Zum Weltkrebstag am 4. Februar betonen Expertinnen und Experten die zentrale Rolle der Prävention und Früherkennung. Während moderne Therapien die Überlebenschancen verbessern, zeigen aktuelle Daten, dass besonders ältere Menschen und Arbeitnehmende weiterhin hohen Risiken ausgesetzt sind.
Mit rund 440.000 Betroffenen zählt Krebs weiterhin zu den größten medizinischen Herausforderungen in Österreich. Jährlich kommen etwa 46.000 neue Fälle hinzu. Laut Statistik Austria ist bis 2045 mit einem Anstieg auf über 56.000 Neuerkrankungen jährlich zu rechnen. Als häufigste Ursache gelten sowohl die steigende Lebenserwartung als auch Rauchen und Alkoholkonsum.
Neuer Krebs-Rahmenplan vorgestellt
Das Gesundheitsministerium und die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) präsentierten Ende Jänner ein überarbeitetes Krebsrahmenprogramm 2026–2035. Es setzt auf:
- Ausbau qualitätsgesicherter Screening-Programme
- Verbesserte Patientenkommunikation
- Onkologische Fachpflege (Cancer Nurses)
- Strukturierte Nachversorgung, z. B. über einen „Survivorship-Passport“ für Kinder
Ziel ist ein durchgängiger Versorgungsweg von der Diagnose bis zur Nachsorge. „Wir müssen schauen, dass Krebs nicht entsteht. Das ist eine Vorsorgefrage“, betonte Gesundheitsministerin Korinna Schumann. Durch Bewegung, gesunde Ernährung und Rauchverzicht könne vielen Erkrankungen vorgebeugt werden.
Arbeitsbedingter Krebs
Die Arbeiterkammer Wien schlägt zum Weltkrebstag Alarm: Jährlich sterben über 1.800 Menschen an arbeitsbedingtem Krebs, insbesondere in Branchen wie Bau, Produktion und Gesundheitswesen. Eine EU-weite Studie (EU-OSHA) zeigt, dass 47 Prozent der Beschäftigten in Europa krebserzeugenden Stoffen ausgesetzt sind.
Österreich hinkt laut AK bei der Festlegung moderner risikobasierter Grenzwerte hinterher. Diese seien seit 2018 fertig ausgearbeitet, würden aber aus Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen nicht umgesetzt, betont die Arbeiterkammer.
Prävention und Aufklärung im Alter
Krebserkrankungen bei Älteren nehmen stark zu. Laut dem Österreichischen Krebsreport 2025 sind über 60 Prozent der neu Diagnostizierten älter als 65 Jahre. Im Alter zwischen 75 und 84 ist das Risiko besonders hoch.
Noch immer nehmen zu wenige Betroffene die Angebote zur Früherkennung wahr. Zudem müssten Informationskanäle angepasst werden, da digitale Medien ältere Zielgruppen kaum erreichen.
Forschung und moderne Therapien
Trotz der Herausforderungen gibt es auch Fortschritte. Die PHARMIG berichtet, dass die Onkologie mit 184 klinischen Studien im Jahr 2024 das wichtigste Forschungsfeld in Österreich ist. Diese Studien ermöglichen Betroffenen frühzeitigen Zugang zu innovativen Therapien – oft Jahre vor der Marktzulassung.
Zwischen 2022 und 2025 wurden europaweit 106 neue Krebsmedikamente zugelassen bzw. von der EMA empfohlen – darunter zielgerichtete Wirkstoffe und gentechnisch verbesserte Immuntherapien. Die relative Fünfjahresüberlebensrate liegt laut Statistik Austria mittlerweile bei 63 Prozent.
Prävention als Schlüsselstrategie
Krebs bleibt eine der größten Herausforderungen des österreichischen Gesundheitssystems. Fortschritte in Forschung und Therapie verbessern die Prognosen deutlich. Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten, dass ohne gezielte Prävention und politische Rahmenbedingungen – insbesondere im Arbeits- und Altersbereich – viele Potenziale ungenutzt bleiben. Der Welt-Krebs-Tag ist für die Akteure des Gesundheitswesens nicht nur ein Anlass zur Reflexion, sondern ein Aufruf zum Handeln.
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