätzlich kritisiert die Ärztekammer die mangelhafte technische Infrastruktur: Der Bestellshop für Impfstoffe sei instabil und erschwere die Bestellung.
Die ÖÄK stehe im Austausch mit dem Gesundheitsministerium und der ÖGK, um die Logistik zu verbessern. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats, fordert bei der für Jänner angekündigten Neukontingentierung eine bevorzugte Belieferung unterversorgter Ordinationen – insbesondere bei der bei der aus zwei Impfungen bestehenden Gürtelrose-Impfung.
Das Gesundheitsministerium hatte im November zusätzliche 70.000 Dosen Gürtelrose- und 25.000 Dosen Pneumokokken-Impfstoff angekündigt. Weitere Lieferungen sind für Jänner erwartet.
Technische Störung durch hohes Bestellaufkommen
Bereits im Oktober bestätigte die Bundesbeschaffung GmbH (BBG), Betreiberin des „e-Impfshops“, auf Anfrage der PharmaNow-Redaktion temporäre technische Probleme. Ursache sei ein außergewöhnlich hohes Bestellaufkommen gewesen. Das System sei inzwischen stabilisiert und eine im Sommer 2025 abgeschlossene Logistik-Rahmenvereinbarung soll die Auslieferungen langfristig verbessern.
Gesundheitsministerium widerspricht Ärztekammer
Das Gesundheitsministerium weist die Kritik der Ärztekammer im Ö1-Mittagsjournal am 1. Dezember zurück. Laut Maria Paulke-Korinek, Leiterin des Impfwesens im Gesundheitsministerium wurden große Mengen an Impfstoffen österreichweit ausgeliefert. Diese befänden sich laut Ministerium in impfenden Einrichtungen und seien grundsätzlich verfügbar.
Es sei bekannt, dass einzelne Ordinationen derzeit keine Impfstoffe mehr erhalten hätten. Gleichzeitig verweist das Ministerium auf eine Diskrepanz zwischen ausgelieferten Dosen und dokumentierten Impfungen:
- Von 1,4 Millionen ausgelieferten Influenza-Impfstoffen seien bisher nur 810.000 Impfungen im e-Impfpass registriert.
- Bei 170.000 ausgelieferten Dosen Gürtelrose-Impfstoff seien rund ein Viertel dokumentiert.
- Ein ähnliches Bild ergibt sich laut Ministerium bei den Pneumokokken-Impfstoffen.
Aus Sicht des Ministeriums seien demnach ausreichend Impfstoffe im Umlauf, die in den kommenden Wochen verimpft werden müssten.
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