Warum manche venösen Beingeschwüre trotz Standardversorgung nicht ausreichend abheilen, ist bislang nur teilweise geklärt. Eine in „Science Translational Medicine“ veröffentlichte Studie identifiziert PTEN als möglichen zentralen Regulator mehrerer gestörter Heilungsprozesse. Eine pharmakologische Hemmung beschleunigte den Wundverschluss im Mausmodell.
Venöse Beingeschwüre können über lange Zeit bestehen und stellen hohe Anforderungen an Versorgung und Wundmanagement. Auch unter Standardbehandlung heilt ein erheblicher Teil nicht ausreichend ab. Eine Forschungsgruppe um Jelena Marjanovic und Marjana Tomic-Canic hat nun untersucht, welche zellulären und molekularen Veränderungen mit diesem ausbleibenden Heilungsprozess verbunden sind.
Die am 15. Juli 2026 in „Science Translational Medicine“ veröffentlichte Studie kombinierte Einzelzell-RNA-Sequenzierung (scRNA-seq) und Bulk-RNA-Sequenzierung mit der klinischen Beobachtung von Patientinnen und Patienten mit venösen Beinulzera. Dabei rückte ein Protein besonders in den Fokus: phosphatase and TENsin homolog, kurz PTEN.
Heilende und nicht heilende Wunden verglichen
Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter untersuchten Gewebe aus chronischen venösen Beingeschwüren auf zellulärer Ebene. Dabei zeigten sich Beeinträchtigungen bei Immunzellen sowie bei Zellen der Blut- und Lymphgefäße.
Als heilend wurden Ulzera eingestuft, deren Wundfläche innerhalb des Beobachtungszeitraums um mindestens 50 Prozent zurückging. Die Forschenden verglichen die Genexpressionsprofile heilender und nicht heilender venöser Beinulzera zudem mit jenen akuter Wunden.
Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Die Genexpressionsmuster heilender venöser Ulzera ähnelten jenen der physiologischen akuten Wundheilung. Bei nicht heilenden Ulzera waren hingegen mehrere dafür relevante Prozesse deutlich unterdrückt.
Immunantwort und Gefäßneubildung beeinträchtigt
Drei Bereiche stachen besonders hervor. Bei nicht heilenden venösen Beinulzera war die Entzündungsreaktion reduziert. Zudem fanden die Forschenden Hinweise auf eine beeinträchtigte Migration von Leukozyten in das Gewebe und aus diesem heraus.
Gleichzeitig waren die Angiogenese, also die Neubildung von Blutgefäßen, sowie die Lymphangiogenese vermindert. Damit waren mehrere biologische Vorgänge betroffen, die für eine reguläre Wundheilung eine Rolle spielen.
Bioinformatische Analysen führten diese Veränderungen zu PTEN als übergeordnetem Regulator zurück. PTEN ist als Tumorsuppressor bekannt und beeinflusst zahlreiche zelluläre Signalwege. In den untersuchten nicht heilenden venösen Beinulzera bestätigten die Forschenden eine höhere PTEN-Proteinexpression als in heilenden Ulzera.
PTEN-Hemmung beschleunigt Wundverschluss bei Mäusen
Die Forschenden prüften anschließend experimentell, ob sich diese Zusammenhänge beeinflussen lassen. In akuten Wunden in Tiermodellen hemmten sie dazu PTEN pharmakologisch. Die Hemmung verstärkte laut Studie Immunantwort und proinflammatorische Signale sowie Angiogenese und Lymphangiogenese. Gleichzeitig schlossen sich die akuten Wunden bei den Mäusen schneller.
Damit liefert die Arbeit einen möglichen Ansatzpunkt für die weitere Erforschung chronischer venöser Beinulzera. Die Ergebnisse bedeuten allerdings noch nicht, dass eine PTEN-Hemmung bereits als Therapie für betroffene Patientinnen und Patienten zur Verfügung steht. Der im veröffentlichten Abstract beschriebene pharmakologische Versuch zum Wundverschluss erfolgte im Mausmodell.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass PTEN bei nicht heilenden venösen Beinulzera eine wichtige Rolle spielt. Ob eine gezielte PTEN-Hemmung künftig auch beim Menschen eingesetzt werden kann, müssen weitere Studien zeigen.




