Start Wissenschaft Hantavirus bleibt seltene, aber bekannte Infektion

Hantavirus bleibt seltene, aber bekannte Infektion

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Nach aktuellen internationalen Hantavirus-Fällen beschäftigen sich auch in Europa Gesundheitsbehörden und Wissenschafterinnen und Wissenschafter erneut intensiv mit dem Virus. Auch Österreich registriert regelmäßig Infektionen. Fachleute betonen jedoch, dass für die allgemeine Bevölkerung derzeit nur ein sehr geringes Risiko besteht. 

Hantaviren zählen zu den sogenannten Zoonosen. Tiere können diese Krankheitserreger auf Menschen übertragen. Die Viren kommen weltweit in unterschiedlichen Varianten vor. Infizierte Nagetiere verbreiten sie meist über ihre Ausscheidungen.

Menschen infizieren sich typischerweise durch das Einatmen von kontaminiertem Staub. Das kann etwa beim Reinigen von Kellern, Schuppen, Garagen oder Gartenhäusern mit Mäusebefall passieren. Auch direkter Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Tiere gilt als möglicher Übertragungsweg.

Europäische Hantaviren unterscheiden sich vom Andesvirus

Derzeit sorgt vor allem das sogenannte Andesvirus international für Aufmerksamkeit. Dieser vor allem in Südamerika vorkommende Virustyp gilt als Ausnahme unter den Hantaviren, weil in seltenen Fällen auch Übertragungen zwischen Menschen beschrieben wurden.

Wissenschafterinnen und Wissenschafter betonen jedoch, dass Hantaviren nicht mit SARS-CoV-2 vergleichbar sind. Die in Europa vorkommenden Varianten werden nach aktuellem Wissensstand nicht relevant von Mensch zu Mensch übertragen. In Mitteleuropa treten vor allem das Puumala-Virus sowie das Dobrava-Belgrad-Virus auf. 

Internationale Gesundheitsbehörden wie die WHO und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzen das Risiko für die allgemeine Bevölkerung in Europa derzeit als sehr gering ein.

Schwankende Fallzahlen in Österreich

Auch Österreich registriert regelmäßig Hantavirus-Infektionen. Die Zahl der gemeldeten Fälle schwankt dabei deutlich von Jahr zu Jahr. Nach Angaben der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurden in den vergangenen Jahren unterschiedlich viele Hantavirus-Infektionen registriert. 2019 meldeten die Behörden mit 276 Erkrankungen die meisten Fälle. Danach gingen die Infektionen zurück und im Vorjahr wurden nur mehr 32 Fälle verzeichnet.

Symptome oft zunächst unspezifisch

Welche Symptome auftreten, hängt von der jeweiligen Virusvariante ab. In Europa zeigen Betroffene häufig grippeähnliche Beschwerden wie Fieber sowie Schmerzen im Kopf-, Muskel- oder Rückenbereich. Teilweise treten auch Magen-Darm-Beschwerden auf. Bei schwereren Verläufen können die Nieren betroffen sein. Einige in Nord- und Südamerika vorkommende Hantaviren stehen hingegen vor allem mit schweren Erkrankungen der Lunge in Verbindung. Die Inkubationszeit beträgt meist zwei bis vier Wochen. In einzelnen Fällen kann sie kürzer oder deutlich länger ausfallen.

Da die Symptome anfangs oft unspezifisch sind, spielt die Krankengeschichte eine wichtige Rolle. Ärztinnen und Ärzte achten unter anderem auf Kontakt mit Nagetieren oder Aufenthalte in Räumen mit möglichem Mäusebefall.

Schutzmaßnahmen im Alltag

Fachleute empfehlen vor allem Maßnahmen zur Vermeidung von Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen. Bei möglichem Mäusebefall sollten Menschen Räume nicht trocken auskehren oder absaugen. Dabei kann virushaltiger Staub aufgewirbelt werden. Fachleute empfehlen stattdessen gründliches Lüften, feuchtes Reinigen und das Tragen von Handschuhen. Lebensmittel sollten geschützt gelagert und mögliche Zugänge für Mäuse oder Ratten verschlossen werden.

Eine spezifische antivirale Standardtherapie gegen Hantavirus-Infektionen steht derzeit nicht allgemein zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt vor allem unterstützend und richtet sich nach dem Verlauf der Erkrankung.

Forschung zu Hantaviren läuft weiter

An der Universität Duisburg Essen beschäftigen sich mehrere Forschungsgruppen mit Hantaviren und deren Auswirkungen auf menschliche Zellen. Ziel der Arbeiten ist es, die Biologie der Viren besser zu verstehen und langfristig Grundlagen für verbesserte Diagnostik und mögliche antivirale Therapien zu schaffen.

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