In Sozialen Medien wird die Bezeichnung des neuen COVID-19-Impfstoffs mNEXSPIKE von Moderna derzeit kontrovers diskutiert. Einzelne Beiträge leiten den Namensbestandteil „NEX“ vom lateinischen Wort für gewaltsamen Tod ab. Fachliche Hinweise auf eine solche Bedeutung gibt es jedoch nicht. Vielmehr sprechen verfügbare Informationen für einen Bezug zur nächsten Generation von mRNA-Impfstoffen.
Der COVID-19-Impfstoff mNEXSPIKE von Moderna wurde im Februar 2026 in der Europäischen Union zugelassen. Bereits zuvor hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine Zulassung empfohlen. Parallel dazu kursieren in Sozialen Medien Behauptungen, der Name des Impfstoffs enthalte eine versteckte Botschaft.
Im Zentrum der Diskussion steht der Wortbestandteil „NEX“. Einige Nutzerinnen und Nutzer verweisen auf das lateinische Substantiv „nex“, das mit „gewaltsamer Tod“ oder „Mord“ übersetzt werden kann. Daraus wird abgeleitet, die Bezeichnung des Impfstoffs sei bewusst gewählt worden.
Keine Hinweise auf eine Verbindung zur Bedeutung „Tod“
Für diese Interpretation gibt es nach den vorliegenden Informationen keine Belege. Weder die EMA noch das in Österreich zuständige Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) sehen Hinweise auf ein Risiko oder eine problematische Namensgebung.
Arzneimittelnamen durchlaufen im europäischen Zulassungsverfahren eine eigene Prüfung. Die sogenannte Name Review Group der EMA bewertet unter anderem, ob Bezeichnungen irreführend sein könnten oder Sicherheitsrisiken verursachen. mNEXSPIKE hat diese Prüfung durchlaufen und wurde zugelassen.
Hinzu kommt, dass die Buchstabenfolge „Nex“ bereits in zahlreichen zugelassenen Arzneimitteln vorkommt. In der Datenbank des BASG finden sich unter anderem Präparate wie Nexium oder Nexmectin. Allein das Vorkommen dieser Buchstabenfolge erlaubt daher keine Rückschlüsse auf eine bestimmte Bedeutung.
Mehrere mögliche lateinische Ableitungen
Die Interpretation einzelner Wortbestandteile ist jedoch nicht eindeutig. Zwar existiert im Lateinischen das Wort nex für „gewaltsamen Tod“. Daneben finden sich aber auch die Begriffe nectere („binden“, „verknüpfen“) und nexus („Verbindung“, „Verknüpfung“). Allein aus der Buchstabenfolge „NEX“ lässt sich daher keine belastbare Aussage über die Herkunft oder Bedeutung des Produktnamens ableiten.
Experten für Arzneimittelzulassungen weisen generell darauf hin, dass Produktnamen häufig Kunstwörter sind. Sie werden oft so gestaltet, dass sie bestimmte Produkteigenschaften vermitteln oder sich von anderen Präparaten unterscheiden.
Bezug zur „nächsten Generation“ von Impfstoffen naheliegend
Ob „NEX“ tatsächlich auf „next generation“ anspielt, ist nicht offiziell bestätigt. Die APA verweist jedoch darauf, dass sowohl Fachmedien als auch wissenschaftliche Publikationen den Impfstoff als Vertreter einer neuen Generation von mRNA-Impfstoffen beschreiben.
So bezeichnete die Deutsche Apotheker Zeitung das Vakzin als Vertreter der „nächsten Generation von mRNA-COVID-19-Impfstoffen“. Auch in wissenschaftlichen Publikationen zu mRNA-1283, dem Wirkstoff von mNEXSPIKE, findet sich wiederholt die Formulierung „next generation vaccine“.
Zur Herkunft des Namens mNEXSPIKE liegt bislang keine offizielle Erklärung des Herstellers vor. Die in Sozialen Medien verbreitete Ableitung vom lateinischen Wort nex wird jedenfalls durch die vorliegenden Quellen nicht belegt.
Was unterscheidet mNEXSPIKE von früheren Moderna-Impfstoffen?
mNEXSPIKE basiert wie sein Vorgänger Spikevax auf mRNA-Technologie. Der Impfstoff enthält keine vermehrungsfähigen Viren und kann daher kein COVID-19 auslösen. Laut den Produktinformationen verfolgt Moderna mit mRNA-1283 einen anderen Ansatz als bei früheren Vakzinen. Statt das vollständige Spike-Protein zu codieren, enthält der Impfstoff lediglich ausgewählte Bestandteile davon.
Dadurch kann die Dosierung im Vergleich zum früheren Impfstoff deutlich reduziert werden. Gleichzeitig soll die Lagerung im Kühlschrank erleichtert werden. Studien, darunter eine Veröffentlichung im Fachjournal The Lancet, berichten über eine vergleichbare Wirksamkeit und Verträglichkeit im Vergleich zu bisherigen COVID-19-Impfstoffen.
Fehlinterpretationen von Begriffen sind kein neues Phänomen
Die Diskussion um mNEXSPIKE reiht sich in eine Serie ähnlicher Debatten ein. Bereits während der COVID-19-Pandemie wurden Firmennamen von Impfstoffherstellern oder medizinische Fachbegriffe wiederholt Gegenstand spekulativer Deutungen.
Fachleute empfehlen daher, sprachliche Interpretationen von Produktnamen nicht als Beleg für Eigenschaften, Wirkungen oder Risiken eines Arzneimittels zu betrachten. Für die Bewertung eines Impfstoffs sind die Daten aus Zulassungsverfahren, klinischen Studien und behördlichen Prüfungen maßgeblich.




