Start Wissenschaft Parkinson: Therapieoptionen oft zu spät genutzt

Parkinson: Therapieoptionen oft zu spät genutzt

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Viele Patientinnen und Patienten mit Parkinson in Österreich erreichen ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium, ohne moderne Therapieoptionen auszuschöpfen. Dabei könnten gerätegestützte Verfahren die Lebensqualität deutlich verbessern – vorausgesetzt, sie kommen rechtzeitig zum Einsatz.

Morbus Parkinson (Parkinson) ist eine chronisch fortschreitende, nicht heilbare Erkrankung des Nervensystems. Sie entsteht durch den Verlust bestimmter Nervenzellen im Gehirn, was zu einem Mangel an essenziellen Botenstoffen führt – primär von Dopamin. Typische Symptome sind Zittern, Bewegungsverlangsamung und Muskelsteifheit. In Österreich leben rund 20.000 Menschen mit Parkinson. Die Krankheit zählt zu den am schnellsten wachsenden neurologischen Erkrankungen weltweit. Mit zunehmendem Fortschreiten steigen sowohl der Therapiebedarf als auch die Belastung im Alltag.

Anlässlich des Welt-Parkinson-Tages am 11. April zeigt eine aktuelle Umfrage: Mehr als die Hälfte der Betroffenen befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Typische Hinweise darauf sind häufige sogenannte OFF-Phasen – also Zeiten eingeschränkter Beweglichkeit –, unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien) oder ein hoher Bedarf an dem Arzneistoff Levodopa.

Therapie: Mehr als Tabletten

Die Behandlung von Parkinson erfolgt zunächst meist medikamentös, vor allem in Tablettenform oder neuerdings auch als Inhalation. Diese Therapie kann Symptome über Jahre gut kontrollieren und die Symptomaik während Off-Phasen beseitigen. Mit Fortschreiten der Erkrankung stößt sie jedoch oft an Grenzen.

Hier kommen gerätegestützte Therapieoptionen ins Spiel. Dazu zählen:

  • Pumpentherapien (z. B. kontinuierliche Medikamentenabgabe unter die Haut oder in den Dünndarm)
  • Tiefe Hirnstimulation (THS)

Diese Verfahren können dazu beitragen, Symptome besser zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Obwohl viele Betroffene von solchen Verfahren profitieren könnten, werden sie vergleichsweise selten eingesetzt. Ein großer Teil der Patientinnen und Patienten bleibt weiterhin ausschließlich bei der oralen Therapie.

Parkinsonerkrankte, die gerätegestützte Therapien nutzen, berichten häufiger von hoher Zufriedenheit und einer verbesserten Lebensqualität. Besonders relevant ist dabei der Zeitpunkt der Umstellung.

Der richtige Zeitpunkt für die Therapieumstellung

Ein zentrales Problem liegt im späten Einsatz moderner Therapieformen. Häufig erfolgt die Umstellung erst dann, wenn die Lebensqualität bereits deutlich eingeschränkt ist.

Aus fachlicher Sicht gilt jedoch: Der optimale Zeitpunkt ist erreicht, wenn eine optimierte orale Therapie nicht mehr ausreichend wirkt – idealerweise, bevor es zu einer deutlichen Verschlechterung im Alltag kommt. Eine frühzeitige Anpassung kann helfen, Selbstständigkeit länger zu erhalten und Krankheitsfolgen abzufedern.

Informationsdefizite und Vorbehalte

Ein wesentlicher Grund für die zurückhaltende Nutzung liegt im Informationsstand. Während klassische Medikamente bekannt sind, wissen deutlich weniger Betroffene über gerätegestützte Optionen Bescheid.

Hinzu kommen Vorbehalte, etwa:

  • Angst vor operativen Eingriffen
  • Unsicherheit im Umgang mit den Systemen
  • Sorge vor Nebenwirkungen

Hier spielen ärztliche Aufklärung sowie der Austausch in Selbsthilfegruppen eine wichtige Rolle.

Hohe Belastung im Alltag

Parkinson betrifft nicht nur die Motorik. Viele Erkrankte leiden zusätzlich unter Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und psychischen Belastungen wie Angst oder Depression. Ein Großteil ist im Alltag auf Unterstützung angewiesen. Auch berufliche Einschränkungen sind häufig.

Frühzeitige Therapieplanung gewinnt an Bedeutung

Die Versorgung von Parkinson-Patientinnen und -Patienten erfordert eine kontinuierliche Anpassung der Therapie. Gerätegestützte Verfahren stellen eine wichtige Option dar, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium. Entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt: Werden diese Therapien zu spät eingesetzt, bleibt Potenzial zur Verbesserung der Lebensqualität ungenutzt.

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