Bei einer Sepsis zählt rasches Handeln. Doch auch nach überstandener Akutphase können körperliche, kognitive und psychische Folgen lange bestehen bleiben. Zum World Sepsis Day am 13. September rücken deshalb Früherkennung, eine durchgängige Versorgung und Langzeitfolgen stärker in den Fokus.
Eine Sepsis entsteht, wenn der Körper eine Infektion nicht mehr lokal begrenzen kann und die Immunreaktion körpereigenes Gewebe und Organe schädigt. Innerhalb kurzer Zeit können lebenswichtige Organe versagen. Nach Angaben des Ludwig Boltzmann Instituts für Traumatologie (LBI Trauma) endet eine Sepsis in einem von fünf Fällen tödlich.
Die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) verweist anlässlich des World Sepsis Day auf die im März 2026 veröffentlichten internationalen Leitlinien der Surviving Sepsis Campaign (SSC). Sie betrachten die Versorgungskette von der Früherkennung und Diagnostik über die Akutbehandlung bis zur Betreuung nach dem Krankenhausaufenthalt.
Früherkennung bleibt entscheidend
Ein Schwerpunkt liegt auf der möglichst frühen Erkennung. Veränderungen von Blutdruck, Puls, Atmung, Temperatur und Bewusstseinslage sollen rasch erfasst werden. Sepsis bleibt eine klinische Diagnose, die sich nicht durch einen einzelnen Test bestätigen oder ausschließen lässt.
Auch bei der Früherkennung gibt es neue Forschungsansätze. ÖGARI-Mitglieder befassen sich unter anderem mit neuen Techniken der Datenanalyse und mit Miniaturüberwachungsgeräten, sogenannten Wearables, die wichtige Patientendaten engmaschig übermitteln können.
Langzeitfolgen nach überstandener Sepsis
Mit der Akutbehandlung ist die Erkrankung für viele Betroffene nicht beendet. Jede zweite betroffene Person leide an Folgen des sogenannten Post-Sepsis-Syndroms. Dazu können Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, chronische Schmerzen sowie psychische Belastungen gehören.
Bis zu 40 Prozent der von Sepsis betroffenen Patientinnen und Patienten müssen innerhalb eines Jahres erneut stationär aufgenommen werden. Auch die neuen internationalen Leitlinien berücksichtigen mögliche längerfristige körperliche, kognitive und psychische Beeinträchtigungen nach schwerer Sepsis und intensivmedizinischer Behandlung.
BEATsepsis erforscht mögliche Risikomarker
Wie sich Langzeitfolgen möglichst früh erkennen lassen, untersucht das internationale Forschungsprojekt BEATsepsis. Forschungsteams aus elf Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in sechs europäischen Ländern erforschen die Mechanismen hinter den Spätfolgen einer Sepsis.
Das LBI Trauma untersucht dafür Entzündungsmarker im Blut. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Krankheitsmarkern und dem Risiko für Langzeitfolgen beziehungsweise ein Post-Sepsis-Syndrom zu ermitteln.
Damit verbindet der World Sepsis Day zwei zentrale Botschaften: Eine Sepsis erfordert möglichst rasche medizinische Versorgung. Gleichzeitig können ihre gesundheitlichen Folgen weit über die Akutphase hinausreichen.
Sepsis ist ein medizinischer Notfall
Bei Verdacht auf eine Sepsis ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich. Je früher die Behandlung beginnt, desto höher sind die Überlebenschancen. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Schwerpunkte von ÖGARI und LBI Trauma, dass die Versorgung nicht mit der überstandenen Akutphase endet. Mögliche körperliche, kognitive und psychische Langzeitfolgen können Betroffene noch Monate oder Jahre begleiten. Früherkennung und Akutversorgung auf der einen sowie das Erkennen möglicher Spätfolgen auf der anderen Seite bilden damit eine durchgängige Versorgungskette.




