Start Wissenschaft Dehydration: Kinder schwitzen nicht mehr als Erwachsene

Dehydration: Kinder schwitzen nicht mehr als Erwachsene

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Kinder galten lange Zeit als anfälliger für Hitzestress bei körperlicher Aktivität als Erwachsene. Laut einer australischen Studie sind Kinder aber nicht eher von Dehydration bedroht als Erwachsene. Sie dürften sich einfach mehr bewegen.

Eine Forschergruppe um Prof. Ollie Jay, PhD, vom Heat and Health Research Centre der Universität von Sydney untersuchte die Thermoregulation und das Dehydrationsrisiko bei Kindern und Erwachsenen. Die Ergebnisse publizierten sie Ende Juli im „British Journal of Sports Medicine“. Die Forschenden haben zudem einen Online-Rechner (Englisch) veröffentlicht, mit dem man den Schweißverlust berechnen und die Mindesttrinkmenge bestimmen kann. 

Nötige Trinkmenge wird oft unterschätzt

„Viele Menschen unterschätzen an heißen Tagen die Flüssigkeitsverluste, die sie durch Trinken ausgleichen müssen, um eine Dehydration zu vermeiden. Kinder gelten als besonders anfällig für einen Hitzestress, weil die Körperoberfläche im Vergleich zum Körpergewicht größer ist als bei Erwachsenen. Der Körper kann sich schneller erwärmen und überhitzen“, schrieb das Deutsche Ärzteblatt zu der wissenschaftlichen Arbeit. Im Gegensatz zu vielen internationalen Fachgesellschaften habe in der Vergangenheit nur die „American Academy of Pediatrics“ die oft genannten angeblichen Unterschiede in der Thermoregulation von Kindern bzw. Erwachsenen angezweifelt.

US-Kinderärzte lagen richtig

Die neue Studie rüttelte sozusagen an einem bisher geltenden Dogma. Das Deutsche Ärzteblatt: „Die Experimente, die das ‚Heat and Health Research Centre‘ der Universität Sydney jetzt an 68 gesunden und sportlich aktiven Kindern im Alter von zehn bis 16 Jahren und an 24 Erwachsenen im Alter von 18 bis 40 Jahren durchgeführt hat, geben den US-Pädiatern recht.“

Am Laufband in der Klimakammer

Die australischen Wissenschafter führten aufwendige Untersuchungen durch. Sie baten die Probanden, sich in einer Klimakammer auf einem Laufband sportlich zu betätigen. In einem ersten Versuch wurden sie auf 60% der maximalen Sauerstoffaufnahme belastet. Dann erfolgte eine intensive sportliche Aktivität (7,5 metabolische Einheiten). Beim dritten Durchlauf des Experiments sollten 300 Watt pro Quadratmeter Körperoberfläche geleistet werden. Das entspricht einer sehr hohen Belastung.

Das Experiment wurde jeweils zusätzlich einmal unter feuchtwarmen Bedingungen (30°C und 40% Luftfeuchtigkeit) durchgeführt, das zweite Mal bei 40°C und 30% Luftfeuchtigkeit (trockene Hitze). Zur Messung der Körperkerntemperatur schluckten die Teilnehmenden eine telemetrischen Pille. Auch die Schweißmenge wurde bestimmt.

Kinder verkrafteten bestimmte Belastungen besser

„Wie das Team um Ollie Jay berichtet, gab es während des Trainings keine Unterschiede zwischen den Erwachsenen und den Kindern – weder in der Körpertemperatur noch bei der Schweißmenge. Eine einzige Ausnahme gab es bei der hohen Belastung von 60% der maximalen Sauerstoffaufnahme unter dem feuchtwarmen Klima. Hier kam es bei den Erwachsenen zu einem stärkeren Anstieg der Körperkerntemperatur. Die Kinder hatten die Belastung besser verkraftet“, schilderte das Deutsche Ärzteblatt die Resultate der wissenschaftlichen Untersuchung.

Laut den Studienautoren dürfte die größere Anfälligkeit von Kindern für „Austrocknung“ unter schwülen und heißen Bedingungen eher darauf zurückzuführen sein, dass sie sich einfach mehr bewegen als die Erwachsenen. Darüber hinaus könnten sie auch die notwendige Trinkmenge unterschätzen. 

Originalpublikation:

Smallcombe JW et al. Thermoregulation and dehydration in children and youth exercising in extreme heat compared with adults. Br J Sports Med 2025;59:1151–1159. Online veröffentlicht am 31.07.2025

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