Weltweit lebten 2023 rund 18,1 Millionen Menschen mit Anorexie oder Bulimie. Seit 1990 ist die Zahl der Betroffenen um 71 Prozent gestiegen. Eine internationale Analyse zeigt erhebliche regionale Unterschiede: Österreich zählt zu den Ländern mit besonders hohen Erkrankungsraten. Bis 2050 wird ein weiterer Anstieg erwartet.
Essstörungen stellen weltweit eine zunehmende gesundheitliche Belastung dar. Eine im Fachjournal JAMA Psychiatry veröffentlichte Analyse zur globalen Krankheitslast zeigt, dass die Zahl der Menschen mit Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa zwischen 1990 und 2023 deutlich gewachsen ist. Für die Untersuchung wertete ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Ruhai Bai von der Universität Nanjing in China Daten aus 204 Staaten aus. Beteiligt war auch Brendon Stubbs, der unter anderem an der Medizinischen Universität Wien tätig ist.
Besonders viele junge Menschen betroffen
Im Jahr 2023 lebten weltweit schätzungsweise 18,1 Millionen Menschen mit Anorexie oder Bulimie. Davon waren 12,6 Millionen Frauen (69,4 Prozent) und 5,5 Millionen Männer. Auffällig ist die Altersverteilung: 41,2 Prozent der Betroffenen waren zwischen zehn und 24 Jahre alt.
Die gesundheitlichen Folgen sind erheblich. Nach Berechnungen des Forschungsteams gingen durch die beiden Erkrankungen im Jahr 2023 weltweit 3,83 Millionen gesunde Lebensjahre verloren.
Seit 1990 nahm die absolute Zahl der Erkrankten um 71 Prozent zu. Auch unter Berücksichtigung der veränderten Altersstruktur der Weltbevölkerung zeigt sich ein Anstieg: Die altersstandardisierte Prävalenz erhöhte sich um etwas mehr als ein Fünftel.
Österreich zählt zu den Ländern mit hoher Prävalenz
Die geografische Verteilung der Erkrankungen unterscheidet sich deutlich. Besonders hohe altersstandardisierte Prävalenzraten verzeichneten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter in einkommensstarken Regionen, darunter Australien, der pazifische Raum und Westeuropa.
Österreich gehört gemeinsam mit Großbritannien, Spanien, Frankreich, den skandinavischen Ländern und Australien zu den besonders stark betroffenen Staaten. In diesen Ländern liegt die altersstandardisierte Prävalenz bei mehr als 493,8 Betroffenen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Deutschland, Italien, Griechenland und Kanada weisen laut der Analyse etwas niedrigere Werte auf. Die USA sind im internationalen Vergleich weniger stark betroffen. Die größten relativen Zuwächse der altersstandardisierten Erkrankungshäufigkeit wurden hingegen in Ostasien, Südasien und Südostasien festgestellt.
Bis 2050 weiterer Anstieg prognostiziert
Die Modellrechnungen des Forschungsteams gehen davon aus, dass die weltweite Zahl der Menschen mit Anorexie oder Bulimie bis 2050 auf 21,8 Millionen steigen wird. Gegenüber 2023 entspricht das einem prognostizierten Zuwachs von 20,3 Prozent.
Für 2050 wird eine altersstandardisierte Prävalenz von 255,2 Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner erwartet. Von den prognostizierten Erkrankungen entfallen 4,7 Millionen auf Anorexia nervosa und 17 Millionen auf Bulimia nervosa.
Die beiden Krankheitsbilder unterscheiden sich in ihren Erscheinungsformen. Bei Anorexia nervosa schränken Betroffene ihre Nahrungsaufnahme aus Angst vor einer Gewichtszunahme oder aufgrund eines zwanghaften Wunsches nach Gewichtsverlust stark ein. Bulimia nervosa ist durch wiederkehrende Episoden unkontrollierten Essens und anschließendes Erbrechen gekennzeichnet.
Die internationale Analyse verdeutlicht damit nicht nur die bereits bestehende Krankheitslast, sondern prognostiziert auch für die kommenden Jahrzehnte eine weitere Zunahme der Betroffenenzahlen.




