Start Wissenschaft RSV-Infektion erhöht Asthma-Risiko bei Kindern deutlich

RSV-Infektion erhöht Asthma-Risiko bei Kindern deutlich

Schwere RSV-Erkrankungen im Säuglingsalter erhöhen laut belgischer Studie das Risiko für späteres Asthma deutlich. Eine frühzeitige Prophylaxe mit monoklonalen Antikörpern könnte langfristig auch vor chronischen Lungenerkrankungen schützen. Eine Langzeitbeobachtung steht jedoch noch aus.

Eine schwere Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) im Säuglingsalter kann das Risiko, im späteren Leben an Asthma zu erkranken, signifikant erhöhen. Das zeigt eine neue Studie des „Vlaams Instituut voor Biotechnologie“ unter Leitung von Bart Lambrecht, veröffentlicht in Science Immunology. Demnach liegt das Risiko bei betroffenen Kindern mehr als drei Mal so hoch wie bei Gleichaltrigen ohne schwere RSV-Erkrankung.

Die Forschenden vermuten, dass eine frühzeitige RSV-Prophylaxe – insbesondere mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab – nicht nur schwere Verläufe verhindern, sondern auch das Asthma-Risiko senken könnte.

PharmaNow berichtete bereits im Juli 2025 in einem Artikel über diese Erkenntnisse nun bestärkt die neue Studie aus Belgien die Ergebnisse. 

RSV-Bronchiolitis als Risikofaktor für späteres Asthma

Laut der Analyse dänischer Gesundheitsdaten erkranken Kinder nach einer RSV-bedingten Bronchiolitis häufiger an Asthma. Bei hospitalisierten Säuglingen wurde ein 3,3-fach erhöhtes Risiko festgestellt. Wenn zusätzlich ein Elternteil an Asthma litt, stieg das Risiko weiter – bei asthmatischen Müttern sogar um den Faktor 5,4.

Tiermodell zeigt präventiven Effekt

Im Tiermodell infizierten die Forschenden junge Mäuse mit einem RSV-ähnlichen Virus. Die Tiere entwickelten daraufhin asthmatypische Entzündungsreaktionen in den Bronchien.

Erhielten die Mäuse vorab schützende Antikörper – entweder direkt oder über die Muttermilch –, blieb die Reaktion aus. Selbst bei genetisch vorbelasteten Tieren konnte die Entwicklung asthmatischer Symptome verhindert werden.

Prävention möglich – aber noch nicht abschließend gesichert

Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass die RSV-Prophylaxe Neugeborene nicht nur vor einer schweren Bronchiolitis schützen, sondern möglicherweise auch das Risiko späteres Asthma senken könnte.

Auch die Immunisierung von Schwangeren wird als Teil einer umfassenden Präventionsstrategie diskutiert. Ob die RSV-Prophylaxe tatsächlich langfristig vor Asthma schützt, muss jedoch erst durch Langzeitstudien bestätigt werden. Der Zusammenhang gilt derzeit als plausibel, ist aber wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt.

Relevanz für den österreichischen Impfplan

In Österreich ist die RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab bereits für Neugeborene empfohlen. Die Maßnahme soll vorwiegend in der ersten RSV-Saison vor schweren Verläufen schützen und hat laut bisherigen Daten die Anzahl der Spitalsaufnahmen bei Säuglingen reduziert.

Zusätzlich wird eine aktive Impfung für Schwangere angeboten, um auch ungeborene Kinder indirekt zu schützen. Für Erwachsene ab 60 Jahren ist die RSV-Impfung im nationalen Impfplan ebenfalls vorgesehen.

Asthma als lebenslange Belastung

Asthma zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Neben Atemnot, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und häufigen Infekten kann die Erkrankung eine dauerhafte Medikation erfordern – oft auch mit Kortikosteroiden. Eine Prävention, insbesondere in den ersten Lebensmonaten, wäre daher ein bedeutender Schritt zur Entlastung von Patientinnen und Patienten.

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