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Welttag der Essstörungen: Hotline will Bewusstsein stärken

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Essstörungen betreffen nicht nur Menschen mit starkem Untergewicht. Auch Esssucht oder Mischformen können schwere psychische und körperliche Folgen haben. Anlässlich des Welttags der Essstörungen am 2. Juni macht die Hotline für Essstörungen der Wiener Gesundheitsförderung (WiG) auf die unterschiedlichen Krankheitsbilder aufmerksam und bietet Betroffenen sowie Angehörigen niederschwellige Unterstützung an.

Essstörungen zählen zu den schwerwiegenden psychischen Erkrankungen. Sie äußern sich durch auffälliges Essverhalten und gehen häufig mit starken psychischen Belastungen sowie Veränderungen des Körpergewichts einher. Dennoch bleiben viele Erkrankungen lange unerkannt – auch, weil Essstörungen oft ausschließlich mit starkem Untergewicht verbunden werden.

Die Hotline für Essstörungen der Wiener Gesundheitsförderung möchte daher rund um den Welttag der Essstörungen am 2. Juni stärker sensibilisieren. Ein neues Imagevideo soll zeigen, wie vielfältig Essstörungen auftreten können und warum eine frühe Unterstützung entscheidend ist.

„Viele Menschen kämpfen lange im Verborgenen. Der erste Schritt ist oft der schwerste – nämlich darüber zu sprechen. Die Hotline für Essstörungen bietet dafür einen geschützten Rahmen, indem sie anonym und kostenlos erreichbar ist, was den ersten Kontakt erheblich erleichtert“, erklärt Dennis Beck, Geschäftsführer der Wiener Gesundheitsförderung.

Essstörungen haben viele Gesichter

Internationale Klassifikationssysteme unterscheiden mehrere Formen von Essstörungen. Dazu zählen unter anderem Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht), die Binge Eating Disorder sowie Mischformen und andere Essstörungen. 

Magersucht kann lebensgefährlich werden

Bei Anorexia nervosa führen Betroffene bewusst starken Gewichtsverlust herbei. Gleichzeitig besteht eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme. Viele Erkrankte nehmen ihren eigenen Körper anders wahr als ihr Umfeld und empfinden sich trotz Untergewicht als „zu dick“. Die Erkrankung kann schwere körperliche Folgen verursachen, darunter Herz-Kreislauf-Probleme, Osteoporose, Konzentrationsstörungen oder hormonelle Veränderungen. In schweren Fällen besteht Lebensgefahr. Anorexia nervosa gilt als psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate.

Bulimie bleibt oft lange verborgen

Menschen mit Bulimia nervosa erleben wiederkehrende Essanfälle und versuchen anschließend häufig, durch Erbrechen, Fasten oder exzessiven Sport gegenzusteuern. Viele Betroffene wirken nach außen unauffällig, leiden jedoch unter starkem psychischem Druck. Mögliche körperliche Folgen sind Schäden an Zähnen, Speiseröhre, Magen oder Herzrhythmusstörungen.

Binge Eating Disorder führt häufig zu Übergewicht

Auch Essstörungen in Verbindung mit Übergewicht werden häufig unterschätzt. Bei der Binge Eating Disorder kommt es zu regelmäßigen Essanfällen mit Kontrollverlust. Die Betroffenen essen oft große Mengen in kurzer Zeit, ohne anschließend gegensteuernde Maßnahmen zu setzen. Die Erkrankung kann mit starkem Übergewicht einhergehen und das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gelenksprobleme erhöhen.

Mischformen und neue Krankheitsbilder

Daneben gibt es Mischformen, die sich nicht eindeutig einer Diagnose zuordnen lassen. Auch die sogenannte ARFID („avoidant/restrictive food intake disorder“) gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dabei vermeiden Betroffene bestimmte Lebensmittel etwa aufgrund von Konsistenz, Geruch oder Angst vor dem Verschlucken. Im Unterschied zur Magersucht stehen dabei Körperbild oder Gewichtsabnahme nicht im Vordergrund.

„Wir stehen Betroffenen, Angehörigen, aber auch Fachpersonen mit Rat, Information und Beratung zur Seite, denn eine Essstörung ist mehr als ein bloßes Ernährungsproblem. Es ist ein Hilferuf der Seele bei Belastungen, die untragbar geworden sind“, so Gabriele Haselberger, Beraterin der Hotline für Essstörungen in der Wiener Gesundheitsförderung.

Gesellschaftlicher Druck als Risikofaktor

Als mögliche Ursachen gelten persönliche, familiäre, biologische sowie gesellschaftliche Faktoren. Expertinnen und Experten sehen insbesondere den sozialen Druck rund um Schlankheit, Fitness und Selbstoptimierung als möglichen Auslöser.

Vor allem soziale Medien und idealisierte Körperbilder können dazu beitragen, dass Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper entsteht. Diäten gelten häufig als Einstieg in problematisches Essverhalten.

Essstörungen betreffen überwiegend Frauen, können jedoch auch Männer treffen. Eine besondere Form ist die sogenannte Muskeldysmorphie, auch Biggerexie oder Muskelsucht genannt. Betroffene empfinden sich trotz ausgeprägter Muskulatur als zu schmächtig und versuchen durch exzessives Training oder Diäten ihren Körper weiter zu verändern.

Angehörige suchen zunehmend Unterstützung

Nach Angaben der Hotline wenden sich zunehmend auch Angehörige an das Beratungsteam. Viele seien unsicher, wie sie Betroffene ansprechen oder unterstützen können.

Die Hotline für Essstörungen der Wiener Gesundheitsförderung (WiG) ist anonym, kostenlos und telefonisch unter 0800/20 11 20 von Montag bis Donnerstag zwischen 12:00 und 17:00 Uhr erreichbar. Zusätzlich steht eine Beratung per E-Mail unter hilfe@essstoerungshotline.at zur Verfügung.

Weitere Informationen bietet die Wiener Gesundheitsförderung online.

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