Bei Kindern mit einer Hochrisiko-Form der akuten lymphatischen Leukämie können zwei intensive Chemotherapiezyklen durch das Immuntherapeutikum Blinatumomab ersetzt werden. Eine internationale Studie mit österreichischer Beteiligung zeigt dabei bessere Behandlungsergebnisse und Unterschiede bei den Nebenwirkungen.
Weniger intensive Chemotherapie und gleichzeitig bessere Behandlungsergebnisse: Das zeigt eine internationale Studie zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer neu diagnostizierten Hochrisiko-B-Zell-ALL. Dabei handelt es sich um eine Form der akuten lymphatischen Leukämie, die B-Zellen betrifft. Die Ergebnisse wurden im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.
Untersucht wurde Blinatumomab. Der bispezifische Antikörper bringt vereinfacht gesagt zwei Zelltypen zusammen: Er bindet einerseits an ein Merkmal der erkrankten B-Zellen und andererseits an T-Zellen des Immunsystems. Diese können dadurch gezielt gegen die Leukämiezellen vorgehen.
Blinatumomab ersetzt nicht die gesamte Chemotherapie. In der Studie ersetzten zwei Zyklen mit dem Antikörper zwei besonders intensive Chemotherapiezyklen innerhalb der Behandlung.
Vorteil gegenüber intensiver Chemotherapie
An der Studie nahmen 709 Kinder und Jugendliche teil. Nach dem Zufallsprinzip erhielten sie entweder zwei Zyklen Blinatumomab oder zwei Zyklen der vorgesehenen intensiven Chemotherapie. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 2,9 Jahren zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Das geschätzte ereignisfreie Überleben nach vier Jahren betrug mit Blinatumomab 83 Prozent, mit Chemotherapie 70,3 Prozent.
Damit schnitt die Behandlung mit Blinatumomab beim wichtigsten untersuchten Endpunkt besser ab als die Chemotherapie.
Weniger Infektionen, aber andere Nebenwirkungen
Auch bei den Nebenwirkungen unterschieden sich die Behandlungen. Infektionen im Zusammenhang mit der Studienbehandlung traten unter Blinatumomab deutlich seltener auf. Auch lebensbedrohliche unerwünschte Ereignisse traten seltener auf.
Neurotoxische Ereignisse wurden unter Blinatumomab dagegen häufiger festgestellt als unter Chemotherapie. Auch ein Zytokin-Freisetzungssyndrom wurde unter Blinatumomab beobachtet.
Österreich an internationaler Studie beteiligt
An der Untersuchung beteiligt waren Zentren aus Australien, Österreich, Tschechien, Deutschland, Israel, Italien, der Slowakei und der Schweiz. Zu den Autorinnen und Autoren gehört Andishe Attarbaschi vom St. Anna Kinderspital in Wien. Die Studie wurde unter anderem von der Deutschen Krebshilfe gefördert.




