Immer mehr Jugendliche konsumieren Lachgas, um sich in Euphorie zu versetzen. Doch der scheinbar harmlose Rausch birgt ernste Risiken: von Kopfschmerzen über dauerhafte Nervenschäden bis hin zu tödlichen Unfällen. Experten raten daher dringend davon ab.
Lachgas, chemisch Distickstoffmonoxid (N2O), ist ein farbloses, leicht süßlich riechendes und schmeckendes Gas. Es wird seit Jahrzehnten in der Medizin als Narkosemittel eingesetzt und in der Lebensmittelindustrie zum Aufschäumen von Schlagobers verwendet. Doch zunehmend findet Lachgas als „Partydroge“ Verbreitung – mit erheblichen Risiken für die Gesundheit.
Populär und leicht verfügbar
„Die Popularität von Lachgas hat in den letzten Jahren massiv zugenommen und Social Media spielt eine große Rolle dabei“, sagt Dr. Holger Förster, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, gegenüber der Wiener Zeitung und sieht im Nachahmungseffekt aus den sozialen Medien eine Gefahr.
Kartuschen und Zylinder mit Lachgas sind legal und leicht erhältlich – als Schlagoberskartuschen in jedem Supermarkt, aber auch an Tankstellen, in Online- und Automaten-Shops.
Typisch ist die Inhalation über Luftballons, nachdem das Gas zuvor in diese umgefüllt wurde. Teilweise wird Lachgas auch direkt aus den Kapseln oder dem Zylinder inhaliert.
Akute Risiken einer Lachgasvergiftung
Schon bei einmaligem Konsum kann es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit und Kribbeln in Armen und Beinen kommen. Da die Lunge in dieser Zeit keinen Sauerstoff aufnimmt, besteht zudem die Gefahr einer Hypoxie, die Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und sogar bleibende Gehirnschäden auslösen kann.
Das direkte Einatmen aus der Kartusche birgt weitere Risiken: „Hier kann es aufgrund der extrem niedrigen Temperaturen des austretenden Gases zu Kälteverbrennungen an Fingern und Lippen kommen. Die Ausdehnung des komprimierten Gases und der dadurch entstehende hohe Druck kann außerdem zu schweren Reizungen und Verletzungen der Atemwege wie beispielsweise zu Lungenrissen führen“, schreibt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Neurologische Langzeitschäden
Besonders alarmierend sind die irreversiblen Schäden am Nervensystem, die durch einen Vitamin-B12-Mangel entstehen. Lachgas inaktiviert das Vitamin, das für die Blutbildung und den Aufbau von Nervenzellen unverzichtbar ist.
Typische Symptome sind Taubheitsgefühle, Gangstörungen und Lähmungserscheinungen bis hin zu dauerhaften Querschnittssyndromen. Klinische Fallberichte belegen, dass selbst junge Patienten nach regelmäßigem Konsum bleibende Behinderungen entwickeln können.
In einigen Ländern Verkauf bereits reglementiert
In mehreren europäischen Ländern – darunter die Niederlande und Großbritannien – wurde der Besitz oder Verkauf bereits stark reguliert. Auch Deutschland hat im Sommer ein Lachgasverbot auf den Weg gebracht. Der Verkauf von Kartuschen mit mehr als 8g Lachgas an Kinder und Jugendliche sowie über Automaten und Online-Shops wird verboten werden.
In Österreich ist ein Verkaufsverbot derzeit nicht geplant, wie das Gesundheitsministerium gegenüber derstandard.at mitteilte.
Lachgaskonsum ansprechen
Die Experten des BfR raten übrigens dazu, den Lachgas-Konsum offen anzusprechen. Denn Schäden am Nervensystem können zu sehr unterschiedlichen und zunächst schwer einzuordnenden Symptomen führen. Weiß man über den Lachgas-Konsum Bescheid, kann das für eine schnelle und richtige Diagnose entscheidend sein.




