Start Wissenschaft Welche Rolle Bauchfett bei Belastungsinkontinenz spielt

Welche Rolle Bauchfett bei Belastungsinkontinenz spielt

Eine höhere Fettmasse ist bei Frauen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Belastungsinkontinenz verbunden. Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang beim viszeralen Fett im Bauchraum. Das ergab eine Querschnittsstudie mit 99 Frauen.

Belastungsinkontinenz bezeichnet den unwillkürlichen Verlust von Urin bei körperlicher Belastung, etwa beim Sport oder Husten. Welche Rolle dabei nicht nur die Menge, sondern auch die Verteilung des Körperfetts spielt, untersuchte ein Forschungsteam um Ana Jéssica dos Santos Sousa von der Federal University of São Carlos in Brasilien.

Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter untersuchten 99 Frauen zwischen 18 und 49 Jahren. 39,4 Prozent berichteten über Symptome einer Belastungsinkontinenz. Mittels Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) bestimmten die Forschenden die gesamte Fettmasse sowie Fett in verschiedenen Körperregionen.

Viszerales Fett zeigt stärksten Zusammenhang

Frauen mit Belastungsinkontinenz hatten im Durchschnitt eine höhere Gesamtfettmasse als Frauen ohne Harninkontinenz. Auch beim Fett im zentralen Körperbereich, an Hüfte, Gesäß und Oberschenkeln sowie beim viszeralen Fett zeigten sich signifikante Unterschiede.

Viszerales Fett befindet sich innerhalb der Bauchhöhle und umgibt die inneren Organe. Mehr davon war nicht nur mit Belastungsinkontinenz, sondern auch mit stärkeren Beschwerden und größeren Einschränkungen im Alltag verbunden.

Als mögliche Erklärung diskutieren die Studienautorinnen und Studienautoren den erhöhten Druck im Bauchraum, der den Beckenboden stärker belasten könnte. Auch entzündliche und metabolische Prozesse könnten eine Rolle spielen. Diese Mechanismen wurden in der Studie allerdings nicht direkt untersucht.

Keine Aussage über Ursache und Wirkung

Entscheidend für die Einordnung ist das Studiendesign: Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, belegen die Ergebnisse einen Zusammenhang, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Es lässt sich daher nicht ableiten, dass mehr viszerales Fett eine Belastungsinkontinenz verursacht. Zudem wurden ausschließlich Frauen zwischen 18 und 49 Jahren untersucht. Die Ergebnisse können deshalb nicht ohne Weiteres auf ältere Frauen übertragen werden.

Die Studie spricht dennoch dafür, bei der Erforschung von Belastungsinkontinenz neben der gesamten Fettmasse auch deren Verteilung zu berücksichtigen.

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