Eine intensive Blutdruckkontrolle war in einer großen chinesischen Studie auch langfristig mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden. Nach sieben Jahren lag das Risiko in der Interventionsgruppe um 15 Prozent niedriger als unter Standardversorgung. Die Ergebnisse wurden beim ESC Congress 2026 in München präsentiert.
Eine langfristige intensive Blutdruckkontrolle könnte bei Menschen mit Hypertonie auch zur Demenzprävention beitragen. Darauf weisen neue Langzeitergebnisse des China Rural Hypertension Control Program (CRHCP) hin. Die Daten wurden beim ESC Congress 2026 in München vorgestellt.
Für die Studie wurden 326 ländliche Dörfer in China nach dem Zufallsprinzip einer intensiven Blutdruckintervention oder der üblichen Versorgung zugeteilt. Insgesamt nahmen 33.995 Personen teil, deren Durchschnittsalter bei 63 Jahren lag. Dabei waren 61 Prozent der Teilnehmenden Frauen.
Die Hälfte der Teilnehmenden wurde einer intensiven Blutdruckintervention zugeteilt, die andere Hälfte erhielt die übliche Versorgung. In der Interventionsgruppe übernahmen geschulte nicht-ärztliche Gesundheitsdienstleister unter Aufsicht von Ärztinnen und Ärzten der Primärversorgung das strukturierte Blutdruckmanagement. Zielwerte waren ein systolischer Blutdruck von weniger als 130 mmHg und ein diastolischer Blutdruck von weniger als 80 mmHg.
15 Prozent geringeres Demenzrisiko
Die aktive Studienphase dauerte vier Jahre. Darauf folgten drei weitere Jahre Beobachtung. Am Ende des insgesamt siebenjährigen Studienzeitraums war der systolische Blutdruck in der Interventionsgruppe gegenüber dem Ausgangswert um durchschnittlich 17,6 mmHg gesunken. In der Gruppe mit üblicher Versorgung betrug die Senkung 2,4 mmHg.
Nach sieben Jahren hatten 8,85 Prozent der Personen in der Interventionsgruppe eine Demenz entwickelt. In der Kontrollgruppe waren es 10,55 Prozent. Damit war das Demenzrisiko bei intensiver Blutdruckkontrolle um 15 Prozent geringer. Der Unterschied war statistisch signifikant.
Auch das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen ohne Demenz lag zudem in der Interventionsgruppe um 13 Prozent niedriger. Auch der Anteil der Teilnehmenden mit schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen war in der Interventionsgruppe geringer als in der Kontrollgruppe (47,15 Prozent versus 49,78 Prozent).
Frühere Ergebnisse bereits publiziert
Die aktuellen Langzeitergebnisse schließen an bereits publizierte Daten aus dem CRHCP an. Im April 2025 erschien in Nature Medicine eine Auswertung zur Demenzhäufigkeit nach 48 Monaten.
Blutdruckmanagement als Ansatz zur Prävention
Prof. Yingxian Sun, Leiter des CRHCP in Shenyang, verwies darauf, dass Hypertonie als beeinflussbarer Risikofaktor für Demenz bekannt sei. Langzeitdaten dazu, ob eine Blutdrucksenkung Demenz auf Bevölkerungsebene verhindern könne, seien bislang jedoch begrenzt. Die aktuellen Ergebnisse unterstützen nach Einschätzung der Studiengruppe die langfristige Integration eines strukturierten Blutdruckmanagements in die routinemäßige Primärversorgung.




