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FSME: Viele Österreicherinnen und Österreicher nicht ausreichend geschützt

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Trotz hoher Impfbereitschaft weist eine aktuelle Umfrage auf Lücken beim FSME-Schutz in Österreich hin. Besonders in den westlichen Bundesländern sowie bei Auffrischungsimpfungen besteht Nachholbedarf. Fachleute verweisen zudem auf steigende Hospitalisierungszahlen und empfehlen einen rechtzeitigen Impfpasscheck vor der Zeckensaison.

Österreich zählt zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Risiko für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Dennoch befindet sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht im empfohlenen Impfschema. Darauf macht der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) unter Berufung auf aktuelle Umfragedaten aufmerksam.

Westen Österreichs mit niedrigeren Impfquoten

Laut einer von Ipsos durchgeführten Befragung sind 35 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sowie 28 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler nicht gegen FSME geimpft. In Oberösterreich, das seit Jahren als Risikogebiet gilt, verfügen 20 Prozent der Bevölkerung über keinen Impfschutz.

Priv.-Doz. Dr. Rainer Gattringer, Leiter des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum Wels-Grieskirchen, sieht dafür auch historische Ursachen. „Lange sind diese Bundesländer von FSME verhältnismäßig wenig betroffen gewesen. Das stimmt seit einigen Jahren nicht mehr, scheint sich aber noch nicht in der Impfquote niedergeschlagen zu haben.“

Ganz Österreich gilt als Risikogebiet

FSME wird durch ein Virus verursacht, das vor allem durch Zecken übertragen wird. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden besteht in ganz Österreich das Risiko einer Ansteckung durch einen Zeckenstich. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Viele Infektionen bleiben unbemerkt

Eine aktuelle Studie aus Oberösterreich unterstreicht das Infektionsrisiko. Dabei wurden mehr als 2.000 Blutproben untersucht. Bei zwölf Prozent der ungeimpften Personen fanden die Forschenden Hinweise auf eine frühere FSME-Infektion.

Priv.-Doz. Dr. Rainer Gattringer vom Klinikum Wels-Grieskirchen
© Klinikum Wels‐Grieskirchen

Nur die Spitze des Eisberges – also ein sehr geringer Prozentsatz der Infizierten – muss tatsächlich im Spital behandelt werden.

Priv.-Doz. Dr. Rainer Gattringer
Leiter des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum Wels-Grieskirchen

Tatsächlich entwickeln nur etwa zehn bis 30 Prozent der infizierten Personen überhaupt Symptome. Die Inkubationszeit beträgt meist zwischen drei und 28 Tagen. Typische erste Beschwerden sind Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gelenksschmerzen.

Schwere Verläufe möglich

Während die Erkrankung bei vielen Betroffenen nach einigen Tagen abklingt, kann es bei einem Teil der Patientinnen und Patienten zu einer zweiten Krankheitsphase kommen.

Dann kann das zentrale Nervensystem betroffen sein. Mögliche Folgen reichen von einer Hirnhautentzündung bis zu einer Hirn- oder Rückenmarksentzündung. In schweren Fällen können Lähmungen oder bleibende neurologische Schäden auftreten. Studien zeigen zudem, dass Menschen ab 50 Jahren häufiger schwere Verläufe entwickeln. Das Risiko steigt ab dem 60. Lebensjahr weiter an. Nach Angaben des ÖVIH weisen rund ein Drittel der Erkrankten langfristige Beschwerden auf.

Auffrischungsimpfungen werden oft versäumt

Für einen vollständigen Schutz reicht die Grundimmunisierung allein nicht aus. Laut Österreichischem Impfplan sind regelmäßige Auffrischungsimpfungen erforderlich – bis zum 60. Lebensjahr alle fünf Jahre, danach alle drei Jahre.

Die Umfrage zeigt jedoch, dass viele Personen diese Empfehlungen nicht einhalten. Bei Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre ist etwa ein Viertel ungeimpft. Rund die Hälfte befindet sich nicht im empfohlenen Impfschema. Bei den über 60-Jährigen sind lediglich 30 Prozent vollständig geschützt.

„Auch wenn Österreich im internationalen Vergleich bei der FSME-Impfung gut abschneidet, gibt es – gerade im Hinblick auf die seit 2018 wieder steigenden Hospitalisierungszahlen – viel Luft nach oben“, so Gattringer.

Impfung bleibt wichtigste Schutzmaßnahme

Für FSME gibt es nach Ausbruch der Erkrankung keine spezifische antivirale Therapie. Die Behandlung beschränkt sich auf die Linderung der Symptome. Fachleute sehen deshalb die Impfung weiterhin als wirksamste Schutzmaßnahme.

Gattringer empfiehlt einen Impfpasscheck: „Wir starten gerade so richtig in die Zeckenzeit hinein. Spätestens jetzt ist es also Zeit für einen Impfpasscheck.“

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