Start Wissenschaft Alkohol als falsches „Antidepressivum“: Risiken für psychische Gesundheit

Alkohol als falsches „Antidepressivum“: Risiken für psychische Gesundheit

Viele Menschen in Österreich greifen bei depressiven Verstimmungen zu Alkohol – doch das vermeintliche „Gegenmittel“ kann die Symptome langfristig verstärken, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Alkohol wird in Österreich häufig als Mittel zur Stressbewältigung oder zur Linderung von Depressionen konsumiert. Eine aktuelle Netzwerkanalyse mit Daten von über 2.000 Erwachsenen zeigt nun: Der Missbrauch von Alkohol steht in engem Zusammenhang mit psychischen Belastungen wie Depressionen, Angstzuständen, Schlafstörungen und Stress.

Die Studie wurde von Marina Zeldovich von der Fakultät für Psychotherapiewissenschaft der Sigmund Freud Universität Wien in Kooperation mit weiteren Institutionen durchgeführt und im „Journal of Affective Disorders“ veröffentlicht.

21 Prozent mit Anzeichen von Alkoholmissbrauch

Grundlage der Untersuchung waren Daten aus einer früheren Studie zum Smartphone-Gebrauch und psychischer Gesundheit, erhoben bei 2.007 Personen (49% Frauen, Durchschnittsalter: 48,2 Jahre). Erfasst wurden dabei auch Angaben zu Alkohol, psychischen Symptomen und Stressverhalten.

Die Ergebnisse sind eindeutig. Insgesamt wiesen 21 Prozent der Teilnehmenden ein positives Screening-Ergebnis für Alkoholmissbrauch auf. Personen mit Verdacht auf Alkoholabhängigkeit gaben signifikant häufiger Symptome von Depression, Angst, Stress und Schlafstörungen an. Besonders betroffen waren jüngere Personen. Depressionen und Angstzustände erwiesen sich als zentrale Knotenpunkte im Netzwerkmodell.

Teufelskreis aus Depression und Alkoholkonsum

Der Zusammenhang ist aus fachlicher Sicht nicht neu, wird durch die aktuelle Analyse aber deutlich gestützt. Der Wiener Psychiater Michael Musalek, ehemals ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts, erklärte bereits früher: „Die allermeisten Menschen trinken in Österreich nicht, weil es so gut schmeckt, sondern weil sie die Wirkung der Substanz Alkohol brauchen.“

Alkohol werde oft verwendet, um depressive oder belastende Gefühle zu dämpfen – dabei wirke er in höheren Dosen selbst depressionsfördernd. Das verstärke die zugrunde liegenden Symptome und führe nicht selten in einen Teufelskreis aus psychischer Belastung und Alkoholmissbrauch.

In Österreich sind zwölf Prozent von Alkoholmissbrauch betroffen

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa zwölf Prozent der Österreicherinnen und Österreicher von Alkoholmissbrauch betroffen. 5,8 Prozent gelten als alkoholabhängig.

Unterschiede nach Alter, nicht nach Geschlecht

Die Studie zeigt, dass mit zunehmendem Alter der Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Alkohol abnimmt. Signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurden nicht festgestellt. Die Forschenden kommen zum Schluss, dass ein statistisch belastbarer Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch und depressiven Symptomen in der Gesamtbevölkerung besteht.

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