Das PKAjournal ist 1995 das erste Mal erschienen – kurz nachdem der PKA-Beruf das Licht der Welt erblickt hat. Doch wie ist es eigentlich dazu gekommen? Zum Jubiläum bieten wir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der Entstehung dieses so wichtigen Berufs. Das PKAjournal sprach dafür mit dem „zweiten Vater” des PKA-Lehrberufs, Dr. Peter Krüger.
Der „zweite Vater” des PKA-Lehrberufs
Peter Krüger betreut heute Apotheken für die Rechtsanwaltskanzlei Mag. Andreas Stieger – Anfang und Mitte der 1990-er Jahre agierte er als stellvertretender Direktor des Österreichischen Apothekerverbandes an vorderster Front, als es dringenden Handlungsbedarf bei der Definition und „Schärfung” der Aufgabenverteilung in Österreichs Apotheken gab. Dazu Dr. Krüger: „Es gab damals nur Apotheker und deren ‘Helfer’”.
„Der politische Druck aus allen Richtungen war groß”, lächelt Krüger. „Aber wohin sich dieser ,entladen‘ könnte, war ziemlich unklar.” Was hat es mit dem „zweiten Vater” auf sich? Krüger: „Ich war gemeinsam mit dem leider verstorbenen Wolfgang Rizy sen. (damals Präsident der Oberösterreichischen Apothekerkammer) und weiteren Mitstreitern wie etwa Gottfried Bahr, dem Retter der 40-Stunden-Woche, und Herbert Cabana maßgeblich an der Realisierung des ,Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten‘ als Lehrberuf beteiligt. Rizy wurde als der „Vater” des PKA-Berufs bezeichnet, ich als ,Mutter‘, aber die biologischen Details sind da etwas unscharf :).”
Jahr der Entscheidung: 1994
Zurück zum vielzitierten „Ernst des Lebens”, konkret zur Positionierung eines völlig runderneuerten Berufs. „Es gab ganz massive Widerstände gegen die PKA-Idee – auch aus den eigenen Reihen”, erinnert sich Krüger. Die gewichtigsten Kontra-Argumente? „Das wird zu schwierig – und zu teuer!” Als Hauptgegner etablierte sich der damalige „Pharmazeutische Reichsverband für Österreich” – seit 2000 als Verband Angestellter Apotheker Österreichs (VAAÖ) bekannt – als einzige österreichische Gewerkschaft neben dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). „Unter anderem wurde damit argumentiert, dass das Taxieren wie auch die Defektur nur von Akademikern professionell erledigt werden könnte.”
In der „heißen Phase” Ende 1993 und im ersten Halbjahr 1994 wurde auch intensiv um die Bezeichnung als solche gerungen. „Der VAAÖ präferierte ,Angestellter‘, nicht ,Assistent‘, sagt Krüger. Wir hätten notfalls auch damit leben können, aber es wäre doch sinnwidrig gewesen – schließlich sind alle Angestellten in einer Apotheke letztlich eben angestellt.”
Im Spätfrühling und Sommer 1994 spitzte sich die Lage insofern zu, als die nicht ganz so Wohlgesonnenen mutmaßten, die PKA-Befürworter würden „noch Jahre” brauchen. „Es war ein äußerst knappes Rennen”, bestätigt Krüger. „Aber letztlich ist es sich mit dem Bundesgesetzblatt per 30. Juni 1994 (siehe Titelbild) gerade noch ausgegangen.” Schließlich mussten über den Sommer u. a. die Lehrplanverordnung mit dem Unterrichtsministerium abgestimmt sowie zahlreiche weitere Vorkehrungen für die Installation des Berufs getroffen werden. „Anfangs wurden unsere Seminare für Berufsschullehrer kaum angenommen und es war einer intensiven, jedoch Gott sei Dank kurzen Lernphase zu verdanken, bis wir herausgefunden haben, an welchen Schrauben zu drehen war”, lächelt Krüger.
Ab 1995 wurden in insgesamt 49 Wochenendseminaren exakt 726 Teilnehmer für die Ausbilderprüfung fit gemacht – mit einer minimalen Durchfallsquote von weniger als einem Prozent. „Zum 50. Seminar ist es deswegen nicht mehr gekommen, weil wir es geschafft haben, dass die Ausbilderprüfung für Apotheker gestrichen und in die Aspirantenprüfung aufgenommen wurde.”
Kamillentee und Ähnliches
In der Fassung der „Pharmazeutisch-kaufmännischer Assistent-Ausbildungsverordnung” vom 30. 6. 1994 war im Berufsprofil (§ 3) unter Punkt 5 noch das „Führen von Kundengesprächen und Verkaufsgesprächen im gesetzlichen Rahmen sowie Unterstützen der Apotheker beim Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimittel” genannt. „Aus dieser Urfassung der PKA-Ausbildungsordnung konnte man schon ableiten, dass PKAs Kamillentee abgeben dürfen – als Arzneimittel, das nicht apothekenpflichtig ist”, erklärt Krüger. „Heute steht diese wichtige Berechtigung klar in Apothekenbetriebsordnung und Fachkräfteverordnung.”
Drei Jahrzehnte später hat sich der Beruf nach Krügers Meinung „bestens etabliert” und ist aus der Apotheke nicht mehr wegzudenken. Im BGBl. II Nr. 337/ 2021 wurde die Verordnung zuletzt aktualisiert, „die Grundgedanken sind seit 1994 präsent und gleichgeblieben”, befindet der „zweite Vater”.
„Wenn die Positionierung des Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten nicht geklappt hätte, gäbe es wahrscheinlich heute auch bei uns einen halbakademischen Apothekerberuf auf Fachhochschulniveau wie die PTA in Deutschland.” Ob das für die Branche erstrebenswert (gewesen) wäre? „Nein, nur so viel: Bei unseren großen Nachbarn beneiden sie uns zum allergrößten Teil um das österreichische System!”
Die Zukunft des PKA-Berufs
Bei einem weiteren kritischen Punkt, der aktueller denn je ist, lehnt sich Krüger aber durchaus weit hinaus: „Ich bin der Auffassung, dass PKAs im Verhältnis zu den angestellten Apothekern deutlich zu gering entlohnt werden!” Es bleibt abzuwarten, ob sich in diesem Zusammenhang in Zukunft noch einmal etwas ändern wird…
Zahlen & Fakten: PKAs in Österreich
Die 13.355 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne akademische Ausbildung (Stand 31.12.2023, aktuellere Zahlen liegen nicht vor) sind zu rund 47% Personen mit spezifischer Berufsausbildung. Das sind 6.328 Pharmazeutisch-kaufmännische Assistentinnen und Assistenten. Dazu kommen 1.719 PKA-Lehrlinge sowie 5.308 Personen ohne oder mit anderer Berufsausbildung und sonstiges Hilfspersonal (Reinigungsdienst usw.).
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