Die Ausgaben der österreichischen Sozialversicherung für Heilmittel sind 2025 erneut deutlich gestiegen. Laut dem Heilmittelreport 2026 des Dachverbands der Sozialversicherungsträger erhöhten sich die Kosten innerhalb eines Jahres um 7,5 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig berichtet der Dachverband über eine Entspannung bei Medikamenten-Versorgungsengpässen und eine hohe Verfügbarkeit neuer Arzneimittel in Österreich.
Die Ausgaben der Sozialversicherung für Heilmittel haben 2025 mit 4,9 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreicht. Das geht aus dem Heilmittelreport 2026 hervor, den der Dachverband der Sozialversicherungsträger am 15. Juli 2026 vorgestellt hat. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg von 7,5 Prozent, im Vergleich zu 2013 sogar einer Zunahme von 88,2 Prozent.
Nach Angaben des Dachverbands beliefen sich die durchschnittlichen Kosten pro versicherter Person, die mindestens ein Medikament auf Kosten der Krankenversicherung bezogen hat, auf rund 800 Euro.
Steigende Arzneimittelpreise als Kostentreiber
Als wesentliche Ursachen für die steigenden Ausgaben nennt der Heilmittelreport das höhere Preisniveau der abgegebenen Arzneimittel sowie die demografische Entwicklung. Ältere Versicherte benötigen demnach deutlich mehr Verordnungen pro Jahr als jüngere Personen.
Gleichzeitig ist die Zahl der ausgestellten Verordnungen rückläufig. Während 2013 noch 122 Millionen Verordnungen registriert wurden, waren es 2025 rund 106 Millionen. Laut Dachverband hängt das unter anderem damit zusammen, dass zunehmend preisgünstige Arzneimittel unter der Rezeptgebühr von 7,55 Euro liegen.
Versorgungsengpässe haben sich abgeschwächt
Im Vergleich zu den vergangenen Jahren habe sich die Versorgungslage bei Arzneimitteln verbessert. Nach Angaben des Dachverbands kann in vier von fünf Fällen, in denen ein Medikament nicht verfügbar ist, auf ein wirkstoffgleiches Präparat ausgewichen werden. In den übrigen Fällen stünden gleichwertige Arzneimittel oder andere Packungsgrößen zur Verfügung.
Auch bei neu zugelassenen Arzneimitteln liegt Österreich laut Heilmittelreport im europäischen Spitzenfeld. Demnach sind 82 Prozent der zwischen 2020 und 2023 in Europa zugelassenen Heilmittel bereits in Österreich verfügbar. Damit liegt Österreich hinter Deutschland und Italien auf Platz drei. Die durchschnittliche Zeit zwischen europäischer Zulassung und Marktverfügbarkeit beträgt laut Bericht 309 Tage. Im EU-Durchschnitt sind es 578 Tage.
Mehr Apotheken und mehr Unternehmen im Erstattungskodex
Mit 2.251 Apothekenstandorten verzeichnet Österreich laut Heilmittelreport so viele Standorte wie noch nie. Gleichzeitig stieg die Zahl der Pharmaunternehmen, deren Produkte im Erstattungskodex (EKO) gelistet sind, von 258 im Jahr 2013 auf 329 im Jahr 2025.
Mag. Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger, erklärte laut Aussendung:
„Österreich gehört zu den Ländern, in denen Medikamente und neue Therapien besonders rasch den Weg zu den Patientinnen und Patienten finden.“
Mag. Peter McDonald
Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger
Dies zeige, dass die Sozialversicherung ihren Versorgungsauftrag ernst nehme. Zudem verwies er auf die Bedeutung eines innovationsfreundlichen Pharmastandorts und einer engen Zusammenarbeit mit der Industrie.
Erstattungskodex wächst weiter
Der Erstattungskodex umfasst mittlerweile 7.756 Medikamentenpackungen. Das entspricht laut Dachverband einer Steigerung von 50 Prozent seit seiner Einführung vor 20 Jahren. Im Jahr 2025 bezogen 68 Prozent der anspruchsberechtigten Versicherten mindestens ein Medikament auf Kosten der Krankenversicherung.
Mehr als zwei Drittel der Patientinnen und Patienten kommen laut Bericht mit Arzneimitteln aus der sogenannten grünen Box aus, die ohne chefärztliche Bewilligung verordnet werden können. Gleichzeitig steigt jedoch der Anteil jener Versicherten, die Medikamente aus der gelben Box benötigen. Diese Arzneimittel sind häufig kostenintensiver. Ihr Anteil lag 2025 bei 21,5 Prozent.
Mag. Claudia Neumayer-Stickler, stellvertretende Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger, betonte laut Aussendung: „Unser Erstattungssystem stellt sicher, dass jede versicherte Person die Medikamente bekommt, die sie braucht, unabhängig vom Einkommen oder dem sozioökonomischen Status. Mit der neuen Arzneimittelkostenobergrenze und Neuerungen bei der Rezeptgebührenbefreiung schaffen wir zudem Verbesserungen für chronisch Kranke und Personen mit geringem Einkommen.“




