Die Wahl des intravenösen Eisenpräparats kann das Risiko für Knochenbrüche deutlich beeinflussen, das zeigt eine internationale Beobachtungsstudie. Besonders Eisencarboxymaltose steht im Fokus, da sie mit einem erhöhten Frakturrisiko verbunden sein könnte. Für die klinische Praxis ergeben sich daraus wichtige Konsequenzen.
Eisenmangel zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen weltweit. In Europa ist etwa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter betroffen. Ursachen sind unter anderem eine gestörte Eisenaufnahme, etwa bei Darmerkrankungen. Auch ein erhöhter Bedarf in Wachstumsphasen oder während der Schwangerschaft sowie chronischer Blutverlust durch starke Monatsblutungen, können Eisenmangel verursachen.
Da orale Eisenpräparate häufig schlecht vertragen und über Monate eingenommen werden müssen, greifen Ärztinnen und Ärzte zunehmend auf intravenöse Therapien zurück. Dabei kommen vor allem Eisenderisomaltose und Eisencarboxymaltose zum Einsatz.
Hypophosphatämie als Nebenwirkung
Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Innsbruck weist nun auf potenzielle Risiken eines dieser Präparate hin. „Eines dieser intravenösen Eisenpräparate, die Eisencarboxymaltose, hat eine bedeutsame Nebenwirkung: Bei 50 bis 75 Prozent der Patientinnen und Patienten sinkt der Phosphatspiegel im Blut deutlich ab. Dies kann zu Muskelschwäche und Knochenerkrankungen führen“, erklärt
Univ.-Prof. Dr. Heinz Zoller, Gastroenterologe und Hepatologe. Zoller leitet seit 2019 das Christian Doppler-Labor für Eisen- und Phosphatbiologie, das sich mit den Zusammenhängen zwischen Eisenmangel, intravenöser Therapie und Störungen im Phosphatstoffwechsel beschäftigt.
Die Symptome einer Hypophosphatämie sind unspezifisch. Sie reichen von Schwäche über Erschöpfung bis hin zu verminderter Belastbarkeit. Da diese Beschwerden jenen eines Eisenmangels ähneln, bleibt die Störung oft lange unerkannt.
Veränderungen im Knochenstoffwechsel
Zur Untersuchung der zugrunde liegenden Mechanismen analysierte das Forschungsteam die Knochenentwicklung und -struktur. „Die Ergebnisse waren überraschend: Die Nebenwirkungen scheinen durch die besonders starke Anreicherung von Eisencarboxymaltose im Knochen bedingt zu sein, was dort zu einer verminderten Kollagenbildung führt. Darüber hinaus weisen molekulare Untersuchungen auf eine deutliche Verminderung der Knochenneubildung nach der Gabe von Eisencarboxymaltose hin“, berichtet Sonja Wagner, Mitglied des Forschungsteams.
Diese Veränderungen könnten langfristig zu einer Schwächung der Knochenstruktur führen. In der Folge kann es zu sogenannten Ermüdungsbrüchen kommen, die oft erst Wochen oder Monate nach der Behandlung auftreten.
Mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten untersucht
Das Team analysierte gemeinsam mit Partnerinstitutionen Daten von mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten. Beteiligt waren die Universitätsklinik Schleswig-Holstein, das Ludwig-Boltzmann-Institut für Osteologie und die Cornell University in New York. Die im Fachjournal Blood veröffentlichte Beobachtungsstudie zeigt, dass eine Behandlung mit Eisencarboxymaltose im Vergleich zu Eisenderisomaltose mit einem mehr als doppelt so hohen Risiko für Knochenbrüche verbunden ist.
„Wir schließen daraus, dass mit der Gabe von Eisencarboxymaltose molekulare Veränderungen ausgelöst werden, die unabhängig vom Phosphatspiegel die Knochenstruktur schwächen und folglich einen niedrigen Phosphatspiegel verursachen können“, so Heinz Zoller. „Damit wäre abgesenktes Phosphat im Blut nicht allein Ursache der Knochenschädigung, sondern auch Ausdruck eines bereits laufenden Prozesses im Knochen selbst“.
Relevanz für die Praxis
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Wahl des Eisenpräparats nicht nur den Therapieerfolg, sondern auch mögliche Langzeitfolgen beeinflusst. Insbesondere das Risiko für bislang oft unbemerkte Knochenveränderungen sollte in der klinischen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.
Auch wenn weitere Studien notwendig sind, um die biologischen Mechanismen vollständig zu klären, unterstreichen die vorliegenden Daten die Bedeutung einer differenzierten Präparatauswahl in der intravenösen Eisentherapie.
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