Immer mehr sportlich aktive Frauen passen ihr Training an die Phasen ihres Menstruationszyklus an. Sportmedizinerinnen und -mediziner sehen darin einen sinnvollen Ansatz – nicht nur im Leistungs-, sondern auch im Breitensport.
Seit prominente Athletinnen wie Mikaela Shiffrin offen über menstruationsbedingte Einschränkungen sprechen, gewinnt das Thema „zyklusorientiertes Training“ auch im Freizeitsport an Bedeutung. Immer mehr Frauen beobachten die Auswirkungen ihres Hormonhaushalts auf Kraft, Ausdauer und Regeneration und ziehen daraus sportpraktische Konsequenzen.
Training an den Zyklus anpassen
Beim zyklusbasierten Training wird das Sportprogramm auf die hormonellen Schwankungen im Monatszyklus abgestimmt. In der ersten Zyklushälfte, der sogenannten Follikelphase, ist der Körper leistungsfähiger, regeneriert schneller und verkraftet intensive Einheiten besser. „Krafttraining und Muskelaufbau können in dieser Phase besonders effektiv sein“, erklärt Dr. Johannes Ott von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde an der MedUni Wien.
In der zweiten Zyklushälfte, nach dem Eisprung, berichten viele Frauen von schnellerer Erschöpfung. Hier sei ein angepasstes oder reduziertes Training sinnvoll, so die Empfehlung der Fachleute.
Bedeutung auch im Hobbysport
Laut Dr. Jürgen Scharhag, ärztlicher Leiter des Österreichischen Instituts für Sportmedizin (ÖISM), ist zyklusbasiertes Training, insbesondere im Leistungssport ein sinnvoller Ansatz. Aber auch Hobbysportlerinnen können davon profitieren, da intensive Trainingsumfänge nicht ausschließlich im Profibereich vorkommen. Im Breitensport entfalle zwar meist der Wettkampfdruck zu fixen Zeitpunkten, dennoch sei eine zyklusorientierte Trainingsplanung auch hier empfehlenswert.
Ein zentrales Element ist das Tracking der Periode. Mithilfe von Apps oder klassisch per Tagebuch lassen sich körperliche Reaktionen und Leistungsfähigkeit im Zyklusverlauf dokumentieren. Die Erkenntnisse ermöglichen eine individuell angepasste Trainingsplanung im Einklang mit biologischen Rhythmen.
Medizinische Aspekte nicht vernachlässigen
Bei sportmedizinischen Untersuchungen sollte der gynäkologischen Anamnese besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Hormonelle Faktoren wie ein Östrogenmangel können die körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen und langfristig gesundheitliche Folgen haben, etwa ein erhöhtes Risiko für eine frühzeitige Osteoporose.
Digitale Helfer im Alltag
Mit der zunehmenden Sichtbarkeit des Themas durch Spitzensportlerinnen und auch über soziale Netzwerke steigt das Angebot an Apps zum Zyklustracking. Diese können hilfreich sein, sofern sie bewusst und reflektiert eingesetzt werden. Jedoch sollten Frauen trotzdem auf das eigene Körpergefühl achten und nicht blind einer App folgen.
Es gäbe generell viel zu wenig Forschung dazu, wie der Hormonhaushalt von Frauen den Sport beeinflusst. Frauen sind in sportwissenschaftlichen und pharmakologischen Studien unterrepräsentiert – etwa wegen potenzieller Schwangerschaften oder der Zyklusvariabilität.
Ausblick
Immer mehr Sportlerinnen thematisieren offen zyklusbedingte Beschwerden und setzen sich aktiv mit den Auswirkungen hormoneller Veränderungen auf ihre Leistungsfähigkeit auseinander. Zyklusbasiertes Training wird dabei zunehmend als Möglichkeit verstanden, individuelle Bedürfnisse besser zu berücksichtigen und sportliche Potenziale gezielt zu nutzen.
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