Start Politik Gesundheitspolitik Zuckersteuer findet Zustimmung – doch die Sorge vor höheren Preisen ist groß

Zuckersteuer findet Zustimmung – doch die Sorge vor höheren Preisen ist groß

63 Prozent der Befragten einer Marketagent-Umfrage befürworten eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke. Gleichzeitig befürchten 47 Prozent mit höheren Preisen. Bei der konkreten Ausgestaltung gehen die Vorstellungen auseinander.

Eine mögliche Zuckersteuer findet in Österreich grundsätzlich Zustimmung. Laut einer Eigenstudie von Marketagent sprechen sich 63 Prozent der Befragten für eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke aus. 28 Prozent befürworten sie sogar sehr. 37 Prozent lehnen die Maßnahme ab.

Die Erwartungen an eine häufig auch als „Kracherlsteuer“ bezeichnete Abgabe sind allerdings unterschiedlich. 45 Prozent rechnen mit zusätzlichen Einnahmen für den Staat. 38 Prozent hoffen darauf, dass die Abgabe Hersteller dazu bewegen könnte, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu reduzieren.

Gleichzeitig bestehen deutliche Vorbehalte: 47 Prozent befürchten, dass Lebensmittel und Getränke durch die Abgabe noch teurer werden. 43 Prozent gehen davon aus, dass Hersteller die zusätzlichen Kosten an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergeben. 42 Prozent bezweifeln, dass eine Zuckersteuer das eigentliche Problem lösen kann.

Erwartungen an gesundheitliche Effekte zurückhaltend

Auch bei möglichen gesundheitlichen Auswirkungen sind die Erwartungen begrenzt. 28 Prozent der Befragten glauben, dass eine Zuckersteuer Übergewicht und ernährungsbedingte Erkrankungen reduzieren könnte. 19 Prozent erwarten, dass sich die Bevölkerung dadurch insgesamt gesünder ernähren würde.

Marketagent-Gründer und Geschäftsführer Thomas Schwabl sieht in den Ergebnissen ein ambivalentes Bild. „Grundsätzlich stößt eine Zuckersteuer in Österreich auf breite Zustimmung. Gleichzeitig ist die Sorge groß, dass sie vor allem zu höheren Preisen führt und die Mehrkosten letztlich bei den Konsumentinnen und Konsumenten landen. Entscheidend für die Akzeptanz wird daher sein, wie eine solche Abgabe konkret ausgestaltet wird, welche Produkte tatsächlich betroffen sind und wofür die zusätzlichen Einnahmen verwendet werden“.

Sechs von zehn würden Einkaufsverhalten ändern

Eine Zuckersteuer könnte laut Umfrage auch beeinflussen, was im Einkaufswagen landet. Rund sechs von zehn Befragten rechnen mit einer Änderung ihres eigenen Kaufverhaltens. Dabei würden 34 Prozent öfter Produkte mit weniger oder ohne Zucker wählen. Für 33 Prozent wäre dagegen vor allem der Preis ausschlaggebend: Sie würden vermehrt auf günstigere Produkte oder Marken ausweichen. Keine Auswirkungen auf den eigenen Einkauf erwarten 38 Prozent.

Softdrinks und Energydrinks im Fokus

Sollte eine Zuckersteuer eingeführt werden, würden die Befragten vor allem bei Getränken ansetzen. Rund die Hälfte würde Softdrinks, Limonaden und Energydrinks einbeziehen. Auch stark zuckerhaltige Fertigprodukte werden häufig genannt. Deutlich weniger Zustimmung findet eine pauschale Besteuerung aller Lebensmittel und Getränke ab einem bestimmten Zuckergehalt.

Werden die Befragten vor die Wahl zwischen unterschiedlichen steuerlichen Maßnahmen gestellt, verschiebt sich das Bild. 39 Prozent bevorzugen eine steuerliche Entlastung gesunder Lebensmittel, 35 Prozent eine Kombination aus Entlastung und höherer Besteuerung stark zuckerhaltiger Produkte. Ausschließlich für eine Zuckersteuer entscheiden sich in dieser Auswahl 11 Prozent, 15 Prozent für keine der genannten Maßnahmen.

Bei der Verwendung der Einnahmen liegen zwei Bereiche nahezu gleichauf: 42 Prozent wünschen sich eine allgemeine Entlastung der Bevölkerung beziehungsweise niedrigere andere Steuern und Abgaben, 40 Prozent würden das Geld für Gesundheitsvorsorge und Prävention einsetzen. Weitere genannte Möglichkeiten sind gesünderes Essen in Schulen und Kindergärten sowie die finanzielle Förderung gesunder Lebensmittel.

Prävention bleibt Teil der Debatte

Marketagent führte die Befragung als Eigenstudie vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über eine Zuckersteuer in Deutschland durch. Die Online-Interviews fanden vom 26. August bis 2. September 2026 statt. Befragt wurden 1.000 Personen zwischen 14 und 75 Jahren. Die Stichprobe wird als repräsentativ für die österreichische Bevölkerung angegeben.

Gesundheitspolitisch zeigt die Umfrage damit ein differenziertes Bild: Zwar werden einer Zuckersteuer mögliche Impulse für einen geringeren Zuckergehalt von Produkten und eine gesündere Ernährung zugeschrieben, die Erwartungen an konkrete gesundheitliche Effekte bleiben jedoch verhalten. Gleichzeitig spricht sich ein Teil der Befragten dafür aus, mögliche Einnahmen für Gesundheitsvorsorge und Prävention einzusetzen. Damit rückt neben der Frage nach der Ausgestaltung der Abgabe auch deren möglicher Beitrag zur Prävention in den Fokus.

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