Neue Impfstoffe gegen Tuberkulose könnten nach Einschätzung der internationalen Impfallianz Gavi ab 2029 verfügbar werden. Die Organisation erwartet von den derzeit entwickelten Vakzinen ein erhebliches Potenzial: Zwischen 2030 und 2050 könnten damit geschätzt bis zu 7,3 Millionen Todesfälle vermieden werden.
Die internationale Impfallianz Gavi setzt große Erwartungen in neue Impfstoffe gegen Tuberkulose. Die derzeit in Entwicklung befindlichen Vakzine könnten nach Angaben der Organisation binnen weniger Jahre verfügbar werden und Millionen Menschenleben retten.
Vorsitzende der Organisation Sania Nishtar bezeichnete die neuen Vakzine als potenziell „das nächste Blockbuster-Werkzeug zur Immunisierung zu werden“. Voraussetzung sei allerdings, dass besonders von Tuberkulose betroffene Länder ausreichend, bezahlbar und verlässlich mit den Impfstoffen versorgt werden können.
Was ist Tuberkulose?
Tuberkulose ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die durch Mykobakterien verursacht wird. In Europa ist meist Mycobacterium tuberculosis der Erreger. Die Erkrankung betrifft überwiegend die Lunge, kann aber auch andere Organe befallen. Die Übertragung erfolgt vor allem durch Personen mit ansteckender Lungentuberkulose über kleinste Tröpfchen beim Husten, Sprechen oder Niesen. Nach einer Infektion kann die körpereigene Abwehr die Bakterien über Jahre oder Jahrzehnte unterdrücken, bevor die Erkrankung ausbricht. Typische Symptome sind Husten, Fieber und Gewichtsabnahme.
Erster neuer Impfstoff bis Ende des Jahrzehnts erwartet
Gavi rechnet bis Ende des Jahrzehnts mit der Zulassung eines ersten neuen Tuberkulose-Impfstoffs. Die Vakzine könnten laut Schätzungen der Organisation zwischen 2030 und 2050 bis zu 7,3 Millionen Todesfälle verhindern.
Tuberkulose zählt zu den Infektionskrankheiten mit der weltweit höchsten Todesrate. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), starben 2024 rund 1,23 Millionen Menschen an der Erkrankung.
Neue Vakzine sollen bisherigen Impfschutz verbessern
Derzeit steht mit Bacille Calmette-Guerin (BCG) nur ein zugelassener Impfstoff gegen Tuberkulose zur Verfügung. Dieser ist mehr als 100 Jahre alt. BCG schützt Säuglinge und Kinder weiterhin wirksam vor schweren Formen der Tuberkulose. Insgesamt lässt seine Schutzwirkung jedoch nach. In Österreich wird die Impfung aufgrund des niedrigen Infektionsrisikos derzeit nicht mehr empfohlen (lt. BMASGPK)
Die Impfallianz hofft, dass die derzeit entwickelten Vakzine künftig an Stelle von BCG treten können.
Verlässlicher Zugang gefordert
Neben der Entwicklung und Zulassung sieht Gavi die Versorgung als entscheidenden Faktor. Besonders von Tuberkulose betroffene Länder müssten ausreichend, bezahlbar und verlässlich Zugang zu den neuen Impfstoffen erhalten.
Gavi unterstützt weltweit Impfungen unter anderem gegen COVID-19, Ebola, Malaria, Tollwut, Polio, Cholera, Tuberkulose, Typhus und Gelbfieber. Das Bündnis vereint Regierungen von Industrie- und Entwicklungsländern sowie Partner wie die WHO, das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF, die Weltbank, Impfstoff-Hersteller und Nichtregierungsorganisationen.




