Start Wissenschaft Mehr cannabisbedingte Spitalsaufnahmen nach Teillegalisierung in Deutschland

Mehr cannabisbedingte Spitalsaufnahmen nach Teillegalisierung in Deutschland

Eine deutsche Studie zeigt nach der Cannabis-Legalisierung einen moderaten Anstieg cannabisbedingter Spitalsaufnahmen. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter diskutieren mehrere mögliche Ursachen. Sie vermuten, dass ein vermehrter Konsum hochpotenten Medizinalcannabis zur beobachteten Entwicklung beigetragen haben könnte. Einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegt die Untersuchung jedoch nicht.

Nach der Teil-Legalisierung von Cannabis in Deutschland ist die Zahl cannabisbedingter Spitalsaufnahmen leicht gestiegen. Das geht aus einer Studie hervor, die im Deutsches Ärzteblatt International veröffentlicht wurde. Die Forschenden analysierten Daten von mehr als 70.000 Krankenhausaufnahmen und beobachteten sowohl akute Cannabisvergiftungen als auch mehr durch Cannabis ausgelöste Psychosen.

Moderater Anstieg nach Gesetzesänderung

Das Forschungsteam um Dr. Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Universitätsklinikum Leipzig registrierte im ersten Jahr nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung 1.395 zusätzliche Spitalsaufnahmen bei Erwachsenen. Das entspricht einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber einem Szenario ohne Legalisierung. Bei Jugendlichen wurden 91 zusätzliche Aufnahmen verzeichnet, ein Plus von 3,9 Prozent.

Die Autoren bezeichnen den Anstieg als moderat, sehen ihn aber als beobachtenswert.

Hochpotentes Medizinalcannabis als mögliche Ursache

Als mögliche Erklärung diskutieren die Forschenden zwei Faktoren. Einerseits könnte die Legalisierung dazu geführt haben, dass mehr Menschen Cannabis konsumieren, um es auszuprobieren. Für diese Annahme gebe es bislang jedoch nur wenige wissenschaftliche Belege. Wahrscheinlicher erscheint den Autoren jedoch, dass vermehrt hochpotentes Medizinalcannabis konsumiert wird. 

Seit Cannabis in Deutschland nicht mehr dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt, ist die Verschreibung für Ärztinnen und Ärzte einfacher geworden und der Erwerb auch in Online-Apotheken einfacher möglich. Laut Studie weist Medizinalcannabis durchschnittlich einen THC-Gehalt von 24 Prozent auf, während Cannabis aus dem illegalen Handel im Mittel etwa 15 Prozent THC enthält. Ein höherer THC-Gehalt sei mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme verbunden.

Studie weist auf Einschränkungen hin

Die Autoren betonen, dass ihre Ergebnisse keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen. So könnte der Anstieg teilweise darauf zurückzuführen sein, dass Ärztinnen und Ärzte häufiger nach Cannabiskonsum fragen oder Betroffene aufgrund einer geringeren Stigmatisierung eher medizinische Hilfe suchen.

Der Psychiater Prof. Dr. Alkomiet Hasan von der Universität Augsburg, der nicht an der Studie beteiligt war, hält die Ergebnisse dennoch für relevant. „Selbst ein moderater Anstieg, wie hier beschrieben, hat immense gesellschaftliche Konsequenzen.“

Eine im April veröffentlichte Evaluation des deutschen Cannabisgesetzes zeigte zudem, dass Deutschland inzwischen über den größten prinzipiell legal-kommerziellen Markt für medizinisches Cannabis in Europa verfügt. Die deutsche Bundesregierung hat mittlerweile strengere gesetzliche Regelungen für den Zugang zu medizinischem Cannabis auf den Weg gebracht.

Die Ergebnisse der Studie beziehen sich ausschließlich auf Deutschland und lassen keine direkten Rückschlüsse auf die Situation in Österreich zu.

Neue Artikel

Sechs von zehn nutzen KI bei Gesundheitsfragen

Künstliche Intelligenz ist bei Gesundheitsfragen für viele Menschen in Österreich bereits Teil der Informationssuche. Sechs von zehn Befragten haben...

Fachgesellschaft ehrt Bionorica-Chef Dr. Michael Popp

Die Society for Medicinal Plant and Natural Product Research (GA) hat Prof. Dr. Michael A. Popp, CEO und Inhaber...

Apothekerverbandswahl: Vier Landesgruppen mit neuer Spitze

Nach dem Ergebnis der Apothekerverbandswahl 2026 wechseln in Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg und Wien die Landesgruppenspitzen. Auch in mehreren Landesvorständen...

Frag doch den digitalen Zwilling!

90 Prozent der Entwicklungsprojekte der Pharmaindustrie gehen fehl. Digitale Anwendungen sollen die Erfolgsraten erhöhen und Kosten sparen helfen.  Erst vor...

 Weitere Artikel

Sechs von zehn nutzen KI bei Gesundheitsfragen

Künstliche Intelligenz ist bei Gesundheitsfragen für viele Menschen in Österreich bereits Teil der Informationssuche. Sechs von zehn Befragten haben...

Fachgesellschaft ehrt Bionorica-Chef Dr. Michael Popp

Die Society for Medicinal Plant and Natural Product Research (GA) hat Prof. Dr. Michael A. Popp, CEO und Inhaber...

Apothekerverbandswahl: Vier Landesgruppen mit neuer Spitze

Nach dem Ergebnis der Apothekerverbandswahl 2026 wechseln in Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg und Wien die Landesgruppenspitzen. Auch in mehreren Landesvorständen...