Start Wissenschaft Mikroplastik in der Lunge: MedUni Wien-Studie zeigt Einfluss auf Immunreaktionen

Mikroplastik in der Lunge: MedUni Wien-Studie zeigt Einfluss auf Immunreaktionen

Mikroplastik könnte das Immunsystem stärker beeinflussen als bisher angenommen. Eine Studie der Medizinischen Universität Wien zeigt, dass PET-Mikroplastik in der Lunge von Mäusen über Wochen nachweisbar bleibt und Entzündungsreaktionen verstärken kann. Die Forschenden betonen jedoch, dass die Ergebnisse aus Tiermodellen stammen und nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind.

Mikroplastik gilt zunehmend als potenzieller Gesundheitsfaktor. Über die Auswirkungen auf das Immunsystem ist bisher allerdings wenig bekannt. Eine Forschungsgruppe der MedUni Wien hat nun untersucht, wie sich Partikel aus Polyethylenterephthalat (PET) auf Entzündungs- und Immunreaktionen auswirken. Die Ergebnisse wurden im Journal of Hazardous Materials Advances veröffentlicht.

PET-Partikel blieben mindestens 14 Tage in der Lunge

Das Team um Michelle Epstein von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien untersuchte PET-Mikroplastik unterschiedlicher Größe in Mausmodellen.

Nach einer einmaligen Verabreichung von PET-Mikroplastik über die Atemwege konnten die Partikel noch nach 14 Tagen in der Lunge nachgewiesen werden. Laut den Forschenden löste dies eine Entzündungsreaktion aus. Dabei fanden sich vermehrt Lymphozyten und eosinophile Granulozyten – Immunzellen, die typischerweise mit allergischen Reaktionen in Verbindung stehen.

Die Studie zeigt zudem, dass die Partikel nicht nur in der Lunge verbleiben, sondern auch biologische Prozesse beeinflussen können. Die Autorinnen und Autoren beschreiben PET-Mikroplastik als biologisch aktive Partikel, die Immunprozesse beeinflussen können. 

Verstärkte Atemwegsentzündung bei Kontakt mit Allergenen

In weiteren Versuchen kombinierten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter PET-Mikroplastik mit Ragweed-Pollen, einem häufigen Auslöser von Atemwegsallergien. Dabei zeigte sich, dass sich die Atemwegsentzündung unter bestimmten Bedingungen verstärken kann. Die Stärke des Effekts hing von der Dosis des Mikroplastiks sowie vom jeweiligen Versuchsaufbau ab. Auch systemische Immunreaktionen wurden beeinflusst.

Zusätzliche Experimente mit anderen Allergenen ergaben, dass PET-Mikroplastik Entzündungsreaktionen verstärken und die Bildung allergen-spezifischer Antikörper verändern kann. Die Forschenden beobachteten dabei sowohl verstärkende als auch modulierende Effekte auf das Immunsystem.

Forschende sehen Hinweise auf immunologische Effekte

„Unsere Studie zeigt, dass PET-Mikroplastik nicht einfach im Körper verbleibt, sondern aktiv Immunreaktionen beeinflusst, die an der Entstehung und Verstärkung allergischer Reaktionen und Entzündungen beteiligt sind“, sagt Epstein.

Gleichzeitig verweist die Wissenschafterin auf die Grenzen der Untersuchung: „Sie liefern jedoch wichtige Hinweise auf mögliche immunologische Wirkungen von Mikroplastik, die einmal mehr die gesundheitliche Relevanz dieser Umweltbelastung in den Fokus rücken und in weiteren Studien untersucht werden müssen.“

Die Autorinnen und Autoren betonen ausdrücklich, dass die Ergebnisse unter kontrollierten Bedingungen in Mausmodellen gewonnen wurden. Eine direkte Übertragung auf die tatsächliche Belastungssituation beim Menschen sei daher nicht möglich. Auch die in der Studie eingesetzten Dosen seien nicht mit typischen Umweltbelastungen gleichzusetzen.

Gesundheitsrelevanz von Mikroplastik weiter im Fokus

PET gehört weltweit zu den am häufigsten verwendeten Kunststoffen. Das Material kommt unter anderem in Getränkeflaschen, Verpackungen, Textilien und medizinischen Produkten zum Einsatz. Durch den Zerfall größerer Kunststoffteile entstehen Mikroplastikpartikel, die mittlerweile in Luft, Wasser und verschiedenen Organismen nachgewiesen wurden.

Die Wiener Studie liefert neue Hinweise darauf, dass PET-Mikroplastik Entzündungs- und Immunprozesse beeinflussen könnte. Welche Bedeutung diese Effekte für die menschliche Gesundheit haben, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

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