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Apple Vision Pro findet ihren Platz im OP

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Als Alltagsgerät hat sich Apples Vision Pro bislang nicht auf breiter Basis durchgesetzt. In der Medizin findet die Datenbrille dagegen einen konkreten Nutzen: Chirurginnen und Chirurgen können Bilddaten und Liveaufnahmen direkt in ihr Sichtfeld einblenden. Eine US-Studie liefert nun Hinweise auf mögliche Vorteile bei endoskopischen Eingriffen.

Als Apple seine Vision Pro vor gut drei Jahren ankündigte, sollte räumliches Computing den Alltag verändern. Der große Durchbruch bei Konsumentinnen und Konsumenten blieb laut APA/dpa-AFX bislang aus. Das Headset kostet fast 4.000 Euro, genaue Absatzzahlen veröffentlicht Apple nicht.

In der Medizin zeichnet sich dagegen ein anderes Bild ab. Bei chirurgischen Eingriffen kann die Datenbrille Informationen dort darstellen, wo sie benötigt werden – direkt im Sichtfeld der Operateurinnen und Operateure. Die Brille kann beispielsweise hochauflösende MRT- und CT-Daten dreidimensional darstellen oder das Livebild eines Endoskops in das Sichtfeld einblenden.

Navigationssoftware aus Leipzig

An einer konkreten Anwendung arbeiten gerade deutsche Wissenschafter. Ronny Grunert vom Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) entwickelte gemeinsam mit Prof. Dirk Winkler vom Universitätsklinikum Leipzig eine chirurgische Navigationssoftware. Sie projiziert hochauflösende MRT- und CT-Daten als dreidimensionale Landkarte in das Blickfeld der Mediziner.

Grunert wandte sich damit im Oktober 2023 per E-Mail an Apple-Chef Tim Cook. Zwei Wochen später soll er eine Antwort erhalten haben, aus der sich eine Einladung in die Apple-Firmenzentrale in Cupertino entwickelte. Dort integrierten die Leipziger Wissenschafter ihre Software in die Vision Pro und arbeiteten mit Apple-Informatikern zusammen.

Anwendungen bei Fachkongress vorgestellt

Wie stark die Technologie inzwischen in diesem Forschungsbereich vertreten ist, zeigte der First European Spatial Computing Healthcare Summit in Leipzig. Die Fachkonferenz wurde vom Fraunhofer IWU und dem Universitätsklinikum Leipzig veranstaltet. Chirurgen, Entwickler und Ingenieure diskutierten dort Anwendungen des räumlichen Rechnens in der Medizin. Nach Angaben von APA/dpa-AFX liefen die dort präsentierten Anwendungen der Chirurgie-Pioniere ausnahmslos auf der Apple Vision Pro.

Auch die Bedienung kann im OP eine Rolle spielen. Die Vision Pro lässt sich über Blickkontakt und Handgesten steuern. Dadurch müssen bestimmte Oberflächen nicht berührt werden.

Prof. David S. Baskin vom Methodist Hospital in Houston, Texas, berichtete in Leipzig von seinen Erfahrungen. Baskin hat mehr als 5.000 endonasale Eingriffe absolviert. Dabei werden Instrumente und eine Kamera durch die Nasenlöcher eingeführt, um tief liegende Bereiche im Kopf zu erreichen. Baskin sagte bei der Veranstaltung, die Datenbrille sei für ihn bereits nach zwei Operationen unentbehrlich geworden. Als Vorteile nannte er unter anderem eine bequemere Körperhaltung gegenüber der Arbeit mit Wandmonitoren.

Studie zeigt kürzere Operationsdauer

Eine Studie der University of California in San Diego untersuchte 32 endoskopische Eingriffe bei Tränenwegsverschlüssen. Jeweils 16 Eingriffe erfolgten mit einer Datenbrille beziehungsweise mit einem herkömmlichen Monitor. Die durchschnittliche Operationsdauer lag bei 34,4 gegenüber 42,7 Minuten und war damit um rund 19 Prozent kürzer. In beiden Gruppen traten keine intraoperativen Komplikationen auf.

Auch die wahrgenommene Arbeitsbelastung der fünf beteiligten Chirurgen war beim Einsatz der Datenbrille geringer. Die Aussagekraft ist allerdings begrenzt: Die Untersuchung wurde an einem einzigen Zentrum durchgeführt, war nicht randomisiert und umfasste nur 32 Eingriffe. Die Autoren stufen die Studie daher selbst als vorläufig und hypothesengenerierend ein.

Datenbrille oder KI-Brille?

Datenbrillen und KI-Brillen sind nicht dasselbe. Bei der hier beschriebenen Anwendung steht die räumliche Darstellung digitaler Inhalte im Vordergrund: Medizinische Bilddaten oder Endoskopaufnahmen können direkt in das Sichtfeld eingeblendet werden.

Als KI-Brillen werden dagegen Geräte bezeichnet, bei denen KI-gestützte Funktionen eine wesentliche Rolle spielen. Sie können je nach Ausstattung etwa Informationen aus der Umgebung verarbeiten und darauf reagieren. Die Grenzen sind allerdings nicht immer eindeutig, da auch Datenbrillen mit KI-Funktionen ausgestattet werden können.

Medizinischer Nutzen noch zu untersuchen

Während sich die Technologie im privaten Alltag bislang nicht auf breiter Basis durchgesetzt hat, zeigt sich in der Medizin ein klar umrissenes Einsatzgebiet. Erste Studien liefern Hinweise auf einen möglichen praktischen Nutzen im OP. Wie groß dieser tatsächlich ist und bei welchen Eingriffen er sich bestätigt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

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